Die Lage des Spielkreises: Max Habermann: "Das System bricht zusammen!" - anpfiff.info
Artikel veröffentlicht am 11.09.2023 um 06:00 Uhr
Die Lage des Spielkreises: Max Habermann: "Das System bricht zusammen!"
Wie lange wird es den Spielkreis Erlangen-Pegnitzgrund noch geben? Diese Frage und weitere wirft Kreisvorsitzender Max Habermann bei einer Sitzung der Erlanger Schiedsrichter auf. Den einen oder anderen Tipp für die Männer an der Pfeife hat er ebenso im Gepäck.
Von Uwe Kellner
Es war eine Schiedsrichtersitzung, zu der Max Habermann eingeladen war und in der er als Gastreferent ein paar Worte zum Besten geben sollte. Eigentlich hätte man davon ausgehen können, dass der Kreisvorsitzende vor allem über die Situation der Schiedsrichter plaudert - aber einmal in Fahrt gekommen, ging er auf beinahe alles ein, was die Fußballer im Spielkreis Erlangen-Pegnitzgrund derzeit bewegen sollte.

Tipps für die Unparteiischen

Da Max Habermann selbst Schiedsrichter war und sogar als Obmann der Gruppe Fränkische Schweiz fungierte, hatte er ein paar Tipps für seine Kollegen an der Pfeife im Gepäck. "Ihr braucht euch nichts gefallen lassen, müsst aber trotzdem fair bleiben. Als Schiedsrichter hat man sehr viel Macht auf dem Sportfeld. Damit müsst ihr gewissenhaft umgehen. Wir sind Sportler und gehören alle zusammen", so der Funktionär.

Organisatorisch war ihm wichtig, dass die Schiedsrichter, vor allem in der Kreisliga, ihre elektronischen Spielberichtsbögen rechtzeitig ausfüllen und freigeben. "Eigentlich müssen die ESBs eine Stunde nach Spielende drin sein. Dass das nicht immer geht, ist klar, aber am selben Tag muss das in der Kreisliga auf jeden Fall geschehen. Immerhin sollen da ja die besten Schiedsrichter des Kreises pfeifen."

In diesem Zusammenhang gibt Max Habermann eine weitere Empfehlung. "Letztens habe ich erst wieder ein Spiel gesehen, da wurde der Mittelstürmer sieben Mal von den Beinen geholt und der Schiedsrichter hat nichts gemacht. Als der Stürmer dann gemeckert hat, gab es die gelbe Karte. Das kann nicht sein. Deswegen die Bitte: schützt ein bisschen die Torjäger und Spielmacher. Es ist nunmal so, ich kenn ja meine Spezl, dass es Vorgaben gibt, die besten Fußballer des Gegners besonders zu bearbeiten. Habt da ein Auge drauf."

Und eine weitere Bitte an die Schiedsrichtergruppen war, dass die Jugendspiele eher besetzt werden sollen, als Spiele von Zweiten Mannschaften. "Pfeift Jugendspiele. Es kann nicht sein, dass die Jugendlichen von der C- bis zur A-Jugend keine Schiedsrichter haben, und dann bei den Herren meinen, sie können machen was sie wollen, weil die Vereinsschiedsrichter nie richtig durchgegriffen haben", so der Appell des Kreisvorsitzenden. 

Max Habermann sprach zu den Erlanger Schiedsrichtern und gab Auskunft über die Lage des Spielkreises.
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Sehr große Sorgen im Jugendbereich

Sehr düster sieht es im Spielkreis Erlangen-Pegnitzgrund im Jugendbereich aus. "Wir haben nur noch 47 A-Jugend-Teams, davon sind sieben die Zweiten Mannschaften. Von den 40 Jugendteams sind 15 eigenständig, zehn aus Erlangen, drei im Pegnitzgrund und Ebermannstadt sowie Buckenhofen. Teils haben die anderen Spielgemeinschaften mit neun Vereinen. Wie sollen wir in der Zukunft unsere rund 300 Herrenmannschaften aus den wenigen Jugendmannschaften füttern?" Eine berechtigte Frage. Seit dem Jahr 2006, als die Spielkreise Erlangen-Forchheim und Pegnitzgrund zusammengelegt wurden, habe der Spielkreis Erlangen-Pegnitzgrund 121 Mannschaften bei den Herren verloren. Und dieses Mannschaftssterben nahm vor allem in den letzten Jahren immer mehr Fahrt auf. Schaut man auf den Zustand des Jugendfußball, wird sich das Tempo nochmals erhöhen.

Spielgemeinschaften in der Jugend sieht Max Habermann nicht als die Lösung. Vor allem dann nicht, wenn zu viele Vereine ihre Jugendspieler zusammenwerfen. "Ein Verein hat drei Fußballer, der andere sechs, der andere fünf, der nächste vier und so weiter. Wenn die Vereine ihre Jugendspieler alle vereinen, fallen schonmal fünf Fußballer weg, weil sie es nicht mehr in die Mannschaft schaffen. Früher wären das zumindest noch Kandidaten gewesen, die später ein bisschen in der Zweiten kicken", findet Max Habermann.

"Mein Vorschlag wäre, die Anzahl der Vereine einer Spielgemeinschaft in der Jugend auf drei zu begrenzen. Außerdem könnte ich mir Kleinfeldturniere vorstellen, um Mannschaften zu retten, die keine elf Spieler stellen können." Aus der Gegend, aus der Max Habermann kommt, gibt es in der A-Jugend eine SG Fränkische Schweiz mit neun Stammvereinen: FC Thuisbrunn, TSC Bärnfels, SV Bieberbach, SV Wolfsberg, SV Gößweinstein, TSV Geschwand, SpVgg Obertrubach, FC Wichsenstein, SC Egloffstein. Er weiß wovon er spricht, wenn er sagt, dass auf dem Land die Fußballer ausgehen. "Auf dem Dorf bist du fertig. Es ist zehn Minuten nach Zwölf!" Anders sieht es in der Stadt aus.

Der Jugendfußball im Spielkreis entwickelt sich seit Jahren in die flasche Richtung und ist der Ursprung des Mannschaftssterbens vor allem im ländlichen Raum.
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Spielkreisreform in naher Zukunft

Max Habermanns Fazit bezüglich des Jugendfußballs ist dramatisch: "Das System bricht zusammen!" Zur nächsten Wahl der Kreisfunktionäre wird er sich nicht mehr aufstellen lassen und seine Posten abgeben. Trotzdem kann er die Vereine aus seiner Erfahrung heraus bereits darauf einstellen, dass es den Spielkreis Erlangen-Pegnitzgrund wohl nicht mehr allzu lange geben wird. "Ich kann euch sagen, wenn nichts passiert, dass unsere Vereine bald nach Nürnberg, Bamberg oder Bayreuth fahren müssen. Bei der aktuellen Entwicklung wird es den Spielkreis nicht mehr viele Jahre geben", so Max Habermann und rechnet vor. "Stellt euch vor, es gibt einen Spielkreis mit nur 100 Mannschaften, aus dem eine Mannschaft in den Bezirk aufsteigt und einen Spielkreis mit 200 Mannschaften, aus dem eine in den Bezirk aufsteigt. Das wäre unfair." Vor allem um die ländlichen Gebiete im Spielkreis macht sich Max Habermann große Sorgen.

"Flex" kommt gut an

Im Herrenbereich lässt Max Habermann seit dieser Saison die Möglichkeit zu, "flex" zu spielen. "Dann finden die Spiele wenigstens statt und müssen nicht abgesagt werden und wenn Spiele nicht abgesagt werden müssen, gibt es auch keine Geldstrafen", ist das Hauptargument. "Wenn eine Mannschaft erstmal weg ist, kommt sie nicht mehr zurück. Das wollen wir verhindern." Erst habe es Kritik gegeben, mittlerweile sei die Stimmung allerdings gekippt. Außerdem sieht Max Habermann eine Rückkehr der Reserveligen wie die diesjährige A-Klasse 9, weil die Vereine mittlerweile den Vorteil durchschaut haben, dass man dort leichter Spiele verschieben könne und keine Hindernisse wie die 15-Tage-Regel beim Einsatz der Spieler habe. "Nächst Saison rechne ich mit vier Klassen ohne Aufstiegsrecht", so Max Habermann. Dass "Flex" nicht die Lösung für die Probleme im Amateurfußball ist, ist dem Kreisspielleiter bewusst. "Jetzt probieren wird das. Wenn das nicht klappt, probieren wir was anderes, und wenn das auch nicht klappt, dann sperren wir halt zu...", so Max Habermann flapsig.

Die Becher nochmal

Max Habermann und die Becher bei Relegationsspielen. Ein Thema, bei dem der Kreisspielleiter die Vorgabe des Verbands im vergangenen Sommer gekonnt umschiffte. "Es gibt einen Antrag, dass die Becherpflicht auf Kreisebene ausgesetzt wird. Wenn sie allerdings bleibt, dann können wir die bei der nächsten Relegation nicht nochmal umgehen", so Max Habermann, der die Vorgabe weiterhin für Blödsinn hält. Allerdings legte er auch ein Geständnis ab. "Mittlerweile weiß ich, dass ich beim letzten Verbandstag auch für die Becherpflicht gestimmt habe", so der Kreisvorsitzende. "Zur Erklärung: du kriegst einen Wälzer mit tausend Änderungen, über die dann am Ende noch schnell abgestimmt wird. Da bin ich ehrlich, die hab ich mir nicht durchgelesen und dann auch einfach meine Hand gehoben." Wie der Großteil der anderen Funktionäre auch.

Max Habermann wirft die Frage auf, ob der Spielkreis Erlangen-Pegnitzgrund bestehen bleiben wird, oder ob die Vereine bald nach Nürnberg, Bamberg oder Bayreuth fahren müssen.
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Einfach anrufen

Max Habermann kommt bei seinen Ausführungen gerne vom Hundersten ins Tausendste. Aber das sei kein Problem. Der Kreisvorsitzende sei für alle der Ansprechpartner. "Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr mich gerne anrufen. Ihr erreicht mich eh nicht", schmunzelt der Funktionär. "Aber wenn ihr mich doch erreicht, dann diskutieren wir eine Stunde!"

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