Saaser Unfall wirft Fragen auf: Was passiert, wenn die Spielleitung wegbricht? - anpfiff.info
Artikel veröffentlicht am 07.11.2022 um 06:00 Uhr
Saaser Unfall wirft Fragen auf: Was passiert, wenn die Spielleitung wegbricht?
Beim Landesligaspiel zwischen dem BSC Saas Bayreuth und dem FC Eintracht Münchberg hat sich eine Assistentin so schwer verletzt, dass es für sie nicht weitergehen konnte. In der halbstündigen Unterbrechung wurde dann eine überraschende Lösung gefunden. Kreisschiedsrichterobman Marcel Benker gibt einen Einblick, was im Fall der Fälle passieren sollte. 
Von Hans-Jürgen Wunder
"Es passiert eigentlich relativ selten, dass sich unsere männlichen und weiblichen Schiedsrichter verletzen", mein Marc Benker, der selbst noch auf den Sportplätzen unterwegs ist. Oft sind es Muskelverletzungen, die auch deshalb auftreten, weil manche Referees vier- oder fünfmal am Wochenende im Einsatz sind. "Und sie sollen natürlich trotzdem immer auf Ballhöhe sein", so der Kreisschiedsrichterobmann für Bamberg-Bayreuth. Wie auch die Spieler, sollten sich deshalb auch die Unparteiischen aufwärmen. Eine spezielle Verletzungsprophylaxe gibt es zwar nicht, aber im Winter wird beispielsweise ein Hallentraining auf freiwilliger Basis angeboten. "Wir wollen uns schließlich ja auch etwas bewegen", wirft der Marktschorgaster ein. Allerdings lassen sich damit nicht immer Unfälle vermeiden - wie der, der in der Saas passiert ist. Zwei Spieler sind sich mächtig ins Gehege gekommen und nach einem Schubser hat einer die Körperkontrolle verloren und ist mit der Assistentin zusammengeprallt, die daraufhin eine schmerzhafte Verletzung oberhalb des Knöchels erlitten hat. "Wir hoffen natürlich, dass sie schnell wieder auf die Beine kommt", schickt Benker Genesungswünsche Richtung Coburger Land.

Kreisschiedsrichterobmann Marc Benker ist selbst noch aktiv. 
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Ungewöhnliche Entscheidung

Nach dem Abtransport der verletzten jungen Frau im Bayreuther Süden stellte sich die Frage, wie die Partie fortgesetzt werden kann.  Zunächst wurde ein geprüfter Schiedsrichter als Linienrichter gesucht. Dabei genügte es nicht, die Prüfung - etwa im Rahmen der Trainerausbildung - bestanden zu haben. Es musste jemand sein, der sich auch der Schiedsrichtergruppe angeschlossen hat, regelmäßig die Lehrabende besucht und auch als Unparteiischer in Erscheinung tritt. Nachdem sich kein entsprechender Sportkamerad/in finden ließ, kam es zu einer ungewöhnlichen Entscheidung, die aber vom Regelwerk durchaus gedeckt ist. Dort heißt es sinngemäß: "Wenn der Schiedsrichterassistent nicht ersetzt werden kann, wird ohne weitergemacht." Referee Holger Hofmann schickte seine zweite Assistentin also in die Kabine und beorderte jeweils einen Vereinsvertreter an die Seitenlinie. Die durften aber nur anzeigen, ob der Ball im Aus war oder nicht und keinen Hinweis auf Abseits oder ein Foul geben. Das Landesligaspiel selbst wurde dann völlig problemlos fortgesetzt  - zumindest was die Entscheidungen von unabhängiger Stelle betrifft.

Schiedsrichter Holger Hofmann (Mitte) hatte auch ohne Unterstützung von außen alles sicher in Griff.
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Einigung nur bedingt möglich

Wenn der Unparteiische (Stau, Unfall) nicht erscheint, sollten die Vereine nach einer gewissen Wartefrist versuchen, mit ihm oder dem Einteiler Kontakt aufzunehmen.  Grundsätzlich  können sich die Vereine auch auf einen Ersatzmann einigen, der dann ganz oder bis zum Eintreffen des Unparteiischen übernimmt. Das ist aber eher in den unteren Ligen praktikabel. In der Landesliga müsste beispielsweise der Einteiler entscheiden, wie es weitergeht und gegebenenfalls einen anderen Schiedsrichter organisieren. Im Vordergrund steht dabei immer eine pragmatische Lösung und eine gute Spielleitung. "Mir ist ein Fall bekannt, da hat sich ein Kollege so schwer verletzt, dass er nicht mehr laufen konnte. Er hat dann die Partie vom Mittelkreis zu Ende geführt. Aber das ist natürlich nicht optimal, weil dann die Qualität der Entscheidungen leidet", berichtet Benker.     

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Spielstenogramm

BSC Saas Bayreuth: Obwandner 2,2, Dörfler F. 2,8, Rosenzweig 3,6, Eyring 3,3, Hofmann S. 4,1 (73. Küfner J. 3,6), Hofmann M. 3,6, Taglieber Mo. 3,3, Hirche 3,5 (64. Golling 2,6), Sauerstein 3,5, Walther 3,5, Rausch N. 3,1 / Pfister, Wölfel, Greef M.
FC Eintracht Münchberg: Lang J. 2,4, Richter 2,5, Ott 1,6, Söllner 2,1, Eren Cenk. 3,3 (78. Strößner), Köhler J. 2,6, Hackenberg 2,8 (72. Primus 3,2), Kolb 2,9 (77. Stumpf), Frank T. 3,0 (73. Hüttemann 3,0), Köhler L. 2,1 (78. Sen), Lang T. 2,5 / Kurth
Tore: 0:1 Köhler L. (45., Lang T.), 0:2 Ott (74., Kolb)
Gelbe Karten: Taglieber Mo. - Halten/Trikotziehen (5.), Walther - Unsportlichkeit (8.), Dörfler F. - Foulspiel (23.), Rausch N. - Halten/Trikotziehen (83.) / Ott - Halten/Trikotziehen (16.), Frank T. (43.), Hüttemann (90.)
Zuschauer: 100 | Schiedsrichter: Holger Hofmann (TSV Langenfeld) 2,0

Steckbrief M. Benker

Marc Benker
Alter
47
Geburtsort
Kulmbach
Wohnort
Marktschorgast
Familie
geschieden, 2 Kinder
Nation
Deutschland
Größe
183 cm
Beruf
Beamter
Hobbies
Politik, Fußball
Starker Fuß
Rechtsfuß
Lieb.-Position
Torwart

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