Artikel veröffentlicht am 25.01.2015 um 14:45 Uhr
"Ich bin der Mitchell,20 Jahre alt": Bayern-Profi zu Gast beim Fanclub Reundorf
Zum 35-jährigen Jubiläum des FC Bayern Fanclubs Reundorf (Landkreis LIF) durften sich die Verantwortlichen über einen ganz besonderen Ehrengast freuen. Aus dem Kader des deutschen Rekordmeisters reiste Youngster Mitchell Weiser an. Was ihn mit Franck Ribery verbindet, warum er eigentlich Fan des VfL Wolfsburg war und welche Schlagzeile er gerne über sich lesen würde, verriet er beim offiziellen Neujahrsempfang.
Von Bernd Riemke
„Ich will jetzt nicht lügen und sagen, dass ich den Fanclub gekannt hätte, aber es ist auch eine Ehre für mich, heute hier sein zu dürfen!“ Mit erheiternder Ehrlichkeit brach Mitchell Weiser in der Maintalhalle zu Reundorf das Eis zwischen den gut 150 erwartungsfrohen Gästen – unter die sich auch der benachbarte Fanclub „Bayern Bomber“ aus Mistelfeld gemischt hatte - und dem Jungstar des FC Bayern München, der vom rauschenden Empfang, der ihm im Lichtenfelser Gottesgarten bereitet wurde, sichtlich angetan war. Nachdem vor genau fünf Jahren Torwart-Legende Raimond Aumann bereits ein Stelldichein in Reundorf gab, war Mitchell Weiser nun der erste aktive Profi, der dem 92-Mann-starken Fanclub einen Besuch abstattete. Möglich machte dies der offizielle Neujahrsempfang des deutschen Rekordmeisters, im Zuge dessen zahlreiche Spieler den direkten Weg zu den Fans suchen. Den Weg in die rappelvolle Maintalhalle fanden neben dem 3. Bürgermeister und Sportreferenten der Stadt Lichtenfels, Winfried Weinbeer, sowie Landrat Christian Meisner auch zwei königliche Hoheiten. Thermenkönigin Madeleine aus Bad Staffelstein und die Lichtenfelser Korbstadtkönigin Carolin sorgten nicht nur bei dem Jungprofi des FC Bayern für strahlende Gesichter. Der durfte sich indes zunächst von einer stimmungsvollen Tanzeinlage der Happy Jazz Kids begeistern lassen ehe Fanclub-Vorsitzender Michael Franke die Veranstaltung feierlich eröffnete und 2. Vorsitzender Torsten Hellmuth anschließend einen bebilderten Rückblick auf 35 Jahre Fanclub in Reundorf gab.

Mit Zidane im Kopf und mit Robben auf dem Tainingsplatz

In einer knapp einstündigen Frage- und Antwortrunde stellte sich der Mann mit der Rückennummer 30 dann den zahlreichen neugierigen Fragen von Jung und Alt. Manch lustige Anekdote machte dabei die Runde. „Als ich einmal gefragt wurde, was ich denn hätte werden wollen, wenn ich kein Fußballer geworden wäre, hatte ich keine Antwort parat. Ich  wollte schon immer Fußballer werden“, brachte Weiser nicht nur den kleinen Fragensteller Lukas zum Schmunzeln. Und obwohl er inzwischen selbst seit fast drei Jahren im Konzert der ganz großen seiner Zunft mitmischt, erinnert sich der Mann, der als kleiner Junge einst Zinedine Zidane verehrte, noch heute lebhaft an das unbeschreibliche Gefühl zum ersten Mal hinter Weltstar Arjen Robben aufgelaufen zu sein. Zu Franck Ribery, mit dem er sich in den Social Media schon so manche „Battle“ lieferte, pflege er ein ebenso intensives freundschaftliches Verhältnis wie zu David Alaba oder Jerome Boateng. Und dass er als talentierter Jugendspieler nach einer starken U17 EM und WM im Jahre 2011 sogar den ruhmreichen FC Bayern München auf sich aufmerksam machen konnte erfüllt ihn auch mehr als zwei Jahre nach seinem Wechsel zum „Stern des Südens“ noch mit Stolz. „Ich gucke mir gern von den Besten der Welt etwas ab. Und davon gibt es beim FC Bayern ja ein paar“, lächelte Weiser verschmitzt und verriet sogleich augenzwinkernd, dass auch sein gewöhnlicher Arbeitstag mit dem Klingeln des Weckers beginnt. Noch vor dem Frühstück steht ein Besuch im Kraftraum oder beim Physiotherapeuten an ehe das Trainerteam schließlich zu einer meist 90-minütigen Einheit auf dem Platz bittet. „Am Nachmittag haben wir frei und da unternehme ich das, was andere auch so machen: Freunde treffen, ins Kino gehen oder Shoppen“, so Weiser, der in seinen Äußerungen sehr wohl zu erkennen gab, dass er sich bewusst darüber ist, in unserer Gesellschaft als Fußball-Profi ein durchaus privilegiertes Leben zu führen.

Bereitwillig erfüllte Mitchell Weiser die Autogrammwünsche der zahlreichen Fans.
anpfiff.info

„Ich trage heute noch das Ballnetz und die Getränkeflaschen auf den Trainingsplatz“

Sportliche Privilegien gilt es sich im täglichen Kampf auf dem Trainingsplatz zu erarbeiten. In diesem Zusammenhang gab der 20-Jährige selbstkritische Einblicke in seine Gefühlswelt. Mit gerade einmal 17 Jahren kam der Sohn des ehemaligen Wolfsburg-Profis Patrick Weiser in die Weltstadt mit Herz und war von heute auf morgen mehr oder weniger auf sich alleine gestellt. „Alles war neu und ich hatte riesigen Respekt vor den großen Namen, mit denen ich plötzlich in einer Mannschaft spielte. Aber ich lerne täglich dazu und habe mich weiter entwickelt“, berichtete Weiser, dem jüngst Co-Trainer Hermann Gerland nach dem Winter-Trainingslager in Katar schon eine positive Entwicklung bescheinigte. Gelernt habe er auch, den respektvollen Umgang auf der einen Seite und den sportlichen Ehrgeiz auf der anderen Seite miteinander in Einklang zu bringen. „Man muss schon Härte zeigen, aber ich kann im Training nicht einfach einen Bastian Schweinsteiger umgrätschen“, gewährte der einstige Junioren-Nationalspieler Einblicke in die Hierarchie des FC Bayern, in der es für ihn weiterhin gilt, sich seinen Platz zu erarbeiten. Ausleih-Geschäfte wie das zum 1. FC Kaiserslautern im Frühjahr 2013 seien dabei durchaus förderlich, um die nötige Spielpraxis zu sammeln. Der Vertrag von Mitchell Weiser beim deutschen Rekordmeister läuft im Sommer 2015 aus. Noch habe es keine Gespräche über eine mögliche Verlängerung seines Engagements in der bayerischen Landeshauptstadt gegeben. Gerade in jüngster Zeit sorgte der gebürtige Rheinländer, der dem „ganzen TamTam“ auf der Wiesn oder dem Kölner Karneval eigentlich nichts abgewinnen kann, für positive Schlagzeilen. Diese gilt es für ihn nun fortzuführen, um in den kommenden Monaten eine sinnvolle Entscheidung darüber treffen zu können, wie es mit einem der immer noch hoffnungsvollen Talente im deutschen Profifußball weitergehen wird. Vielleicht ja auch beim ruhmreichen FC Bayern München, wenn die Schlagzeile in Erfüllung geht, die der 20-Jährige im Sommer 2015 gerne über sich lesen würde: „FCB holt erneut das Triple und Mitchell Weiser war mit dabei!“


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Mitchell Weiser

Mitchell Weiser gab sein Bundesliga-Debüt am 23. Spieltag der Saison 2011/12, als er im Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen (0:2) in der 74. Minute für Mato Jajalo auf Seiten des 1. FC Köln eingewechselt wurde. Er ist damit bis heute jüngster Debütant in der Bundesliga-Historie der Geißböcke. Bereits ein Jahr zuvor machte er erst bei der U17-Europameisterschaft in Serbien – wo er mit der deutschen Nationalmannschaft erst im Finale unterlag – und wenige Wochen später bei der Weltmeisterschaft in Mexiko auf sich aufmerksam.  So wechselte er zur Saison 2012/13 an die Isar und stand am 31. Oktober 2012 in der 2. DFB-Pokal-Hauptrunde beim 4:0-Erfolg über Zweitligist 1. FC Kaiserslautern erstmals für den deutschen Rekordmeister auf dem Rasen als er nach 79 Minuten für Rafinha eingewechselt wurde. Für eben jenen 1. FC Kaiserslautern erzielte er nach seiner Ausleihe an den Betzenberg am 11. März 2013 sein erstes Tor  im bezahlten Fußball. Beim 1:1 in Braunschweig traf Weiser am 25. Spieltag zum zwischenzeitlichen 1:0 für die Pfälzer. In seiner Vita stehen bislang neben 6 Bundesligaspielen und 13 Zweitligaeinsätzen (2 Tore) auch 22 Champions-League-Minuten, die er in der Saison 2013/14 beim 1:0-Erfolg im tschechischen Pilsen sowie in der laufenden Serie beim 3:0 über ZSKA Moskau anhäufte.

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