Für mehr Respekt und Wertschätzung: Qualle beeindruckt mit klaren Worten und Offenheit - anpfiff.info
Artikel veröffentlicht am 23.01.2026 um 08:00 Uhr
Für mehr Respekt und Wertschätzung: Qualle beeindruckt mit klaren Worten und Offenheit
MAGAZIN Er ist der einflussreichste Schiedsrichter-Influencer Deutschlands. Pascal Martin, besser bekannt als Qualle, tritt seit mehreren Jahren für die Schiedsrichter-Zunft ein, fordert Respekt vor den Unparteiischen und ein besseres Miteinander auf und neben dem Platz. Das machte der 24-Jährige auch in seinem Workshop im Rahmen des Internationales U13-Hallenturniers in der tectake-Arena deutlich.
Von Alexander Rausch

Rund 70 Jugendliche stehen dicht gedrängt am Eingang zu den Umkleidekabinen der tectake-Arena. Aber nicht etwa, um Autogramme von den zukünftigen Stars zu bekommen, die gerade ihr Können auf dem Spielfeld der Würzburger Halle zeigen. Nein, sie warten auf Qualle, den bekanntesten Schiedsrichter-Influencer Deutschlands. Als der 24-Jährige dann kommt und der Einlass gewährt wird, stürmen alle in den Spiegelsaal, um einen möglichst guten Platz zu ergattern.

Vom Erzieher zum Influencer


Kaum hat der 24-Jährige das Wort ergriffen, zücken die ersten schon ihre Handys und filmen oder machen Fotos. Für die Jugendlichen ist die Nähe zu dem Social-Media-Star etwas Besonderes. Und sie lauschen aufmerksam, was Pascal Martin erzählt. Er berichtet aus seinem Leben. Er stammt „aus der Stadt, die es nicht gibt“, aus Bielefeld, ist bekennender Arminia-Fan. Stolz macht ihn, dass der aktuelle Drittligist im Vorjahr im DFB-Pokal für Furore gesorgt hat und bis ins Finale vorgedrungen ist.

Selbst kickte er früher im Nachwuchsleistungszentrum des MSV Duisburg, schnupperte also selbst die Luft des Profi-Fußballs. Später machte er die Ausbildung zum Erzieher und schwärmt: „Arbeit mit Kindern ist der ehrlichste Job. Sie sagen dir direkt ins Gesicht, was sie denken.“ schwärmt er. Allerdings übt er seinen Beruf seit rund zweieinhalb Jahren nicht mehr aus. Damals hatte er begonnen, Videos mit dem „unbeliebten Thema“ Schiedsrichter auf seinen Social-Media-Plattformen zu posten. „Das ist dann durch die Decke gegangen“, berichtet er, der von seinem Erfolg selbst überrascht wurde.


Pascal Martin hinterließ einen bleibenden Eindruck bei den Anwesenden.
Alexander Rausch/anpfiff.info


Meist sind nicht Spieler das Problem


Es ist spürbar, dass ihm sehr viel daran liegt, das Schiedsrichter-Wesen in ein positives Licht zu rücken. Zu negativ werden die Unparteiischen beurteilt, zu wenig Respekt und Wertschätzung ihnen entgegengebracht. „Wenn Deniz Aytekin, eine absolute Legende, 90 Minuten ein sehr gutes Spiel macht und dann eine falsche Entscheidung trifft, steht diese im Fokus und nicht die sehr gute Leistung davor“, moniert er und wünscht sich eine veränderte Wahrnehmung.

Auch auf regionalen Sportplätzen und bei Jugendspielen. Einige hätten ihre Emotionen dann nicht im Griff. „Spiele werden mehrheitlich abgebrochen wegen Vorkommnissen neben dem Platz. Erwachsene Menschen können sich oftmals nicht mehr benehmen. Eltern machen das Spiel kaputt“, ärgert er sich über das Verhalten außerhalb des Spielfeldes. Dabei hätten die doch eine Vorbildfunktion. Das bringt er auch in seinem Song „Zeit für Respekt“ deutlich zum Ausdruck. Auch er selbst ist schon einmal körperlich angegangen und ins Gesicht geschlagen worden.



Schiedsrichter-Sein entwickelt die Persönlichkeit

Unterkriegen hat er sich nicht, auch wenn er nachvollziehen kann, wenn solche Erlebnisse dazu führen, mit der Schiedsrichterei aufzuhören. Er weiß: „Wir haben jetzt schon ein Nachwuchsproblem. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, pfeifen nur noch Väter.“ Um diese allerdings zu stoppen, nimmt er auch die Vereine in die Pflicht. Sie müssten sich kümmern und Nachwuchs-Referees akquirieren. Plakate aufhängen reiche nicht. Die Verantwortlichen müssten aktiv werden und Jugendliche ansprechen.

Denn das Schiedsrichter-Sein hat nicht nur den Vorteil, sich umsonst alle DFB-Spiele anschauen zu können. Auch ist es ein gutes Taschengeld. „Neben einigen Privilegien prägt es aber vor allem die Persönlichkeit“, stellt Pascal Martin heraus und spricht dabei aus eigener Erfahrung. Denn er selbst habe früher gemobbt, habe andere Kinder erniedrigt und ausgegrenzt. Auch die Schiedsrichter sei er immer wieder angegangen und beleidigt. „Damals musste ich zur Strafe die Ausbildung machen“, berichtet er offen über seine unschöne Vergangenheit. Doch die habe seine Sichtweisen verändert.


Im Nachgang des Workshops machte Pascal Martin Fotos und gab Autogramme.
Alexander Rausch/anpfiff.info


Klares Plädoyer für Respekt und Wertschätzung

„Jeder hat seine eigenen Geschichten. Es kommt nicht auf Marken-Klamotten oder andere Dinge an. Jeder ist reich, wenn man Freunde und Familie hat, die einen lieben“, betont er und hält ein Plädoyer für Respekt und Wertschätzung dessen, was man hat. Das Schiedsrichter-Sein hat den 24-Jährigen verändert, seine Sichtweisen justiert. Und genau für diese steht er heute ein. Klar, unumstößlich und jugendgerecht.


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