Artikel veröffentlicht am 09.06.2021 um 10:00 Uhr
„Es war eine schöne Aufgabe.“ : Ungefuch ist trotz Abstieg stolz auf das Team
Die Fußballerinnen des FC Würzburger Kickers müssen nach nur einer Saison in der 2. Bundesliga wieder den Gang zurück in die Regionalliga antreten. Die junge Mannschaft musste das ein ums andere Mal gegen die arrivierte Konkurrenz Lehrgeld bezahlen. Letztlich fehlten 14 Punkte ans rettende Ufer. Warum Eugen Ungefuch, ein Urgestein des Mädchenfußballs am Heuchelhof, trotzdem stolz auf seine Mannschaft ist.
Von Steffen Krapf
Gab lautstark und klar die Richtung vor: Eugen Ungefuch. Alleine das Ziel haben die FWK-Frauen nicht erreicht.
Steffen Krapf
Während der 90 Minuten ist bei Eugen Ungefuch der Schalter umgelegt. Der sonst ruhig und besonnen wirkende Trainer tigert während des Spiels förmlich an der Seitenlinie herum. Das Verlassen der Coaching-Zone wird von den Schiedsrichterinnen der 2. Frauen-Bundesliga konsequent geahndet. Das weiß mittlerweile auch Ungefuch, der Ende April interimsweise zusammen mit Ex-Fußballprofi Markus Lützler und Maximilian Schnorr-Reinders die Kickers-Frauen in der 2. Liga übernommen hatte. Die Mission war heikel. Nach nur vier Punkten in der Hinserie unter Aufstiegstrainer Gernot Haubenthal, war der Klassenerhalt in der Süd-Staffel der 2. Frauen-Bundesliga kaum noch zu bewerkstelligen. Drei Teams der Neunerliga stiegen direkt ab, der Viertletzte musste den Gang in die Relegation antreten. Mit letztlich elf Punkten steigen die Kickers als Vorletzter ab.

Wie ein roter Faden

Ein bisschen hadert er nach dem Abpfiff des letzten Saisonspiels. Die 1:3-Niederlage gegen die U20 der TSG Hoffenheim war sportlich zwar nicht mehr brisant, allerdings für ihn auch irgendwie ein Spiegelbild der Rückrunde. Strittige Schiedsrichterentscheidung zogen sich „wie ein roter Faden“ durch die letzten acht Spiele, moniert er. „Da ist es schwierig sich zusammenzureißen.“ Auch die Tatsache, dass die Mannschaft gut dagegenhielt, aber letztlich ohne Zählbares aus der Partie herausgeht, schmeckt nicht sonderlich. „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat nie aufgehört an sich zu glauben“, sagt er: „Wir haben gut von hinten herausgespielt, wir waren ebenbürtig, nur vorne hat mal wieder die Durchschlagskraft gefehlt.“

Ungefuch, der als Vereinsurgestein schon seit gut 15 Jahren am Heuchelhof dabei ist und von 2018 bis 2020 die zweite Damen-Mannschaft trainiert hat, glaubt, dass letztendlich die „Effizienz“ gefehlt hat, um die Klasse doch noch zu halten. Sieben Punkte holte der FWK unter dem Interims-Trainertrio. „Spielerisch und von der Einstellung her waren wir meist ebenbürtig“, betont er. Dabei klammert er die 2:7-Niederlage gegen den Meister 1.FC Köln aus. Ein paar Punkte wurden unglücklich liegen gelassen, resümiert er, obwohl das erste Spiel unter dem Trainertrio eigentlich genau zur rechten Zeit kam. Beim 5:0-Heimsieg gegen Ligaschlusslicht Niederkirchen konnte reichlich Selbstvertrauen getankt werden. „Wir hatten es selbst in der Hand.“ Spielerisch gefiel dem Coach großteils, was die Mannschaft in der Rückrunde zeigte. „Sie hat versucht es anders anzugehen als davor“, meint er: „Das ist viel wichtiger als zu sagen, okay wir spielen Angsthasenfußball, versuchen den Ball nur hinten weg zu dreschen und stellen uns hinten rein.“

Markus Lützler und Eugen Ungefuch versuchten vergebens, die Kickers-Frauen in der Liga zu halten.
anpfiff.info

Trainertrio wird gesprengt

„Auf unseren Stärken können wir aufbauen“, findet er: „Dann müssen wir schauen, dass wir nächstes Jahr wieder voll angreifen.“ Das Trainertrio wird in dieser Form voraussichtlich nicht mehr antreten. Markus Lützler wird für die nächsten zwei Jahre der neue Cheftrainer. Eugen Ungefuch wird vermutlich weiter die zweite Mannschaft in der Bezirksoberliga trainieren. „Für mich war das eine sehr intensive Zeit. Die Mädels haben wunderbar mitgezogen. Sie waren immer fokussiert auf die Aufgaben, die wir Woche für Woche hatten.“ Auch die Zusammenarbeit im Trio bewertet er als erfolgreich. „Wir warne von vorneherein auf einer Wellenlänge“, erklärt Ungefuch: „Wir haben toll harmoniert. Es war eine schöne Aufgabe.“

Hungrig für die 2. Liga


Der Blick geht nach vorne. Die erste Mannschaft wird kaum Abgänge verzeichnen müssen. Jenaya Robertson kehrt zurück nach Kanada, Maike Schopf legt eine Fußballpause ein und Torhüterin Hannah Johann wechselt zu Eintracht Frankfurt. „Neue hungrige Talente“ werden zum sowieso schon talentierten Kader dazustoßen, verrät Ungefuch. „Die Regionalliga ist eine Klasse, in der die Spielerinnen reifen können und die körperliche Robustheit bekommen.“ Der FC Würzburger Kickers Frauen- und Mädchenfußball am Heuchelhof soll weiter das Aushängeschild für Talente sein. „Wir werden angreifen, hungrig für die 2. Liga“, kündigt Ungefuch an.

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Personendaten

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Pl.
Team
Sp
Tore
Pkt
1
16
49:10
46
3
16
34:27
27
4
16
30:24
26
8
16
19:35
11
9
16
4:63
2
Bei Punktgleichheit: Entscheidungsspiel

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