Artikel veröffentlicht am 05.07.2020 um 06:00 Uhr
Anna Hausdorff in die Bundesliga: Die Weltfußballerin wartet schon...
Aus Franken an die friesische Küste. Nach drei Jahren bei der TSG Hoffenheim im Unterhaus der Belletage des deutschen Frauenfußballs wagt die Schammelsdorferin Anna Hausdorff zur neuen Saison den Sprung in die Bundesliga. Mit dem SV Werder Bremen freut sie sich darauf, künftig mit Rekordtorschützinnen, Weltmeisterinnen, Nationalspielerinnen die Klingen zu kreuzen...
Von Bernd Riemke
Mit einem strahlenden Lächeln unterzeichnete die Schammelsdorferin Anna Hausdorff ihren Vertrag beim SV Werder Bremen.
privat
2006 JFG Ellertal. 2012 FC Eintracht Bamberg. 2016 U17-Europameisterin in Weißrussland durch einen 3:2-Finalsieg über die Auswahl Spaniens. Der Weg der jungen Anna Hausdorff führte von Beginn an steil nach oben und führte sie 2017 schließlich in die Talentschmiede der TSG Hoffenheim in die 2. Bundesliga Süd. Der scheinbar unaufhaltsame Karrieresprung erhielt jedoch binnen weniger Tage einen empfindlichen Dämpfer. Im ersten Saisonspiel stand die fränkische Nachwuchshoffnung prompt in der Startformation, um nach zwanzig Minuten gemeinsam mit der eigenen Torhüterin zu einem hohen Ball zu gehen. Die abgewehrte Flanke sprang dem Youngster mit Schammelsdorfer Wurzeln derart unglücklich gegen die Hand, dass die Unparteiische auf glatt Rot entschied und Anna Hausdorff bei ihrem Bundesligadebüt direkt vom Platz stellte. Doch damit nicht genug.

Ein Spiel Rotsperre – ein Jahr Pause

Die vom Sportgericht ausgesprochene Sperre von einem Pflichtspiel sollte sich auf tragische Weise auf beinahe ein Jahr verlängern. Hausdorff folgte in den Tagen unmittelbar nach ihrem „.Liga-Debüt einer Einladung zu einem Trainingslehrgang der Badenauswahl und riss sich dort – vier Tage nach ihrer ersten roten Karte der Karriere – während einer Spielform ohne Fremdeinwirkung als sie unglücklich mit den Stollen im Rasen hängeblieb das Kreuzband. „Am Anfang war da ganz viel Leere, aber ab dem Moment, in dem der OP-Termin feststand, waren meine Gedanken nur bei der Reha und dem angestrebten Comeback“, erinnert sich die 20-Jährige. Diese sollte sie exakt 333 Tage nach dem operativen Eingriff im Sommer 2018 geben. Sofort gehörte Anna Hausdorff wieder zum Stammpersonal in der Innenverteidigung und schloss die Saison 2018/19 mit der TSG Hoffenheim 2 auf dem 6. Platz ab. Als die Spielzeit 2019/20 coronabedingt nach 16 Spieltagen abgebrochen wurde, lagen die Kraichgauerinnen auf einem starken 3. Platz. Nach insgesamt 32 Zweitligapartien für die TSG sucht die 17-fache U-Nationalspielerin Deutschlands zur kommenden Spielzeit eine neue Herausforderung und schließt sich dem Bundesliga-Aufsteiger SV Werder Bremen an. Statt Gütersloh und Bielefeld heißen die Gegnerinnen nun FC Bayern München oder Serienmeister VfL Wolfsburg. anpfiff.info bat die Senkrechtstarterin zum Gespräch.

Aus der Innenverteidigung heraus kurbelte Anna Hausdorff in über dreißig Zweitligaeinsätzen das Spiel der TSG Hoffenheim an.
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Frau Hausdorff, was bleibt für Sie nach eineinhalb Jahren Zweitligafußball bei der TSG Hoffenheim hängen?
Anna Hausdorff: Es war für mich eine wichtige Erfahrung, bei der ich persönlich und natürlich auch sportlich sehr viel mitgenommen habe. Dadurch, dass ich lange Jahre nur in Jungsmannschaften gespielt habe, ist mir der Schritt anfangs hinsichtlich der Zweikampfhärte vielleicht leichter gefallen, trotzdem habe ich insbesondere im technischen und taktischen Bereich extrem viel gelernt.

Welche Highlights bleiben Ihnen denn lebhaft in Erinnerung?
Anna Hausdorff: Als ich nach meiner Verletzung zurück auf den Platz kam, hatten wir gleich ein Topspiel gegen VfL Wolfsburg 2. Es war ein echtes Kampfspiel, in der zweiten Halbzeit hat es nicht geregnet, sondern geschüttet (lacht). Da waren die Tacklings als Innenverteidigerin schon geil. Natürlich bleibt mir vor allem mein erstes und bislang einziges Tor in Erinnerung, das ich nach einer Ecke mit dem Kopf zum 2:0 gegen den FC Saarbrücken erzielt habe. Vergessen möchte ich auch nicht das Spiel gegen Bayern München 2, als die letzte Aktion des Spiels eigentlich schon beendet war, ich eine abgewehrte Ecke aber noch einmal in den Strafraum gesteckt habe und dort meine IV-Kollegin das entscheidende 4:3 in der Nachspielzeit gemacht hat.

Nun wartet eine neue Herausforderung auf Sie. Wie sind Sie denn nach Bremen gekommen?
Anna Hausdorff: Trainer Alexander Kluge kannte mich aus den direkten Duellen gegeneinander und als die Anfrage kam, waren die Gespräche durchwegs sehr positiv. Es gab zwar auch die Optionen zum SC Sand oder RB Leipzig zu wechseln, aber das Konzept mit vielen jungen Spielerinnen beim SV Werder und die Aussicht, Bundesliga zu spielen, haben dann doch den Ausschlag gegeben.

Als Innenverteidigerin werden Sie künftig auf zahlreiche Nationalspielerinnen treffen. Auf welche Begegnung freuen Sie sich besonders?

Anna Hausdorff: Ich freue mich grundsätzlich auf die Erfahrung gegen extrem hochklassige Spielerinnen antreten und mich mit den besten in ganz Deutschland messen zu dürfen. Beim VfL Wolfsburg spielen Ewa Pajor und mit Pernille Harder die Weltfußballerin 2018 – darauf freue ich mich schon besonders.

Viele Aufsteiger tun sich tendenziell schwer in der Frauen-Bundesliga. Welche persönlichen Ziele stecken Sie sich denn?
Anna Hausdorff: Unser kurzfristiges Ziel für die nächste Saison ist ganz klar der Klassenerhalt, aber darüber hinaus wollen wir uns langfristig in der Liga etablieren. Wir werden für viele Mannschaften ein unangenehmer Gegner sein. Primär möchte ich mich in meiner neuen Umgebung natürlich schnellstmöglich zurechtfinden und auf dem Platz viele Spielminuten sammeln. Die Startelf zu erreichen, wäre natürlich ein schönes Ziel.

"Jaaaaa!" In der abgebrochenen Saison 2019/20 gelang Anna Hausdorff gegen 1. FC Saarbrücken ihr erstes Tor in der 2. Liga. Per Kopf, denn die 20-Jährige sagt selber: "Ich werfe mich in alles, was da kommt"
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Und welche Schlagzeile würden Sie dann gern über sich in der Presse lesen?
Anna Hausdorff: Hausdorff rettet den entscheidenden Ball auf der Torlinie. Ich denke da an so eine typische Situation in letzter Minute, wenn man als Verteidigerin einen Ball von der Torlinie grätscht und damit den Sieg rettet.

Welche Stärken – außer dem Tackling – bringen Sie denn noch in Ihr neues Team ein?
Anna Hausdorff (lacht): Meine Zweikampfstärke. Ich würde von mir selbst auch sagen, dass ich ein gutes Spielverständnis und eine ordentliche Spieleröffnung habe. Auf dem Platz bin ich sehr kommunikativ und sage auch die Varianten im Spielaufbau an. Grundsätzlich glaube ich aber, dass ich mich in allen Bereichen noch verbessern kann – vor allem vielleicht bei meinem linken Fuß und im offensiven eins gegen eins, wobei ich in solche Situationen natürlich seltener komme.

Apropos neues Team. Sind Sie mit Ihren neuen Mitspielerinnen schon vertraut?
Anna Hausdorff: Mit Sophie Walter habe ich in Hoffenheim zusammengespielt. Sie ist im letzten Jahr schon nach Bremen gewechselt. Mit Torhüterin Anneke Borbe habe ich beim DFB in den Auswahlmannschaften schon zusammengespielt. Natürlich ist es positiv, wenn man jemanden kennt und wir haben im Vorfeld auch mal geschrieben, aber beeinflusst hat mich das bei meinem Wechsel nicht.


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Steckbrief A. Hausdorff

Anna Hausdorff
Alter
20
Geburtsort
Bamberg
Wohnort
Schammelsdorf / Bremen
Familie
ledig, 0 Kinder
Nation
Deutschland
Größe
165 cm
Beruf
Studentin der Wirtschaftswissenschaften
Hobbies
Mit Freunden treffen (am See)
Starker Fuß
Rechtsfuß
Lieb.-Position
Innenverteidiger
Erfolge
- 17 Länderspiele (U15-U17)
- U17 Europameisterin 2016
- 32 Zweitligaeinsätze (1 Tor) für TSG Hoffenheim 2
Stationen:
- 2006 - 2012 JFG Ellertal
- 2012-2017 FC Eintracht Bamberg 2010
- 2017-2020 TSG Hoffenheim 2
seit 07/2020 SV Werder Bremen


Entweder...oder

Tee oder Kaffee
Tee. Ich mag eigentlich beides. Von Freunden aus dem Norden habe ich letzthin schwarzen Tee angeboten bekommen, weil man den dort oben oft trinkt. Seitdem hab ich das für mich als leckeres Getränk entdeckt.
Friedehostpark oder Geisberg
Geisberg, weil mich die Berge immer an zu Hause erinnern und ich in meiner Freizeit hier auch gerne mit dem Mountainbike unterwegs bin. (Anmerkung: Im Friedehostpark liegt die mit gut 30m höchste Erhebung des Bundeslandes Bremen)
FCB oder FCN
FCN! Seit ich klein bin, bin ich Club-Fan. Mein erster Stadionbesuch war auch im Frankenstadion.
Mats Hummels oder Sergio Ramos
Beide. Ich mag Ramos wegen seiner Präsenz auf dem Platz und der Zweikampfstärke. An Mats Hummels gefallen mir seine Spieleröffnung und die langen, präzisen Flugbälle.
Sneaker oder Highheels
Sneaker. Ich hab eigentlich nur Sneaker ? und davon echt genug. Es dürften im Moment etwa zwanzig Paar sein, aber ein grün-weißes Paar kommt demnächst bestimmt dazu (lacht).

Der Bremen - Check

In welcher Reihenfolge stehen die Bremer Stadtmusikanten übereinander?
Der Esel ist ganz unten und das Huhn ganz oben. Unter dem Huhn ist die Katze und unter der Katze der Hund – glaube ich. Ja, genau so müsste es sein (lacht).

(Anmerkung: Stimmt genau!)


Wer ist der Bremer Roland?

Ich glaube das ist eine Figur im Zentrum von Bremen am Rathaus. Ich habe gelesen, dass von dort aus gemessen wird, wie viele Kilometer ein anderer Ort von Bremen entfernt ist. So stand es in dem Reisenführer von Bremen, den ich von Freunden geschenkt bekommen habe.

(Anmerkung: Stimmt, der Roland ist das Wahrzeichen der Hansestadt und verkündet die Markt- und Stadtrechte Bremens)



Was bedeutet Werder?
„Werder? Ich weiß, dass mein Verein so heißt (lacht), aber bei der Bedeutung muss ich passen…

(Anmerkung: Werder ist eine Insel in einem Fluss. Auf dem Peterswerder befindet sich das Bremer Weserstadion)

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