Das sagt der Doc: Das sind die häufigsten Verletzungen beim Fußball! - anpfiff.info
Artikel veröffentlicht am 05.12.2023 um 06:00 Uhr
Das sagt der Doc: Das sind die häufigsten Verletzungen beim Fußball!
Bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. soll in China eine Art Fußball gespielt worden sein. In Europa ging die Entwicklung ab 1863 von England aus und verbreitete sich über die Schweiz, wo damals viele Engländer an Privatschulen studierten. Die körperliche Beanspruchung der Sportart ist hoch, und neben Verletzungen kommen vor allem auch Fehl- und Überlastungen vor. Die Wichtigsten erfahren Sie in diesem Artikel.
Von Prof. Dr. med. Roland Biber (Chefarzt der Unfallchirurgie der DR. ERLER KLINIKEN in Nürnberg)
fussballn.de / Kögel
Laufwege sind länger, Verletzungen konstant

Das Gute vorweg: Trotz der in den letzten Jahrzehnten weiter gestiegenen Leistungsansprüche und dem immer höheren Tempo ist die Zahl der Trainings- und Spielverletzungen weitgehend konstant geblieben. Dies ist durchaus beachtlich, sind doch die durchschnittlichen Laufwege während eines Spiels von etwa 3 km in den 50er-Jahren auf heute 10-14 km angestiegen. Aus dem deutschen Profifußball wissen wir, dass pro Saison und eingesetztem Spieler etwa 2,7 Verletzungen vorkommen, wobei 83% aller eingesetzten Spieler betroffen sind. Am gefährdetsten sind dabei Verteidiger. Meist handelt es sich hier um Zerrungen und Muskelfaserrisse im Oberschenkelbereich, die jeweils zu einem Ausfall von im Mittel 13 Tage führen. Im Profifußball sind 30-35% aller Verletzungen Muskelverletzungen.       

Die meisten Fußballer haben eine dominante Seite (Standfuß, Schussfuß), was zu seitendifferenter Muskelausprägung führen und Fehlbelastungsprobleme zur Folge haben kann. Mit geeignetem Ausgleichstraining kann Überlastungsproblematiken entgegengewirkt werden, aber auch das Verletzungsrisiko wird gesenkt. So geht man etwa davon aus, dass der Rückgang von Bandverletzungen seit 2001 auf Präventionsmaßnahmen wie propriozeptives Training und Taping zurückzuführen ist. Statistisch machen Verletzungen etwa 70% aus, Überlastungsprobleme dagegen 30%.

Der Oberschenkel ist am häufigsten betroffen

Nicht verwunderlich ist, dass 85-90% aller Probleme an der unteren Extremität auftreten. In absteigender Häufigkeit sind Oberschenkel, Kniegelenk, Hüfte und Leiste sowie das Sprunggelenk betroffen. Neben oberflächlichen Problemen wie etwa Blasen an den Füßen sind insbesondere Muskeln und Sehnen (fast 50 %) sowie Bänder und Gelenke (ca. 25%) betroffen. Am häufigsten sind dabei Verletzungen der ischiokruralen Muskulatur und der Adduktoren, Sprunggelenksdistorsionen, Verletzungen an Quadrizeps und Wade, Kniegelenkszerrungen, Oberschenkelprellungen, Achillessehnenprobleme und Kreuzschmerzen. Weniger häufig, aber oftmals unterschätzt, sind Kopfverletzungen mit und ohne Bewusstlosigkeit (Concussion, „Gehirnerschütterung“).      

Ein interessanter Fakt zum Ende: Studien haben gezeigt, dass die Verletzungsrate bei Niederlagen höher ist. Es konnte aber bisher nicht wissenschaftlich geklärt werden, ob sich das Spielergebnis auf die Verletzungsrate auswirkt, oder vielmehr der verletzungsbedingte Ausfall von Spielern entscheidend den Spielausgang beeinflusst.

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Über den Autor

Prof. Dr. med. Roland Biber
Ärztlicher Direktor DR. ERLER KLINIKEN
Apl. Prof. für Orthopädie und Unfallchirurgie der PMU Salzburg
Chefarzt Klinik für Unfallchirurgie
Facharzt für Chirurgie
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Schwerpunktbezeichnung Unfallchirurgie
Zusatzbezeichnung Spezielle Unfallchirurgie, Sozialmedizin, Sportmedizin, Notfallmedizin
Zusatzbezeichnung Klinische Akut- und Notfallmedizin

Telefon:
0911/ 27 28–202
E-Mail: unfallchirurgie@erler-klinik.de

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