Stadien mit Geschichte: Das Stadion an der Hammermühle in Kronach - anpfiff.info
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Artikel veröffentlicht am 16.02.2008 um 10:00 Uhr
Stadien mit Geschichte:
Das Stadion an der Hammermühle in Kronach
MAGAZIN
Naturstadien haben meist ihren ganz eigenen Reiz. Anders als andere Stadien passen sie sich ihrer Umgebung an, beziehen die Gegebenheiten der Natur sogar mit ein. Das Waldstadion in Weismain ist sicher das bekannteste Naturstadion Oberfrankens, das älteste indes ist das Stadion an der Hammermühle in Kronach, seit nunmehr bald achtzig Jahren die Heimat des 1. FC Kronach 08.
Von
Robert Schäfer
Wenige Wochen noch, dann kann der FC Kronach 08 sein einhundertjähriges Bestehen feiern. Auf Anregung des Bankbeamten Carl Knauf gründeten am 5. April 1908 dreizehn junge Kronacher im Hotel Goldener Wagen den „1. Fußball-Club Kronach“. Ziel des Vereins war, so formulierten es die Gründer, die „Pflege des Fußballspiels“ in der Geburtsstadt von Lucas Cranach. Ein erstes Freundschaftsspiel gegen den FC Lichtenfels bestritten die Kronacher Kicker bereits einen Monat später, am 10. Mai 1908; die Gäste gewannen mit 0:6.
Alles gerüstet für den großen Ansturm: Drei Kassenhäuschen empfangen die Besucher des Stadions an der Hammermühle.
Robert Schäfer
Unstetes Nomadendasein prägte die Anfänge des Vereins
Davon freilich ließen sich die Kronacher nicht entmutigen, in den folgenden zwei Jahren trugen sie zahlreiche Freundschaftsspiele gegen Mannschaften aus der Region aus. Punktspiele bestritt der FC Kronach hingegen erst ab 1910, als der Verein dem Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine beitrat. Ähnlich wie etwa der VfB Coburg oder der VfL Neustadt gehörte der FC Kronach fußballerisch damit ursprünglich nicht zu Bayern, sondern zu Thüringen. Eine Schwierigkeit stellte in diesen frühen Jahren vor allem die Suche nach einem geeigneten Sportgelände dar. Fast alle Fußballvereine sahen sich in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg mit diesem Problem konfrontiert, die Kronacher jedoch sollten anfangs zu einem besonders unsteten Nomadendasein gezwungen werden. Seine ersten Heimspiele bestritt der FC Kronach auf dem heutigen Kaulangerparkplatz, schon 1909 zog der Verein jedoch ein erstes Mal um. Der Brauereibesitzer Lothar Kaiser erlaubte den Fußballern die Benutzung seiner Wiese an der Friesener Straße, unweit des Kreiskrankenhauses.
Von der Kaiserhofwiese an die Lehmgrube
Die sogenannte „Kaiserhofwiese“ eignete sich jedoch weder hinsichtlich ihrer Größe noch in Bezug auf ihren Zustand für einen geregelten Spielbetrieb, weswegen die Kronacher Fußballer schon 1910 erneut umzogen. Der Ziegeleibesitzer Erhard Porzelt verpachtete für 180 Mark im Jahr ein Grundstück bei seiner Fabrik an den Verein, die Lehmgrubenwiese „Auf dem Graz“. Es war bereits das dritte Sportgelände des FC, doch das erste, das sich als einigermaßen tauglich erwies. Feste Tore und eine Umkleidehalle wurden errichtet, eine Spielfeldbarriere und sogar ein Maschendrahtzaun angelegt, zur Platzeinweihung durften sich die Kronacher überdies über einen 2:1-Erfolg gegen den FC Michelau freuen. Hier und gelegentlich auf der sogenannten „Metzmannwiese“ trug der FC Kronach in den folgenden Jahren nun seine Heimspiele aus. Der Wunsch nach einer dauerhaften Lösung der Sportplatzfrage wurde jedoch spätestens nach Ende des Ersten Weltkrieges immer stärker. Und so machten Mitte der zwanziger Jahre die Vereinsmitglieder endlich Nägel mit Köpfen.
Die 1949 angelegte Naturtribüne verleiht dem Kronacher Stadion einen ganz eigenen Reiz.
Robert Schäfer
1928: Das Stadion an der Hammermühle wird eingeweiht
1927 – inzwischen war der FC Kronach dem Süddeutschen Fußballverband beigetreten – wurde mit dem Bau des Sportplatzes an der Hammermühle begonnen. Eineinhalb Jahre dauerten die Arbeiten, die den Vereinsmitgliedern sehr viel Mühe und Geduld abverlangen sollten. 200 Kubikmeter Erde mussten bewegt werden, um das vorgesehene Gelände für den Spielbetrieb herzurichten. Im „freiwilligen Arbeitsdienst“ – damals bei derartigen Projekten gang und gäbe – war dies kaum zu bewerkstelligen, daher musste schließlich ein Bauunternehmen mit den anfallenden Arbeiten beauftragt werden. Der Aufwand jedoch lohnte sich. Schritt für Schritt wurde das Gelände eingeebnet und, wo nötig, mit Erde aufgefüllt, eine Rasenfläche wurde angelegt, das künftige Stadion mit einem Bretterzaun umgeben, ein Kassenhäuschen gebaut, die Tore aufgestellt und das Spielfeld mit einer Stangenbarriere begrenzt. Schließlich und endlich musste auch noch eine neue Umkleidehalle errichtet werden, da die alte, die man eigentlich vom Sportplatz an der Lehmgrube hatte mitnehmen wollen, am 30. August 1928 abgebrannt war. Allen Widrigkeiten und Verzögerungen zum Trotz konnte am 7. Oktober 1928 der Sportplatz an der Hammermühle endlich eingeweiht werden. Der VfR Johannisthal siegte in einem Verbandsspiel mit 1:3.
Die Naturtribüne entsteht
Sein heutiges Aussehen erhielt der Sportplatz an der Hammermühle allerdings erst in den Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Noch 1943, also mitten im Krieg, wurde eine Hundertmeter-Aschelaufbahn im Stadion angelegt. 1949 dann wurde das Sportgelände zur endgültigen Größe ausgebaut – es entstand das imposante Naturstadion, in dem der FC Kronach bis heute seine Heimspiele austrägt. Die zwischenzeitlich wieder verschwundene Laufbahn wurde auf 400 Meter Länge erweitert, an der Nordseite des Platzes wuchsen Stehränge in Form von vier Betonstufen empor, ferner wurde eine Anzeigetafel mit Uhr aufgestellt. Vor allem aber bezog man nun den Steilhang entlang der Südseite des Platzes in das Sportgelände mit ein. Hier legte man eine imposante Naturtribüne mit zahlreichen Stehplätzen sowie Sitzplätzen in Form schlichter Holzbänke an, die das Fassungsvermögen des Stadions auf insgesamt 6.000 Plätze erweiterten. Diese terrassenartige, sehr steile Tribüne ist es, die den eigentlichen Reiz des Stadions an der Hammermühle ausmacht. Komplettiert wurde die Arena schließlich durch ein neues Sportheim, das Anfang der sechziger Jahre errichtet und am 22. September 1961 eingeweiht wurde.
Beste Aussicht: Von den Rängen der Naturtribüne kann sich der Zuschauer einen guten Überblick über das Spielgeschehen auf dem Rasen verschaffen.
Robert Schäfer
Zwei Aufstiege in die Bayernliga
Jetzt, erst jetzt, kam der FC Kronach auch sportlich allmählich auf einen grünen Zweig. Bis dahin nämlich hatten die Frankenwälder stets im Schatten erfolgreicherer Nachbarn gestanden, des FC Lichtenfels etwa, des VfL Neustadt oder auch des SV Neuses. 1967 stieg Kronach erstmals in die Landesliga auf, 1971 gelang gar der Sprung in die Bayernliga, die der FC jedoch bereits nach nur einem Jahr wieder verlassen musste. 1987 glückte noch einmal die Rückkehr in die dritthöchste Spielklasse, doch erneut gelang es den Kronachern nicht, sich dauerhaft in der Bayernliga zu etablieren. 1989 stieg der Verein wieder in die Landesliga ab. Mit einer kurzen Unterbrechung hielt sich der FC Kronach dort noch bis 1998, danach aber stieg der Verein sukzessive bis in die Kreisliga ab. Dort belegt Kronach aktuell den ersten Platz, darf also zumindest auf eine Rückkehr in die Bezirksliga hoffen. Das Stadion an der Hammermühle besteht unterdessen in fast derselben Form wie 1949. Die Sitzbänke auf der Südseite des Stadions, an der steilen Naturtribüne, sind stellenweise zwar etwas morsch, seinen ganz speziellen Charme hat sich das Stadion allerdings bis heute bewahren können.
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