Artikel veröffentlicht am 20.01.2022 um 06:00 Uhr
Die Hälfte läuft “schwarz”: Milliardenbusiness Amateurfußball
In einer Umfrage wurde vor einem knappen Jahr die Bezahlkultur im Amateurfußball abgefragt. Jetzt wurden die Ergebnisse in Form einer Dokumentation der ARD veröffentlicht, die verdeutlichen, dass im Amateurbereich gewaltige Geldsummen im Spiel sind. Davon wird die Hälfte der Ausgaben als Schwarzgeld gezahlt.
Von Sebastian Baumann
Es ist ein offenes Geheimnis, dass im Amateurbereich Gelder fließen. Der eine Amateurfußballer spielt für einen geringen Obolus, der andere verdient sich damit sein Studium oder gar seinen Lebensunterhalt. Und natürlich gibt es auch die Amateurfußballer, die ihr Hobby aus Liebhaberei ausüben und dafür kein Geld bekommen. Mehr als 10.000 Fußballer hatten an der Online-Umfrage, die von EyeOpening.Media mit Unter­stüt­zung von Cor­rectiv durchgeführt wurde, teilgenommen, darunter befanden sich knapp 8000 männliche Fußballer, und hatten ihre finanziellen Bezüge angegeben. Die sta­tis­ti­sche Aus­wer­tung der Daten erfolgte dabei mit wis­sen­schaft­li­cher Unterstützung der Tech­ni­schen Uni­ver­sität Dort­mund und der Ludwig-Maxi­mi­lians-Uni­ver­sität Mün­chen. Die Ergebnisse der Studie präsentierte die ARD unter der Woche in der Dokumentation “Mil­li­ar­den­spiel Ama­teur­fuß­ball: Wenn das Geld im Umschlag kommt“.

60 Prozent der Spieler wurden schon bezahlt

60 Prozent der männlichen Fußballer gaben an, dass sie schon einmal oder regelmäßig Geld bekommen haben, um ihr Hobby auszuüben. Sei es als Festbetrag, oder als Punkt- und Siegprämie. Rechnet man diese Angaben auf alle Amateurfußballspieler um, dann lässt sich daraus schließen, dass rund eine Milliarde Euro pro Jahr in den Amateurfußball fließen. Die Hälfte davon kassieren die Spieler dabei als Schwarzgeld und auf die Hand. Spieler deswegen, weil finanzielle Anreize bei den Frauen eher selten sind. Die Teilnehmer der Umfrage gaben an, dass sie im Schnitt im mittleren Einkommen in der fünftklassigen Oberliga, wie der Bayernliga, 500 Euro pro Monat erhalten. Selbst in den siebtklassigen Bezirksligen bekommt jeder dritte Spieler Geld für das Fußballspielen.

Rund eine Milliarde Euro pro Jahr investieren die Deutschen Amateurvereine in Spieler und Trainer.
fussballn.de / Schlirf

Bezahlung oft an der Steuer vorbei

Bezahlung im Amateurbereich ist grundsätzlich kein Problem, solange die Zahlungen auch korrekt beim Finanzamt angegeben werden. Spieler, die mehr als 250 Euro im Monat als Aufwandsentschädigung bekommen, müssen laut Spielordnung des DFB einen Amateurertrag abschließen, der aber auch eine Sozialversichungsabgabe durch die Vereine nach sich zieht. Kein Wunder, dass ein Amateurvertrag in vielen Fällen erst gar nicht gemacht wird, um Geld zu sparen und damit wissentlich Steuerbetrug zu begehen. Schließlich hatten in der Saison 2020/2021 die mehr als 700.000 Amateurfußballer in den 21 Landesverbänden gerade einmal 8500 Amateurverträge abgeschlossen. Kein Wunder, dass die Steuerfahndung verstärkt auch Sportverein im Fokus haben und auch nicht davor zurückscheuen per Steuerfahndung bei den Vereinen vorstellig zu werden. Bekannte Beispiele aus Bayern sind dabei die Razzien beim TSV Aindling im Jahr 2012 oder beim TSV Gersthofen im Jahr 2019.

Oftmals stellen Spieler, die als Jugendtrainer angestellt sind, nicht ein Hütchen auf, weil sie nur auf dem Papier  als Übungsleiter angestellt sind.
fussballn.de / Schlirf

Unterschiedliche Formen des Schwarzgeldes

Dabei sind die Vereine durchaus kreativ, was die Verschleierung der Zahlungen angeht. Von Briefumschlägen, in denen Geld steckt, wird berichtet. Dann gibt es immer wieder Sponsoren, die dem ein oder anderen Spieler direkt Geld zustecken oder aber dass ein Auto, eine Wohnung oder Handwerkerleistungen kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Es gibt Scheinarbeitsverhältnisse beim Sponsor, obwohl der Spieler dort gar nicht seine Arbeitsleistung erbringen muss. Zusätzlich wird das Kilometergeld, das die Spieler für die Anreise zum Training oder Spiel bekommen, oft großzügig gerechnet. Sogar Mini-Jobs für die Freundin oder den Freund sind mögliche Optionen, um dem Spieler Geld zukommen zu lassen. 18,2 Prozent der Teilnehmer der Umfrage haben angegeben, dass sie schon einmal mit Sachwerten oder Dienstleistungen entlohnt worden sind. Usus ist es bei vielen Vereinen auch, dass Spieler als Jugendtrainer gemeldet werden, ohne jemals eine Mannschaft im Jugendbereich trainiert zu haben.

Dem Verband und seinen Landesverbänden ist das Problem der Vergütung der Amateurfußballspieler und -spielerinnen natürlich bekannt. Als den falschen Weg bezeichnet der DFB diese Entwicklung, eine Kontrolle durch Verbandsorgane ist freilich nicht möglich. Kein Wunder, dass der Verband auf die rechtlichen Rahmenbedingungen des Gesetzgebers verweist.

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