Artikel veröffentlicht am 11.01.2021 um 06:00 Uhr
Bamberger Frauen Power IV: Es gibt nur ein Gas - Vollgas
Dank akribischer Arbeit und viel Fleiß in den vergangenen Jahren haben sich die Frauen der SpVgg Ebing zur Nummer 2 im Spielkreis Bamberg aufgeschwungen. Dass solch eine Erfolgsstory weiterhin zu großen Anstrengungen verpflichtet, um das Erreichte zu stabilisieren, weiß nicht nur Trainer Andreas Eiermann...
Von Bernd Riemke
„O Abich glaab ich“ - und das nicht erst seit der Saison 2014/15. In dieser Spielzeit rückte der „goldene Jahrgang“ der SpVgg Ebing aus den Juniorinnen in die Damenmannschaft auf. Dem Meistertitel in der Kreis- folgte der Durchmarsch in die Bezirksliga und drei Jahre später der vorläufige Höhepunkt mit der Meisterschaft in der BOL und dem damit verbundenen Aufstieg in die Landesliga, wo die Germania in ihrer Premierensaison aussichtsreich im vorderen Mittelfeld platziert ist. Parallel zum rasanten Aufstieg der ersten Garnitur, gründete die SpVgg zur Spielzeit 2015/16 eine zweite Mannschaft, die sich auf Anhieb den 1. Platz in der Kreisklasse sicherte und als Nachrücker in der Saison 2017/18 über die Vizemeisterschaft in der Kreisliga einen Platz in der Bezirksliga bekam. Dort hat sich das Team von Trainer Mattias Will inzwischen prächtig akklimatisiert und bietet unter den Top 5 einen vielversprechenden Unterbau für den Landesliga-Kader.

In welche Richtung soll es gehen? Gerne nach oben, wie Andreas Eiermann weiß.
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Zwei Teams - ein Verein

„Die Zweite ist genauso wichtig. Sobald wir diese auf dem guten Niveau nicht mehr haben, würde es auch schwer werden, mit der Ersten die Landesliga zu halten“, weiß Einser-Coach Andreas Eiermann nur zu genau, was er an den Spielerinnen der zweiten Vertretung hat. Dass es für die talentierte Truppe aus dem eigenen Nachwuchs überhaupt zu einer echten Leistungsexplosion in den vergangenen Jahren genügte, rechnet Eiermann zu einem Großteil den Neuverpflichtungen im Sommer 2018 zu. „Dadurch hat sich schlagartig alles geändert“, verweist der 49-Jährige darauf, dass sich seine aufstrebenden Youngster an dem erfahrenen Quintett Sommer, Eberth, Häublein, Hildenbrand und Gube orientieren und auf diese Weise selber enorme Fortschritte machen konnten. Die jungen Spielerinnen schauen im gleichen Maße zu den Ausnahmekönnerinnen auf, wie sie von ihnen profitieren. Das führte zwangsläufig dazu, dass die internen Leistungsunterschiede sich mehr und mehr nivellierten, bis inzwischen eine auch spielerisch homogene Einheit gewachsen ist.

Pure Freude - außer bei den zweiten Bällen

„Es ist die pure Freude in jedem Training zuzuschauen“, schwärmt Eiermann von seinen Mädels, die insbesondere im spieltaktischen Bereich viel an Variabilität zugelegt haben. Auf dem Platz greift ein Rädchen reibungslos in das andere und da die Mannschaft von Nummer 1 bis Nummer 15 eine große Disziplin auf dem grünen Rasen zeigt, stellen sich die Erfolge beinahe folgerichtig ein. „Allerdings kann jeder Eckball bei uns gefährlich werden“, hat der Trainer auch Schwächen im Defensivverhalten ausgemacht. Brenzlige Situationen werden unnötig fahrlässig geklärt, so dass durch missglückte Rettungsaktionen wieder neue Gefahr heraufbeschworen wird. Die fehlende Lufthoheit tut ihr Übriges, so dass das Trainerteam bei allen positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre immer wieder neue Ansatzpunkte findet, sowohl das individuelle Level jeder einzelnen Spielerin, wie auch das des gesamten Gefüges auf die nächste Niveaustufe zu heben.

Der Blick über den Tellerrand

Vor der Zukunft ist den Verantwortlichen jedenfalls nicht bange. Mit der Installation von Marco Motschenbacher als Sportlichem Leiter hat die SpVgg Strukturen geschaffen, die einer kontinuierlichen Entwicklung nur förderlich sind. Er zeichnet neben dem Frauen- auch für den Mädchenfußball verantwortlich, wo Ebing bestens aufgestellt ist, sich aber auch im Nachwuchsbereich nicht auf den verdienten Lorbeeren ausruhen will. „Wir wollen nicht stehenbleiben. Der Großteil des Kaders ist in einem Alter, in dem die Spielerinnen noch zulegen können“, sieht Eiermann zum einen gehöriges Potenzial in der Truppe, ist sich auf der anderen Seite aber auch gewiss, dass es Jahr für Jahr viel Aufwand bedarf, um sich mittel- und langfristig in der Landesliga zu etablieren.

Alessa Herbst (re.) ist eine aus jenem "goldenen Jahrgang" der Germania.
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Eine Heimat für Fußballerinnen

Über den rein erfolgsorientierten Zielen steht bei der SpVgg Ebing jedoch ebenso das Credo im Mittelpunkt, einen Verein darzustellen, der motivierte Spielerinnen mit offenen Armen aufnimmt. „Wir möchten jeder Spielerin, die nach Ebing kommt, die Möglichkeit bieten, Fußball zu spielen“, so Eiermann, der damit – und so schließt sich der Kreis – nicht nur die Damen der ersten Mannschaft im Blick hat, sondern ebenso nach Talenten und Verstärkungen für die Zweite Ausschau hält. „Ziele müssen nicht immer mit einem Aufstieg verbunden sein, schließt der Trainer seine Ausführungen und kann sich dennoch gewiss sein, dass seine lernwillige Truppe sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben wird. Schließlich gibt es in Ebing nur ein Gas: Vollgas!

Lesen Sie im 5. und letzten Teil der Serie „Bamberger Frauenpower“ über einen Verein, der mit viel Teamgeist ein jahrelanges Vakuum ausgefüllt hat.

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Frauenfußball in Bamberg

Zehn Jahre auf einen Blick

In der Saison 2010/11 hielt sich der einstige Regionalligist RSV Drosendorf noch tapfer in der Bayernliga und die TSG 05 Bamberg feierte die Vizemeisterschaft in der Bezirksoberliga. Zwei Spielzeiten später war der nominelle Tiefpunkt für den Bamberger Frauenfußball erreicht, denn die Spiele auf Verbandsebene fanden in der Serie 2012/13 ohne Beteiligung aus Bamberg Stadt und Land statt. Schon 2017/18 vertraten mit der SpVgg Stegaurach und dem SV Frensdorf allerdings wieder zwei Teams die Bamberger Farben in der Landesliga. Letztere gehen seit 2018/19 sogar in der Bayernliga an den Start. Seit jener Spielzeit gibt es sechs Teams, die in der Bezirksoberliga beziehungsweise höherklassig beheimatet sind. Die Renaissance des Bamberger Frauenfußballs befindet sich in vollster Blüte.


Bilanz SpVgg Ebing

Saison
Pl. 
Liga
2019/21
5. 
Landesliga Nord
 
2018/19
1. 
Bezirksoberliga Oberfranken
2017/18
6. 
Bezirksoberliga Oberfranken
 
2016/17
3. 
Bezirksoberliga Oberfranken
 
2015/16
1. 
Bezirksliga Oberfranken/W.
2014/15
1. 
Kreisliga Süd/West
2013/14
6. 
Kreisliga Süd/West
 
2012/13
5. 
Kreisliga Süd/West
 
2011/12
8. 
Kreisliga West
 
2010/11
5. 
Kreisliga Süd
 
2009/10
10. 
Kreisliga Süd
 

Bilanz SpVgg Ebing 2

Saison
Pl. 
Liga
2019/21
4. 
Bezirksliga Oberfranken/W.
 
2018/19
3. 
Bezirksliga Oberfranken/W.
 
2017/18
2. 
Kreisliga Süd/West
2016/17
4. 
Kreisliga Süd/West
 
2015/16
1. 
Kreisklasse Süd

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