Pfiff des Monats: Strafbares Handspiel auf der Torlinie - anpfiff.info
Artikel veröffentlicht am 01.11.2014 um 08:48 Uhr
Pfiff des Monats: Strafbares Handspiel auf der Torlinie
Die Diskussion um das Handspiel wird seit Ewigkeiten geführt. Im letzten Jahr hat sie noch einmal an Fahrt aufgenommen. Jedes Wochenende geht es um die Frage: war das Handspiel absichtlich oder nicht? Denn das ist das alles entscheidende Kriterium für seine Strafbarkeit. Hier ein Beispiel aus der Kreisklasse 1 vom Spiel des FC Bischberg beim TSV Breitengüßbach, das für reichlich Gesprächsstoff sorgte. 
Von Ralf Riemke
Als die Gäste am 28. September zum 10. Spieltag nach Breitengüßbach fuhren, galten sie als klarer Außenseiter. Dass die Heimelf erst gar keinen Zweifel an ihrem Status aufkommen lassen wollte, wurde schnell klar. Zur Halbzeit führte man zwar „nur“ 1:0, danach konnte der TSV allerdings noch drei Mal einen eigenen Torerfolg bejubeln und einen auch in dieser Höhe verdienten und ungefährdeten Dreier einfahren. Mit dem Sieg schlossen die `Güßbacher zum punktgleichen Tabellenführer SpVgg Trunstadt auf, die Bischerger blieben im Mittelfeld. 

Trotz des deutlichen Ergebnisses gab es in der Partie ein paar diskussionswürdige Szenen. Eine davon schilderte der Berichterstatter so: 

Durch die zahlenmäßige Überlegenheit wurde das Übergewicht der Hausherren nun noch größer und es ergaben sich noch mehrere Möglichkeiten, das Ergebnis zu erhöhen. Dies geschah dann auch in der 82. Minute per Handelfmeter. Vorausgegangen war ein Angriff der Güßbacher, bei dem zunächst der Torhüter einen Schuss abwehren konnte, aber der Nachschuss wurde dann von Christoph Neumeister auf der Linie per Hand abgewehrt. In dieser Situation blieb dem Schiedsrichter nach Regelwerk keine andere Möglichkeit, als auf Elfmeter zu entscheiden und den Spieler mit der Roten Karte zu bestrafen. Den fälligen Elfmeter verwandelte Christoph Herl sicher zum 4:0-Endstand.

Christoph Herl (links im gelben Trikot beim Spiel gegen die SpVgg Trunstadt) verwandelte den hier thematisierten Strafstoß sicher zum 4:0 Endstand. 
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Zu dieser Entscheidung gab es mehrere Leserkommentare. War die Rote Karte gerechtfertigt? Hätte nicht Gelb ausgereicht? War es überhaupt ein absichtliches Handspiel? Aus regeltechnischer Sicht (!!) gibt es dazu folgendes zu sagen: 

Die Regel 12 besagt, dass ein Handspiel dann vorliegt, wenn ein Spieler den Ball mit seiner Hand oder seinem Arm absichtlich berührt. Dem Schiedsrichter dienen dabei folgende Kriterien zur Urteilsfindung: die Bewegung der Hand zum Ball, die Entfernung zwischen Gegner und Ball, sowie die Position der Hand. Im Mittelpunkt der Betrachtung muss demnach immer das Vorliegen einer Absicht stehen. Daran ändert sich auch nichts, wenn man die nun ganz groß in der Diskussion stehende „Vergrößerung der Körperfläche“ nimmt, um eine Hereingabe oder einen Schuss zu verhindern. 

Schießt ein Stürmer den Ball in Richtung Tor und begeht ein Abwehrspieler ein absichtliches Handspiel, wobei dadurch keine eindeutige, glasklare Torchance verhindert wird, so ist dieser Verteidiger mit der Gelben Karte zu bestrafen. So eine Szene kann jederzeit aus dem Spiel heraus passieren. Genauso beispielsweise aber auch beim direkten Freistoß. Wenn ein solcher Schuss von einem Verteidiger in der Mauer durch den nach oben gestreckten Arm abgewehrt wird, so ist nicht nur eine Spiel-, sondern eben auch eine persönliche Strafe zu verhängen. In diesem Fall wäre das die Gelbe Karte. Wird durch das Handspiel allerdings eine klare Torchance verhindert, muss der Feldverweis auf Dauer, also das Zeigen der Roten Karte, erfolgen!

Schiedsrichter Hans Höck vom ASV Sassanfahrt hatte innerhalb von Sekundenbruchteilen zu entscheiden und entschloss sich für ein absichtliches Handspiel des Bischberger Verteidigers Christoph Neumeister auf der Torlinie mit der unumkehrbaren Folge eines Feldverweises auf Dauer, der in so einem Fall zwingend notwendig war. 

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