Artikel veröffentlicht am 21.10.2015 um 23:00 Uhr
Einwurf - die Fußball-Glosse: Wenn im Herbst die ersten Blätter fallen...
... erwischt es meist auch die ersten Trainer quer durch alle Ligen. Wenn der "Trainer die Mannschaft nicht mehr erreicht" - und zwar trotz moderner Kommunikations-Möglichkeiten wie Whatsapp, Email oder Facebook - dann muss ein Verein natürlich reagieren! Hinweise für gefährdete Trainer, wie sie den Weihnachtsbaum im Sportheim noch zu sehen bekommen!
Von Markus Schütz
Viele Trainer haben mit ihren Mannschaften einen Lauf und würden am liebsten den Winter durchspielen. Manche Trainer wollen in der jetzigen Phase aber nur eines: möglichst schadlos in die Winterpause kommen. Es wäre schade, wenn die Weihnachtsfeier ohne sie stattfinden würde. Schon alleine wegen der besinnlichen Stimmung - und wegen der Geschenke! Außerdem ist Glühwein meist gratis. Wobei: wenn Ihnen Ihre Mannschaft an der Weihnachtsfeier als Geschenk einen dicken Wälzer mit dem Titel: "Was macht einen guten Trainer aus?" überreicht, dann ist Vorsicht geboten. Wenn dann auch noch die Weihnachtsgeschichte (ansonsten vorgetragen von einer Dame mittleren Alters aus der Gymnastikgruppe des Vereins, nun aber vom Vorstand persönlich) nicht wie üblich von Weihnachtsgänsen oder sprechenden Nussknackern handelt, sondern sich mit dem Thema "Trennung, Abschied und Neubeginn" beschäftigt, umso mehr. Also, halten Sie die Augen und Ohren offen bei der Weihnachtsfeier. Aber zunächst gilt es ja, erst einmal überhaupt so weit zu kommen.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Übungsleiter entscheidende, leicht vermeidbare Fehler begangen haben, die zu ihrer Entlassung führten - und die es deshalb zu vermeiden gilt:

- Ralf Rangnick hatte in der Saison 2005/2006 und in einer schwierigen Phase auf Schalke seinen Vetrag nicht verlängert. VOR einem Heimspiel provozierte er die Vorstandschaft mit einer "Ehrenrunde" durchs Stadion. Das kann einem Amateur-Trainer eigentlich nicht passieren. Wenn man vor 40 Zuschauern vor einem A-Klassenspiel eine Ehrenrunde drehen will, sieht es allenfalls so aus, als ob der Trainer einfach nur einmal unmotiviert um den Sportplatz marschiert.

- Im Jahr 1980 saß der damalige HSV-Trainer Branko Zebec in den Monaten vor seiner Entlassung mehrfach betrunken auf der Trainerbank. Gerade in der Zeit der Bockbier-Anstiche gehört zu einer anständigen Trainerausrüstung also vor allem eine Packung Kaugummis - und ein trockenes Brötchen zum Aufsaugen vor dem Spiel. Und versuchen Sie nie, in diesem Zustand den Spielern Laufwege vorzumachen.

- Dazu passend die Geschichte von Precko Zagreb-Trainer Josip Gaspar aus dem Jahre 2013. Er klaute einem seiner Spieler die Kreditkarte - und kaufte damit 36 Liter Jägermeister. Daraufhin wurde er entlassen! Gerüchten zufolge ertränkte er seinen Ärger in Alkohol. Wenn Sie also schon an die Kreditkarte eines Spielers gehen, dann kaufen Sie Trainingsbälle und Leibchen... die hat fast jeder Amateurverein dringend notwendig - und das wirkt sich vielleicht wenigstens strafmildernd aus.

- Geben Sie freiwillig NIEMALS eine Haarprobe ab!

- Sagen Sie nie das, was Sie gerade wirklich denken - vor allem nicht Reportern. Aad de Mos flüsterte einem Journalisten während seiner Zeit als Bremer Trainer zu: "Aus diesem Verein wird nie etwas!" (Wenn Sie diesen Hinweis ignorieren wollen, senden Sie uns eine Mail an info@anpfiff.info unter Angabe Ihres Namens und des Vereins, den Sie gerade trainieren.)

- Lassen Sie die Spieler nie direkt abstimmen! Sie sind ja nicht die Schweiz. Egon Coordes wollte 1992 nämlich während seiner Zeit beim HSV fünf Spieler aufgrund eines nächtlichen Disco-Besuchs suspendieren, stieß auf Widerstand und stellte daraufhin die Wahl: "Die oder ich!" Die Abstimmung ging 14:3 aus - gegen Coordes...

Wenn Sie also ähnliches Verhalten an den Tag legen, brauchen Sie sich über eine Entlassung nicht wundern. Darüber hinaus gibt es Gesetzmäßigkeiten, die vom Trainer nur schwer zu beeinflussen sind. Versuchen Sie es trotzdem...

Der Blick auf die Tabelle
Sie werden es nicht verhindern können, dass der Vorstand auch einmal eine Tageszeitung in die Hand bekommt oder sich im Internet schlau macht. Wenn sein Blick dann auf die Tabelle fällt und er lange suchen muss, bis er den Vereinsnamen endlich ganz, ganz unten findet - dann macht er sich so seine Gedanken. Denn die Tabelle lügt nicht und dann helfen nur noch Punkte. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen. Lösungsstrategien sind gefragt. Wenn die Gegentore immer mehr werden und der Abstand zum rettenden Ufer immer größer, dann kann es eine Möglichkeit sein, sich vor die Mannschaft zu stellen und zu sagen: "Wir schaffen das!"

"Der Trainer erreicht die Mannschaft nicht mehr"

Wie schon angedeutet: heutzutage ist jeder junge Mensch ständig erreichbar und gut vernetzt. Email, Whatsapp oder Facebook - also, wenn Sie in Zeiten wie diesen Ihre Mannschaft nicht mehr erreichen, dann haben Sie etwas falsch gemacht. Vielleicht ist aber auch etwas anderes gemeint: die direkte Kommunikation mit den Spielern. Also zwingen Sie sich, auf die Spieler zuzugehen, führen Sie Einzelgespräche, seien Sie ein guter Zuhörer und vor allem einfühlsam. Sie wissen nicht, wie das geht? Machen Sie es einfach wie in Ihrer Ehe - hören Sie zu und zeigen Sie Gefühle, die Sie weder haben noch verstehen...

"Die Mannschaft spielt gegen den Trainer"

"Die Mannschaft hat gegen den Trainer gespielt!", hört und liest man bisweilen. Also scheinbar nicht nur gegen den Gegner, sondern gleichzeitig gegen den Trainer. Das hört sich schwer nach einer Doppelbelastung für die Spieler an - und kann auf Dauer nicht gutgehen.

Das Schicksal
"In so einer Phase verlierst du solche Spiele einfach!", spricht man oft von einer Negativspirale, aus der es nur schwer ein Entkommen gibt. Denn meistens klebt einem dann eben das Pech an den Stiefeln. Im entscheidenden Spiel lief eigentlich alles ganz gut. Bis zur 79. Minute und bis zu diesen zwei Szenen standen die Zeichen auf Sieg. Alle elf Minuten verliebt sich ein Single über Parship - in der gleichen Zeit hat Ihre Mannschaft einen Zwei-Tore-Vorsprung aus der Hand gegeben. Das ist wirklich Pech, da kann man nichts machen.

Zu kleiner Kader, Verletzungssorgen
Traditionell haben viele Teams in der jetzigen Zeit Verletzungssorgen. Gut wäre, wenn man also im Winter personell nachlegen könnte. Den meisten Vereinen fehlt allerdings dafür das nötige Kleingeld. Ich habe jedenfalls heute Lotto gespielt - und wenn ich die 10 Millionen, die im Jackpot sind, gewinne, hole ich für sechs oder sieben Millionen neue Spieler. Nein, Quatsch, natürlich nicht. Wenn ich gewinne, sage ich keinem etwas davon! Mitbekommen wird man es aber auf jeden Fall, was ich mit den Millionen gemacht habe. Spätestens dann, wenn bekannt wird, dass eine der nächsten Weltmeisterschaften - völlig überraschend - bei uns in Giech stattfinden wird...

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