Lu-CUP Görtler: Der Fußballgott macht sich unsterblich - anpfiff.info
Artikel veröffentlicht am 24.05.2026 um 21:30 Uhr
Lu-CUP Görtler: Der Fußballgott macht sich unsterblich
MAGAZIN Der Kemmerner Jung hat es geschafft. Im dritten Anlauf reckte Lukas Görtler am durchaus historischen Sonntag, 24. Mai 2026 den Schweizer Cup als Kapitän des FC St. Gallen nach einem 3:0-Finalsieg über Stade Lausanne Ochy in den strahlend blauen Himmel über dem nicht minder historischen Wankdorf Stadion zu Bern. UPDATE: Jetzt mit ausführlicher Bilderstrecke!
Von Bernd Riemke

Samstag, 24. Mai 2026, 16.12 Uhr. Wankdorf Stadion in Bern. Der schweizer Fußballverband ehrt seine Cupsieger und überreicht den Pokal an den Spielführer des FC St. Gallen: Lukas Görtler.

Mehr als 50 Jahre Anlauf

Hinter dem Kemmerner Jung liegen sieben Jahre im Trikot der Ost-Schweizer. Eine Vizemeisterschaft, zwei Finalteilnahmen und eine erneut bärenstarke Saison mit den Grün-Weißen, die zum zweiten Mal auf dem zweiten Platz der Super-League im Land der Eidgenossen endete. Was fehlte war die Krönung. Das i-Tüpfelchen. Ein Titel für die treuen Anhänger, die seit mehr als einem halben Jahrhundert darauf warten, einen Cupsieg zu feiern. 

Der Fußballgott liefert ab

Lukas Görtler schenkte ihnen diesen Traum. Gegen den Zweitligisten FC Stade Lausanne Ochy ging der FC St. Gallen als Favorit und entsprechend couragiert ins Rennen. Das legendäre Berner Wankdorf-Stadion, in dem Deutschland einst mit dem ersten Weltmeisterschaftstitel 1954 seine "Wiedergeburt" feierte, war bis auf den letzten Platz mit 30 761 Zuschauern gefüllt - und die Arena fest in grün-weißer Hand. Als der Stadionsprecher die Nummer 16 des FC St. Gallen begrüßte hallte ein "Lukas Görtler Fußballgott" durch das weite Rund und der 31-Jährige, der über die Jahre hinweg zu einer wahren Identifikationsfigur heranreifte, enttäuschte seine Anhänger nicht. 

Lukas Görtler (Mitte) mit seinen Teamkollegen vom FC Sankt Gallen nach dem Pokalgewinn. 
Bernd Riemke

Der Anführer ist gefragt. Der Anführer ist da!

Schon beim frühen 1:0 durch Tom Gaal hatte er als vorletzter Passgeber seine Füße im Spiel, überzeugte mit einer enormen Präsenz auf dem Platz und avancierte zum endgültigen Leader als sein bester Freund im Kreis der Mannschaft sich einen verhängnisvollen Lapsus leistete. Lukas Watkowiak ist der Pokal-Torhüter der St. Galler, doch in der 43. Minute unterlief dem Keeper ein kapitaler Fehler, als er einen gegnerischen Stürmer außerhalb des Strafraums anschoss und ihn anschließend als letzter Mann zu Boden riss. Die rote Karte war folgerichtig und der Favorit fortan in nomineller Unterzahl. "Ich weiß, wie sich Platzverweise anfühlen und kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie es ist, einen solchen in einem Cupfinale zu bekommen. Er tat mir unheimlich leid. Deswegen freut es mich mega, dass wir auch für ihn den Pokal geholt haben", sprudelte es aus Lukas Görtler nach dem Schlusspfiff heraus. Bis dahin hatte der amtierende Vizemeister alles im Griff und so verwundert es nicht, dass Mister 100% selbst nach diesem Nackenschlag keine Zweifel am Sieg hegte. "Mir war schon klar, dass es nun um einiges schwieriger werden würde, aber ich war überzeugt davon, dass wir das Ding ziehen", so der 31-Jährige, der seine Führungsqualitäten im weiteren Verlauf eindrucksvoll unter Beweis stellte. 

"Hau das Ding einfach rein"

Es lief die 65. Minute als Mama "Orakel" Susanne Görtler Recht behalten sollte. Sie wusste schon vor dem Partie, dass ihrem Filius heute ein Treffer gelingen würde. Es wurde einer mit reichlich Anlauf. Nach minutenlangem VAR-Check entschied der Unparteiische auf Elfmeter für St. Gallen und bei dem machte der Fußballgott kurzen Prozess. "Ich war tatsächlich gar nicht so nervös und habe mir nur vorgestellt, wie tausende St. Galler nun beim Public Viewing zu Hause sitzen und sich denken "Görtler, hau das Ding einfach rein'. Der Moment war sehr speziell", sinnierte der Kapitän der Ost-Schweizer, der die Ruhe bewahrte, Gästekeeper Leo Besson in die falsche Ecke schickte und selbst im Gefühl des sicheren Triumphes auf dem Platz zu Ruhe und Konzentration mahnte. Unterstützt durch ein frenetisches Publikum, das zahlenmäßig in herausragender Überzahl auf den Rängen mitfieberte, brachte der amtierende Schweizer Vizemeister den Vorsprung nicht nur über die Runden, sondern brachte das Berner Wankdorf Stadion zum Überkochen, als der Sekunden zuvor eingewechselte Christian Witzig mit seinem ersten Ballkontakt den 3:0-Endstand in der Nachspielzeit besorgte. 

Ein bodenständiger Leitwolf

Nach dem Schlusspfiff genossen die Eidgenossen ihren Triumph im wahrsten Sinne des Wortes hautnah. Angeführt von ihrem Kapitän nahmen die Spieler ihr sprichwörtliches Bad in der Menge und marschierten schulterklopfend durch den Fanblock. Leitwolf Lukas Görtler ging zunächst voran und gönnte sich anschließend seinen stillen Moment des Sieges. Er bedankte sich bei jedem einzelnen Mitspieler per Handschlag und tat Selbiges  beim unterlegenen Gegner - Attribute eines wahren Anführers eben, der im größten Triumph auch die Verlierer nicht vergisst. "Mir bedeutet dieser Cupsieg unglaublich viel vor allem für die Region und eine ganze Generation, die keinen Titel feiern durfte. Das hier und heute als Kapitän dieser Mannschaft geschafft zu haben, ist sehr bedeutsam für mich", wurde Lukas Görtler für einen Augenblick nachdenklich, ehe er an historischer Stätte für den FC St. Gallen unsterblich wurde.

Lukas Görtler mit seiner Familie und Fans aus Kemmern.
Bernd Riemke

Der zweite nach Fritz Walter

Papa Bernhard Görtler, der mit einer knapp zwanzig-köpfigen SC Kemmern-Delegation auf den Rängen unentwegt die Daumen drückte, hoffte es von Beginn an. "Ich wünsche mir, dass mal wieder ein deutscher Kapitän einen Pokal in Wankdorf in die Höhe reckt", sagte er und sah Punkt 16.12 Uhr wie nach Fritz Walter, der anno 1954 den WM-Pokal in den Berner Nachthimmel reckte, sein Sohn den Schweizer Cup mit beiden Armen unter grenzenlosem Jubel in die Höhe stemmte. 

Effes Tipps sind goldwert

Als ob so ein geschichtsträchtiger Tag nicht ohnehin seine eigenen Geschichten schreiben würde, gab Lukas Görtler nach dem Schlusspfiff exklusiv für anpfiff.info seine besonderen Motivationsgrüße von Stefan Effenberg preis. "Ich kenne ihn nicht, habe aber Kontakt zu ihm aufgenommen und ihn gefragt, ob er mir ein paar Tipps geben kann", verriet Görtler, der mit dem FC St. Gallen 2021 und 2022 zwei Cup-Endspiele verloren hatte. Genau wie der "Tiger", der 1999 traumatisch mit dem FC Bayern im Champions-League-Finale scheiterte, um 2001 umso erfolgreicher zurückzukehren. "Er hat mir eine Sprachnachricht geschickt und gesagt, dass ich immer positiv bleiben soll, auch wenn Widerstände kommen werden. Der unbedingte Wille ist entscheidend. Ich soll keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass es klappen wird", gewährte Görtler Einblick - und es klappte. "Ich bin megaglücklich, dass wir es geschafft haben. Jetzt werde ich ihm das Siegerfoto schicken", sprach Lukas Görtler und verschwand in den Armen seiner Familie. Als abschließend "We are the champions" über die Stadionmikrofone ertönte, wussten nicht nur seine engsten Freunde, dass alle Champions einen wahren Helden haben. Der des FC St. Gallen heißt Lukas Görtler.

Herzlichen Glückwunsch, Lukas "Fußballgott" Görtler. Der Platz auf dem St. Galler Fußballolymp ist dem Kemmerner Jung in alle Ewigkeiten sicher!






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Steckbrief L. Görtler

Lukas Görtler
Spitzname
Luki
Alter
31
Geburtsort
Bamberg
Wohnort
St. Gallen
Familie
verheiratet, 1 Kind
Nation
Deutschland
Größe
185 cm
Gewicht
84 kg
Beruf
Fußballprofi
Hobbies
Tennis, Freunde treffen
Starker Fuß
Rechtsfuß
Lieb.-Position
Sturm
Erfolge
Deutscher Meister 2015 (FC Bayern München), Pokalfinalist 2021, 2022 (FC St. Gallen), Schweizer Cup-Sieger 2026 (FC St. Gallen)
Stationen in der Jugend

1998 - 2005 SC Kemmern
2005 - 2007 SpVgg Greuther Fürth
2007 - 2010 FC Eintracht Bamberg
2010 - 2012 1. FC Nürnberg

Stationen im Herrenbereich

2012 - 2014 FC Eintracht Bamberg
2014/15 FC Bayern München II
2015 - 2017 1. FC Kaiserslautern
2017 - 2019 FC Utrecht
seit Juli 2019 FC St. Gallen


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