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Artikel veröffentlicht am 06.07.2007 um 01:00 Uhr
Stadien mit Geschichte:
Das Stadion am Schwalbenberg in Vestenbergsgreuth
MAGAZIN
Es ist weder ein sonderlich großes, noch ein sonderliches altes Stadion. Und dennoch ist es eine Legende weit über die Grenzen Frankens hinaus: Das Stadion am Schwalbenberg in Vestenbergsgreuth.
Von
Robert Schäfer
In nur dreizehn Jahren von der C-Klasse in die Bayernliga, später dann Qualifikation für die Regionalliga und schließlich Sieger über den FC Bayern München im DFB-Pokal – der Aufstieg des TSV Vestenbergsgreuth zählt zweifellos zu den ungewöhnlichsten in der deutschen Fußballgeschichte. Untrennbar verbunden mit dem vielbeachteten Höhenflug der Steigerwälder ist bis heute das Stadion am Schwalbenberg. Tausende von Fußballfans pilgerten zu den Glanzzeiten des TSV in die oberhalb des Ortes gelegene Arena, um dort die Spiele gegen namhafte Gegner aus dem ganzen süddeutschen Raum zu erleben. In Bamberg, Forchheim, Erlangen und weit darüber hinaus genießt der Schwalbenberg noch immer einen geradezu legendären Ruf.
Ländliches Ambiente: In mancher Beziehung erinnert der Schwalbenberg noch heute an einen ganz normalen Sportplatz.
Robert Schäfer
1974: Gründung des TSV Vestenbergsgreuth
Die Anfänge freilich waren auch in Vestenbergsgreuth bescheiden. Lange gab es überhaupt keinen Fußballverein in der kleinen mittelfränkischen Marktgemeinde. Kurzzeitig existierte nach dem Zweiten Weltkrieg die SpVgg Vestenbergsgreuth, die jedoch nach wenigen Jahren wegen Spielermangels wieder einschlief. Die Greuther Kicker waren daher in den nächsten Jahrzehnten ausschließlich im Umland aktiv, in Uehlfeld etwa oder in Höchstadt. Erst zu Beginn der siebziger Jahre kam erneut die Idee auf, einen Fußballverein in Vestenbergsgreuth ins Leben zu rufen. Finanziell unterstützt durch die ortsansässige Firma Bauer, gelang es tatsächlich, eine ausreichende Zahl von bis dahin auswärts aktiven Fußballern für die Idee eines eigenen Vereins zu begeistern, und so kam es schließlich am 1. Februar 1974 zur Gründung des TSV Vestenbergsgreuth. Der Verein wurde dem Spielkreis Bamberg eingegliedert und trat dort in der damaligen C-Klasse 3 zur Saison 1974/75 erstmals an.
Durchmarsch von C-Klasse in die Bayernliga
Seine ersten Heimspiele trug der TSV allerdings noch nicht am später so berühmten Schwalbenberg aus. Am Waldrand wurde vielmehr ein Hartplatz angelegt, der als einzigen Luxus über eine Flutlichtanlage verfügte. Noch im Gründungsjahr wurde jedoch neben der Schule mit dem Bau eines neuen Sportgeländes begonnen, dessen Herzstück ein etwas weniger provisorisch anmutendes Rasenfeld werden sollte – das spätere Stadion am Schwalbenberg. Gleichzeitig sorgte der junge Verein auch für sportliche Schlagzeilen. Die C-Klasse durchlief Greuth im Schnelldurchgang – mit 109:18 Toren und 44:4 Punkten wurde der TSV bereits in seinem ersten Jahr unbesiegt Meister. Schon damals war die Mannschaft aus dem Teedorf ein Publikumsmagnet. Unglaubliche 2.000 Zuschauer wollten das Entscheidungsspiel gegen den einzigen ernstzunehmenden Konkurrenten erleben, den FC Wacker Trailsdorf. 2:1 siegten die Greuther und stiegen in die B-Klasse auf – der erste von insgesamt fünf Aufstiegen bis 1987. Die Erfolge in Zeitraffer: Bereits 1976 Aufstieg in die A-Klasse, 1979 erneuter Aufstieg in die Bezirksliga, dort Durchmarsch in die Landesliga Mitte. Nach einigen Jahren der Konsolidierung 1987 Meister der Landesliga Mitte und Aufstieg in die Bayernliga – ganze dreizehn Jahre nach der Gründung des Vereins!
Mittelpunkt des Stadions, aber nicht in der Mitte gelegen: Die 1981 errichtete Tribüne steht ungewöhnlicherweise nicht auf Höhe der Mittellinie, sondern seitlich versetzt in Richtung Schule.
Robert Schäfer
Aus dem Sportplatz wird ein Stadion
Spätestens jetzt hatte sich Vestenbergsgreuth den Ruf einer Kultmannschaft erworben, zu deren Heimspielen Fußballfans aus der ganzen Region pilgerten. Nur logisch war es daher, dass mit wachsendem Erfolg auch das Sportgelände immer weiter ausgebaut wurde. Nach gut einjähriger Bauzeit wurde das neue Rasenfeld – zunächst noch ein ganz normaler Dorfsportplatz – ausgerechnet mit einem Spiel gegen den damaligen Zweitligisten SpVgg Fürth eingeweiht. Immerhin 2.000 Zuschauer erlebten die Premiere am Schwalbenberg, die mit einem respektablen 1:1 endete. Je erfolgreicher der TSV in den folgenden Jahren agierte, desto weniger reichte auf Dauer ein simpler Sportplatz für die Heimspiele der Greuther aus. Als Vestenbergsgreuth 1980 in die Landesliga aufstieg, reiften daher erste Pläne zum Ausbau des Geländes. Den ersten und wichtigsten Schritt auf dem Weg zum Stadion am Schwalbenberg bildete 1981 der Bau einer Tribünenanlage, die bis heute den Blickfang des Stadions bildet. Kurioserweise wurde sie nicht etwa, wie sonst meist üblich, auf Höhe der Mittellinie erbaut, sondern vielmehr seitlich versetzt in Richtung Schule. 1987 dann, nach dem Aufstieg in die Bayernliga, wurden überdies zwei Stehtribünen angelegt, die sich seitlich der Tribüne und hinter dem schulseitigen Tor befinden. Zwei Jahre später schließlich konnten ein komfortables Mehrzweckgebäude sowie ein B-Rasenspielfeld mit Flutlichtanlage eingeweiht werden – der Ausbau des Sportgeländes zu einem Stadion mit einem Fassungsvermögen von nunmehr 6.000 Zuschauern war damit vollendet.
Erfolge in der Regionalliga und im DFB-Pokal
Noch lange nicht abgeschlossen war derweil der sportliche Höhenflug der Greuther. Ganz im Gegenteil: Die ganz großen Erfolge des TSV stellten sich erst in den neunziger Jahren ein. Als der DFB die Wiedereinführung der Regionalliga zur Saison 1994/95 beschloss, war Vestenbergsgreuth – fast möchte man schreiben natürlich – mit dabei. In der Regionalliga Süd traf der TSV in den beiden folgenden Jahren auf eine ganze Reihe an Traditionsvereinen. Der SSV Ulm 1846, die Offenbacher Kickers, Darmstadt 98, Hessen Kassel, der FC Augsburg, der VfR Mannheim oder der SSV Reutlingen – sie alle gaben ihre Visitenkarte am Schwalbenberg ab. Unsterblich aber machte sich die Elf von Trainer Paul Hesselbach mit einem Heimspiel in der Fremde: Am 14. August 1994 besiegte der TSV in der ersten Runde des DFB-Pokals den amtierenden Deutschen Meister Bayern München mit 1:0 – allerdings nicht am Schwalbenberg, der dem Ansturm der 24.000 Zuschauer nicht gewachsen war, sondern im Nürnberger Frankenstadion. Danach kegelten die Teekicker auch noch Zweitligist FC Homburg mit 5:1 aus dem Wettbewerb, ehe in der 3. Runde dann der VfL Wolfsburg die Nase vorne hatte – allerdings erst nach Elfmeterschießen. Auch in der Regionalliga sorgte Greuth für Aufsehen. 1995 belegte die Mannschaft Rang fünf, im Jahr darauf Platz sechs.
Wellenbrecher in der A-Klasse: In der Saison 2007/2008 rollt das Leder endlich wieder auch am Schwalbenberg.
Robert Schäfer
Die Ruhe nach dem Sturm
Es sollte freilich auch das vorerst letzte Jahr des TSV im großen Fußball sein. Bereits 1995 hatte es erste Gespräche mit dem damaligen Ligakonkurrenten SpVgg Fürth über eine mögliche Bündelung der Kräfte gegeben. Nach Ablauf der Saison 1995/96 dann schlossen sich die Leistungsfußballer beider Vereine als SpVgg Greuther Fürth zusammen – und stiegen prompt in die 2. Bundesliga auf! Am Schwalbenberg jedoch ist es seither ruhig geworden. Neben diversen Jugendmannschaften und den Alten Herren des TSV gastierten wiederholt zwar auch die Fürther Amateure in Vestenbergsgreuth, wirklich angenommen wurden diese Spiele von den einheimischen Zuschauern jedoch nie. Erst jetzt, zur Saison 2007/08, kehrt der TSV mit einer Ersten Mannschaft in den Spielbetrieb zurück. Damit erlebt nun auch der Schwalbenberg sein langersehntes Comeback, wenngleich nicht in der Regional- oder Bayernliga, sondern (vorerst) „nur“ in der A-Klasse.
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