Artikel veröffentlicht am 20.04.2021 um 18:00 Uhr
Wie geht es bei der Jugend weiter?: Dürfen die „Schnüdel“ rauf, bleibt FC Sand drin?
Mit einer detaillierteren Ausformulierung des Paragraphen 54 der Jugendordnung hat der Bayerische Fußballverband einen weiteren Schritt in Richtung Abbruch getan. Was die Folgen für zwei „Fälle“ aus dem Spielkreis sein könnten, zeichnet anpfiff.info nach.
Von Marco Heumann
„Eine Patentlösung, die allen Interessen gerecht wird, das haben wir in den vergangenen Monaten der Pandemie leider erfahren müssen, gibt es nicht!“ Wahre Worte aus dem Mund von Florian Weißmann. Der Verbandsjuniorenleiter hat mitseinen Kollegen aus den Bezirken in diesen Tagen den Plan wie der Abbruch derSaison im Juniorenbereich über die Bühne gehen könnte, ein wenig präzisiert.

Quotientenregel greift - "Was wäre, wenn...?" bleibt

Prinzipiell greift von der U13 bis zur U19 die Quotientenregel auch unabhängig von der Zahl der aktuell ausgetragenen Spiele. Neu festgelegt wurde das Vorgehen bei gleichen Quotienten und bei eigentlich vorgesehenen Relegationsspielen um den Aufstieg. 100 Prozent Klarheit herrscht bei der Frage „Was wäre, wenn…?“ aber noch immer nicht. Zum einen muss der Abbruch der Runde formal noch beschlossen werden, was wohl nur eine Frage der eher kürzeren Zeit ist, zum anderen gibt es „Sonderfälle“. Unter anderem auch zwei, von denen Bayernliga-Teams aus dem Spielkreis Schweinfurt betroffen wären: Die U19 des FC 05 Schweinfurt, für die es um den möglichen Aufstieg in die Bundesliga geht, und die U15 des FC Sand, bei der der Klassenerhalt in der Bayernliga Nordost in den Fokus rückt.

„Aktuell beschäftige ich mich nicht mit Einzelfällen, da der Abbruch formell noch nicht beschlossen ist“, antwortete Florian Weißmann, als anpfiff.info ihn zu den beiden Szenarien befragte. Eine durchaus verständliche und nachvollziehbare Reaktion. anpfiff.info zeigt dennoch die durch die Jugendordnung bedingten Möglichkeiten auf.

Der „Fall“ FC 05 Schweinfurt

Abschied als Aufsteiger? Edgar Tischner.
anpfiff.info
Mit einem Quotienten von 2,25 wäre die U19 der „Schnüdel“ bei einem Abbruch Meister der Bayernliga Nord und würde sowohl am SSV Jahn Regensburg als auch an den Würzburger Kickers vorbeiziehen. Ein toller Erfolg für die Jungs von Trainer-Oldie Edgar Tischner, den der Verein, wenn die Chance besteht, auch mit dem erstmaligen Aufstieg in die U19-Bundesliga „veredeln“ würde (anpfiff.info berichtete exklusiv).

Ob die TSG Hoffenheim, Eintracht Frankfurt oder der FC Bayern München mit ihrer U19 in der kommenden Saison tatsächlich in Schweinfurt zu Punktspielen antreten, ist aber noch nicht klar. Stand jetzt gibt es keine Absteiger aus den Bundesligen, aber nur die „normale“ Anzahl an Aufsteigern. Das würde für Bayern einen bedeuten. Mit den „Schnüdeln“ und der SpVgg Unterhaching in der Südgruppe gibt es aber zwei Meister.

Die Hachinger hätten den besseren Quotienten, aber der spielt bei Vergleichen zwischen Gruppen einer Ligenebene keine Rolle. Stattdessen müssten die beiden Bayernliga-Ersten in einem Relegationsspiel gegeneinander antreten. Das müsste bis spätestens 30. Juni gespielt werden, da der Verband bis zu diesem Tag seinen Aufsteiger an den DFB melden muss. Ist der Termin nicht zu halten, dann, so sieht es der angepasste Paragraph 54 der Jugendordnung vor, müsste das Los über den künftigen Bundesligisten entscheiden.

Es sei denn, auf Bundesebene gibt es doch noch grünes Licht für eine weitere Aufstockung der Bundesligen, womöglich sogar für eine Erweiterung auf vier statt drei Staffeln. Dann wären die „Schnüdel“ auch ohne Relegation oder Losglück Bundesligist.

Weiter Bayernliga? Wo tritt die U15 des Fc Sand - hier Eliano Murk (li.) gegen den Bamberger FCEler Ludwig Heublein in der kommenden Saison an.
anpfiff.info

Der „Fall“ FC Sand

Klassenerhalt zur Premiere? Nicolas Bulheller.
anpfiff.info
Erstmals in der Vereinsgeschichte überhaupt spielt in der aktuellen Runde mit der U15 eine Nachwuchs-Mannschaft des FC Sand in der Bayernliga. Eine große Herausforderung für die Jungs von Nicolas Bulheller. Die waren coronabedingt bis zur Unterbrechung der Saison nur viermal im Einsatz. Dabei gab es drei Niederlagen, aber beim 4:0 über den SC Eltersdorf auch den ersten Dreier in der Bayernliga.

Die gleiche Bilanz – einen Sieg aus vier Partien – weisen auch der FC Coburg und die SpVgg Bayern Hof auf. Gemeinsam steht das Trio am Tabellenende, wo es zwei Abstiegsplätze gibt. Bei Anwendung der Quotientenregel kämen alle drei Teams auf 0,75 Punkte im Schnitt.

Laut Paragraph 54 der Jugendordnung würde damit der direkte Vergleich über die Platzierung entscheiden. Den gab es für den FC Sand aber bisher noch nicht. Lediglich die Hofer und die Coburger trafen aufeinander. Es gab einen 3:1-Sieg der Bayern aus Ost-Oberfranken. Ob dieses eine von eigentlich drei Spielen für eine Extra-Tabelle reicht? Eine Frage, die in der Jugendordnung nicht beantwortet wird.

Was dort ebenfalls nicht hinterlegt ist: Dass zur Ermittlung der Platzierung das Torverhältnis herangezogen wird. Gut für den FC Sand, der in diesem Fall am schlechtesten dastehen würde und absteigen müsste.

Stattdessen ist als zweites Kriterium eine Sondertabelle mit den Spielen gegen die gleichen Gegner in der Jugendordnung hinterlegt. Da alle drei quotientengleichen Teams bereits gegen den FC Eintracht Bamberg angetreten sind, würden diese Partien gewertet. Alle drei verloren, Hof und Coburg jeweils mit 0:2, der FC Sand mit 0:6. Unklar bleibt, ob in einer solchen Tabelle das Torverhältnis zählen würde. Sollte es so sein, müssten die Sander zurück in die Bezirksoberliga.

Wenn nicht, dann käme ein drittes Kriterium ins Spiel, die Anzahl der ausgetragenen Spiele. Die ist bei allen drei Teams mit vier gleich. Was dann? Ein Halbsatz im Paragraph 54 könnte „Klarheit“ bringen. „Sind danach (Anm. der Red.: Nach Anwendung aller Kriterien) immer noch zwei oder mehr Mannschaften gleich, gilt für alle diese Mannschaften die beste Platzierung. Die dadurch freien Tabellenplätze bleiben unbesetzt.“ Das würde heißen der FC Sand, der FC Coburg und die SpVgg Bayern Hof würden miteinander Rang acht belegen, der für den Klassenerhalt reicht.

Alles klar? Nein! Dann am besten auf den endgültigen Abbruch warten und schauen, was der Verband in den beiden genannten Fällen entscheidet.   

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Tabelle Bayernliga Nord



Die Quotienten-Tabelle

1. (2) FC 05 Schweinfurt 2,25
2. (1) Jahn Regensburg 1,8
3. (3) Würzburger Kickers 1,75
4. (4) SG Quelle Fürth 1,75
5. (5) SV Schalding-Heining 1,75
6. (6) Viktoria Aschaffenburg 1,5
7. (7) JFG Steigerwald 0,8
8. (8) SpVgg Ansbach 0,75
9. (9) SpVgg Landshut 0,75



In Klammern die Platzierung in der "echten" Tabelle.

Im Kampf um Platz drei und vier endete der direkte Vergleich zwischen Quelle Fürth und den Würzburger Kickers unentschieden. Die Kickers wären aufgrund des besseren Torverhältnisses Dritter (7:6 gegen 10:10). Schalding-Heinig hat noch gegen keinen der beiden quotientengleichen Kontrahenten gespielt und hat ein schlechteres Torverältnis.

Auch am Tabellenende entscheidet das Torverhältnis, da es noch keinen direkten Vergleich zwischen Ansbach und Landshut gab. Absteigen müssten - Stand heute - sowieso beide.

Die JFG Steigerwald dagegen hätte den Klassenerhalt geschafft.

Tabelle Bayernliga Nordost

Pl.
Team
Sp
Tore
Pkt
9
4
5:19
3
10
4
2:7
3
Direkter Vergleich bei Punktgleichheit

Letzte Spiele Sand

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