Ein Fuchsmühler übernimmt das Ruder: Michael Köllner: Mit Ehrgeiz ganz nach oben - anpfiff.info
Artikel veröffentlicht am 29.03.2017 um 12:00 Uhr
Ein Fuchsmühler übernimmt das Ruder: Michael Köllner: Mit Ehrgeiz ganz nach oben
MAGAZIN Michael Köllner ist derzeit ein vielgefragter Mann. Seit der Fuchsmühler das Trainerzepter beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg übernommen hat, herrscht - wenig überraschend - ein ziemlicher Personenkult um ihn, der bislang im großen Fußball eher kleinere Fußstapfen hinterlassen hat. Vor inzwischen 17 Jahren trainierte er kurzfristig den FC Bayern Hof, seither war er vor allem im Jugendbereich tätig.
Von Andi Bär
Die Anfrage von anpfiff.info bei Club-Pressesprecherin Luana Valentini, Schwester des zur nächsten Saison zum FCN zurückkehrenden KSC-Zweitligaprofis Enrico Valentini, hinsichtlich eines Gesprächstermins mit Michael Köllner, wurde daher höflich, wie bestimmt, zumindest zum momentanen Zeitpunkt, abgelehnt - der direkte Anruf wäre zwar möglich gewesen, ob der Doppel- und Dreifachfunktion Köllners ging man den journalistisch korrekten Weg. Schließlich ist Michael Köllner seit seiner Beförderung zum Cheftrainer nicht nur in dieser Funktion, sondern auch weiterhin als Leiter des Nachwuchsleistungszentrum und damit Chef von einigen Trainern im Jugendbereich und strategischer Planer tätig. Gut für Köllner, schade für die Leser von anpfiff.info, denen die ein oder andere vielleicht nicht uninteressante Aussage über vergangene Zeiten (zumindest vorläufig) entgeht - und interessante Aussagen kann man vom Club-Coach seit jeher in intensiven Gesprächen immer bekommen. Nichtsdestotrotz hat sich anpfiff.info entschieden, über die nicht uninteressante Vita des 46jährigen zu berichten, was auch unabhängig des neuen Tätigkeitsfeldes auf der Agenda stand. Köllner kann schließlich durchaus einiges erzählen - und ältere Aussagen aus seinem Lebenslauf auf der eigenen Homepage und des ein oder anderen aktuellen Interviews sind ebenfalls durchaus zitierenswert.

Im Laufe des Novembers gastierte Michael Köllner als U21-Trainer noch mit dem Club an alter Wirkungsstätte in Hof.
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Anscheinend kam auch für Michael Köllner die Beförderung vom NLZ-Leiter und Trainer der U21-Mannschaft vom Club zum Cheftrainer überraschend. Einen Tag vor der Bekanntgabe von ihm als Nachfolger des geschassten Alois Schwartz "bis auf weiteres" jedenfalls weilte er noch als Zaungast der Partie zwischen der Fohlenelf der SpVgg Greuther Fürth und der SpVgg Bayreuth im Fürther Ronhof. Wer hätte gedacht, dass keine zwölf Stunden später die Nachricht der Inthronisation Köllners als Zweitligatrainer über den Ticker der Agenturen läuft? Zumindest wussten auch Vater Erich und Mutter Marianne nicht davon. Im heimischen Herzogöd erfuhren sie von einer Freundin davon. Mit der Inthronisation als Zweitligatrainer hat der ehemalige Berufssoldat so etwas wie die Geschichte des fränkisch-oberpfälzischen Tellerwäschers zum Millionär hinter sich. Schließlich ist der Werdegang des Fuchsmühlers im Bereich der aktuellen Profitrainer der Republik der untypischste von allen. "Meine Geschichte ist sehr spezielle, da ich letztlich als Autodidakt zum Fußballtrainer wurde", so Köllner. Das fing schon bei den Basics an. 1992, im zarten Alter von 23 Jahren, nahm das Schicksal seinen Lauf. Der um einige Jahre ältere Mitspieler Jürgen Sieber überlegte, was er mit dem aufgrund einer schweren Knieverletzung übrig gebliebenen Resturlaub des Vorjahres anstellen sollte. Zusammen mit Köllner entschied er sich dazu, die damalige B-Lizenz in der Grünwalder Sportschule abzulegen. In dieser Zeit wechselte der heutige Club-Trainer von der SG Fuchsmühl zum SC Luhe Wildenau. Kurz vor dem Prüfungslehrgang zog er sich eine Patellaluxation zu, fuhr demnach ohne Training zur dritten und finalen Prüfungswoche. Am Ende stand eine Einser-Prüfung ohne jegliche Trainererfahrung im Vorfeld. "Ich hatte bis dahin lediglich viele Entscheidungen meiner Trainer und die Arbeit von diesen hinterfragt", grinst er rückblickend schelmisch. Mitte 1993 wechselte er an der Seite Siebers zum ATS Mitterteich. Siebert coachte, Köllner kickte. Ein Jahr später ging es in der selten Konstellation zurück zum Heimatverein. Mit einem kleinen Unterschied. Köllner juckte die Trainerarbeit.

Jubel pur: Das kennt Michael Köllner zur Genüge. Auch bei seinem Auftaktspiel mit der Zweitligamannschaft durfte er die Hände hochreissen.
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Er übernahm die A-Jugend in Fuchsmühl. Mit durchschlagendem Erfolg. Zweieinhalb Jahre lang verlor seine Truppe kein Spiel, stieg dreimal auf. Der Boom schlug sich in der Spielerzahl nieder. Aufgrund der vielen neuen Akteure trainierte er zusätzlich die B-Jugend. "Die ersten Jahre dort haben mir die Energie und die Motivation gegeben, weiterhin als Trainer arbeiten zu wollen." Und noch heute sagt er: "Meine erste Mannschaft werde ich immer im Herzen tragen, da jeder dieser Menschen mir so viel gegeben hat und mir den Weg meines Lebens zeigte: Fußballtrainer zu werden."  Fünf Jahre nach seinem ersten Schein zog Köllner aus nach Hennef, um die A-Lizenz zu erwerben. Beim Eignungstest kehrte Ernüchterung beim Oberpfälzer ein. DFB-Chefausbilder Gero Bisanz fragte nur nach, wo er trainiere und was er hier wolle. Die Antwort des altgedienten Trainerrecken war nicht für Jubelsprünge geeignet. Umso mehr die Nachricht, wonach er mit 1 abgeschlossen habe. Ohne Wartezeit konnte er die Ausbildung angehen. Gut, dass er nicht nur dort mit der Bestnote gemustert wurde, sondern in seiner Zeit beim Sanitärdienst der Bundeswehr auch die nötige Zeit hatte, sich intensiv mit seinem Lieblingshobby zu beschäftigen. Am Ende stand eine anständige Prüfung und mit 28 Jahren die A-Lizenz.

Ein nachdenklicher Michael Köllner. Wie hier bei der 0:5-Packung gegen die SpVgg Bayreuth wird es auch im Zweitligabereich Rückschläge geben - dessen ist er sich bewusst.
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1998 war er erstmals als Trainer im Seniorenbereich tätig. Beim FC Marktleuthen als Spielertrainer. Parallel begann er seine Tätigkeit als Kreisauswahltrainer im Marktredwitzer Kreis. Gerhard Nothhaft, lange Jahre beim Verband und als Vereinstrainer aktiv, inspirierte Köllner zu neuen Taten. "Bei ihm lernte ich viel und schnell", sagt er rückblickend. Nach wenigen Wochen im Kreis durfte er auf Bezirksebene als Auswahltrainer fungieren. Nach nur einem Jahr in Marktleuthen zog es den 47jährigen zurück nach Fuchsmühl, wo er seine ehemalige Jugendmannschaft im Seniorenbereich übernahm und den Wiederaufstieg anpeilte. An der Seite von Bruder Markus coachte er erste und zweite Mannschaft, parallel dazu die Verbandsliga-Frauen des SV Waldsassen. Zudem wurde er an der Seite des viel zu früh verstorbenen Udo Hagen DFB-Stützpunkttrainer in Kulmbach. Zwei Jahre später der Sprung in den höherklassigen Fußball. Gino Lettieri lockte Köllner als Jugendkoordinator nach Hof. Als Trainer der C- und anschließend der A-Jugend sowie sportlicher Leiter im Nachwuchsbereich widmete er sich der konzeptionellen Ausrichtung. Noch bevor er als U19-Trainer starten konnte, veränderte sich Lettieri in der laufenden Vorbereitung zum damals wieder aufstrebenden Bayernligisten FC Augsburg. An der Seite von Jürgen "Kitt" Gahn übernahm Köllner die Oberligamannschaft der Bayern interimsmäßig für einige Wochen. Als Cheftrainer Frank Papritz nach nur acht Spielen den Hut nehmen musste, inthronisierte Präsident Rainer Denzler ihn und Jürgen Gahn in der ersten Mannschaft.

Rauswurf hinterlässt Spuren

Aufgrund nachhaltiger Erfolglosigkeit dauerte das Intermezzo des einstigen A-Jugendtrainers nur 14 Partien. "Die Entlassung traf mich hart", so Köllner hernach. Schließlich hatte er seine Stützpunkttrainertätigkeit beendet und konzentrierte sich auf das Kerngeschäft. "Es lag sicher auch an meiner fehlenden Erfahrung in Punkto Menschenführng und an meinem Alter", so der damals 30jährige später über die lehrreiche Zeit. Seine Aufgabe als Spielertrainer bei der SG Gattendorf, wohin ihn Axel Werner und Marco Kemnitzer lockten, ging er wohl mit Elan an. "Aber ich hing durch", gibt er zu. Hermann Klante, Cheftrainer beim Bayerischen Fußballverband, trimmte Köllner schließlich wieder auf Erfolg. Als Co-Trainer unterstützte er ihn, landete erneut beim DFB, wo er als Koordinator in Ostbayern arbeitete. Zwölf lange Jahre war er Chef von gut 50 Stützpunkttrainern. "Eine Mammutaufgabe", sagt er - die er erfolgreich bewältigte. Gut für ihn. Schließlich hatte er daher die Muse, seine Fußball-Lehrer-Lizenz in Angriff zu nehmen. An der Seit von Jürgen Klopp meisterte er auch diese Hürde und war fortan Inhaber der UEFA-Pro-Lizenz - nur unlängst vorher wollte der Papa den einstigen Bundeswehrler beim heimischen Landratsamt im öffentlichen Dienst unterbringen, wie er O-Netz berichtete. Feiner Nebenaspekt des Lehrgangs: Der ebenfalls teilnehmende Günter Brandl wurde zu seinem wichtigen Wegbegleiter in den nächsten Jahren und Co-Autor eines Buches. Die Zeit des Abschiedes vom Verband näherte sich dennoch. "Es wurde Zeit", so Köllner später. Er widmete sich zwei Buchprojekten, trainierte in Regensburg beim Jahn die U10. Am Ende landete er bei der U17 der SpVgg Greuther Fürth, für die er ein Jahr tätig war. Er wechselte zum 1. FC Nürnberg, für den er als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums tätig war. Vor dieser Saison übernahm er die U21 von Roger Prinzen. Nur ein knappes halbes Jahr später wurde er als Cheftrainer der Zweitligamannschaft vorgestellt - und vollendete damit, zumindest vorläufig, die Geschichte des tellerwaschenden Trainers, der es in die Riege der Vorzeigecoaches der Republik geschafft hat. Und eines kann anpfiff.info schon jetzt versprechen: Sollte es ruhiger werden im Hause Köllner und die Presseabteilung des 1. FC Nürnberg dem höchst gläubigen Köllner ihren Segen geben - dann berichten wir an gleicher Stelle nach. Mit dem Vorteil, auf Details eingehen zu können, die in diesem Bericht noch nicht näher beleuchtet wurden.

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Leser-Kommentare


Steckbrief M. Köllner

Michael Köllner
Spitzname
Micha
Alter
54
Geburtsort
Fuchsmühl
Wohnort
Nürnberg
Familie
in Beziehung
Beruf
Fußballlehrer, Sportfachwirt


Trainerstationen M. Köllner

23/24
3. Liga
 
22/23
3. Liga
 
22/23
3. Liga
 
21/22
3. Liga
 
20/21
3. Liga
 
19/20
3. Liga
 
18/19
BuLi
 
17/18
2. BuLi
16/17
2. BuLi
 
16/17
REGL
 
14/15
Greuther Fürth, U17
 
11/12
J. Regensburg, U13
 
00/01
OBERL BAY
 
99/00
Fuchsmühl
 
98/99
Marktleuthen
 
96/97
(SG) Fuchsmühl, U19
 
95/96
(SG) Fuchsmühl, U19
 
94/95
(SG) Fuchsmühl, U19
 

Hintergründe & Fakten

Personendaten
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Michael Köllner auf Wikipedia

Michael Köllner (* 29. Dezember 1969 in Fuchsmühl) ist ein deutscher Fußballtrainer.

Seit 2001 ist er Sportfachwirt und seit 2004 DFB-Fußballlehrer.

Trainerstationen

2000 Jugendkoordinator und -trainer FC Bayern Hof 2000–2001 Cheftrainer FC Bayern Hof
2003–2004 Co-Trainer Deutsche U15-Nationalmannschaft
2004–2009 Cheftrainer Bayer. Landesauswahl U17 und U19
2009–2012 Cheftrainer SSV Jahn Regensburg U10–U12 2002–2014 Koordinator des Deutschen Fußball-Bundes für Talentförderung
2002–2014 Verantwortlicher Sportlicher Leiter für die Regionalauswahlmannschaften U13–U17
2014–2015 Cheftrainer SpVgg Greuther Fürth U17 2016– Cheftrainer 1. FC Nürnberg U21
2017– Interimstrainer 1. FC Nürnberg

Autor Michael Köllner ist Autor des Fußballtaktik- und Trainerhandbuches „Spielfähigkeit im Fußball“. Mit „Spielfähigkeit im Fußball“ zeigen die Autoren Köllner und Brandl einen Weg, den modernen Fußball auf alle Alters- und Leistungsklassen anzuwenden. Ob als Jugendausbildungskonzept oder als Leitfaden für die Entwicklung einer Mannschaft: Das Ziel ist ein temporeicher Kombinationsfußball mit Raum für individuelle Kreativaktionen. In methodisch aufeinander aufbauenden Spielen vermitteln die Autoren zunächst grundlegende Verhaltensweisen und bauen stufenweise einfache gruppentaktische Muster in ihre Beispielpraxis. Richtig miteinander kombiniert, entwickelt sich daraus in den abschließenden Basisspielformen ein rasanter, sicherer Kombinationsfußball. Zum Training der dazu nötigen technischen Grundlagen bieten Köllner und Brandl ergänzende Übungsformen an. Die beiliegende DVD enthält Videoaufzeichnungen fast aller im Buch dargestellten Trainingstipps. Das ermöglicht, die Praxisvorschläge sowie ihre entscheidenden Details auch im bewegten Bild zu studieren und noch leichter selbst umzusetzen. Das funktioniert nicht mit Ihrer Mannschaft? Die beiden Autoren trainieren seit Jahren Mannschaften aller Alters- und Leistungsbereiche. Von der zweiten Bundesliga bis zur Kreisklasse, von Profis bis zu F-Junioren reicht ihre Erfahrung mit der erfolgreichen und nachhaltigen Vermittlung spielerischer Fähigkeiten. In „Spielfähigkeit im Fußball“ beschreiben Köllner und Brandl, welche Trainingsziele sie verwirklichen und mit welchen Methoden sie die Spielfähigkeit ihrer Mannschaften binnen kurzer Zeit steigern. Sonstige Tätigkeiten Referent beim Bund Deutscher Fußball-Lehrer seit 2005 (u.a. Referent beim 50. Internationalen Trainerkongress in Nürnberg 2007) Entwicklung einer Trainings-, Spiel- und Ausbildungsphilosophie (2007) Autor in der Trainerzeitschrift „Fußballtraining“ (Philippka-Sportverlag) (seit 2008) Mitverantwortlich für Lehrmedien und Lehrmaterialien beim Deutschen Fußball-Bund (seit 2005) Mitarbeiter in der Traineraus- und -fortbildung des Deutschen Fußball-Bundes und des Bayerischen Fußball-Verbandes Entwicklung eines bayernweiten Schulfußballkonzeptes für das bayerische Ministerium für Unterricht und Kultus, dem Bayerischen Fußball-Verband und Deutschen Fußball-Bund (2003) Leiter der bundesweiten Schulfußballkommission im Bereich Talentförderung des Deutschen Fußball-Bundes (2007–2014) Sportliche Gesamtleitung für Paulaner AG für den Paulaner-Cup des Südens 2011, 2012, 2013, 2014 und 2015


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