Trainerwechsel in Neusorg: König gibt das Zepter weiter - anpfiff.info
Artikel veröffentlicht am 02.10.2026 um 17:30 Uhr
Trainerwechsel in Neusorg: König gibt das Zepter weiter
Ein Ära geht zu Ende. Annähernd zwei Jahrzehnte prägte Christian König entscheidend den Frauenfußball beim SV Neusorg. Ob als Trainer oder Sportlicher Leiter, der Tausendsassa verkörperte den SVN wie kaum ein Zweiter. Warum er sein geplantes Aus zum Saisonende nun doch vorzieht und sein Amt zur Verfügung stellt, verrät er im Exklusiv-Gespräch mit anpfiff.info.
Von Bernd Riemke
Christian König ist kein Trainer der Landesliga-Frauen des SV Neusorg mehr.
Niklas vom Ende
Dreimal stiegen die Frauen des SV Neusorg unter der sportlichen Leitung von Christian König in die Landesliga auf, doch am sportlichen Erfolg allein lässt sich der Anteil des 36-Jährigen nicht bemessen. König war über viele Jahre hinweg Trainer, Spielleiter und Scout in Personalunion. Er war und ist eng mit den Frauen am Steinwald verwurzelt und doch zieht er im Oktober 2026 die Reißleine und stellt sein Amt als Trainer des derzeitigen Tabellenneunten zur Verfügung – just nach dem ersten Saisonsieg, den seine Mädels am vergangenen Wochenende mit dem 2:1-Heimdreier gegen SpVgg Erlangen feierten.

Personelle Rückschläge

„Ich bin der Mannschaft auch weiterhin sehr eng verbunden“, so König, dem seine Entscheidung sichtlich nicht leicht gefallen ist. Schon im vergangenen Winter teilte der erfahrene Coach den Verantwortlichen mit, dass er sein Amt im Sommer 2026 zur Verfügung stellen werde – und ließ sich mannschaftsintern dennoch überzeugen, eine weitere Saison anzuhängen. „In dieser Saison wollten wir dann aber auch voll angreifen und in der Landesliga vorne mitspielen“, blickt König auf eine Vorbereitung zurück, die die Schwierigkeit dieses Unterfangens erahnen lassen sollte. Zunächst stand einer ganzen Phalanx an jungen talentierten Neuzugängen – garniert mit Rückkehrerin Susanne Stich, die die in sie gesetzten Erwartungen mit fünf Toren in fünf Spielen bislang vollauf erfüllte – nur ein einziger Abgang gegenüber. Anna Wunderlich zog es zum Ligakonkurrenten Schwabthaler SV. „Kurzfristig erreichten uns aber weitere Hiobsbotschaften“, erklärt König, denn das Mittelfeldjuwel Inga Schulz verlegte ihren Wohnort in die südliche Sonne Spaniens. Hinzu kamen zwei Schwangerschaften, die in Mannschaftskreisen zwar uneingeschränkt freudig entgegengenommen wurden, sportlich jedoch die ambitionierten Planungen gehörig durcheinander wirbelten.

Aufwand und Ertrag

„Wir hatten das Gefühl, einen sehr starken Kader zu haben, wurden in unserem ursprünglichen Plan aber extrem ausgebremst“, fasst der scheidende Trainer jene Ereignisse aus den zurückliegenden Sommermonaten zusammen. Das Auftaktprogramm der Oberpfälzerinnen tat schließlich sein Übriges. Auswärts ging es unter anderem zum weiterhin verlustpunktfreien Spitzenreiter nach Thenried (1:3) sowie zum ambitionierten TSV Buch (2:3), von der heimischen Anlage entführte Mitfavorit SpVgg Greuther Fürth 2 (1:2) alle drei Zähler. Die Frauen des SV Neusorg waren in keiner der drei verloren gegangenen Begegnungen chancenlos und doch rückten die eigenen Ansprüche ein wenig in die Ferne. „Ich bringe beruflich und privat viele Opfer“, sagt der dreifache Familienvater freimütig und stellte vor seiner Entscheidungsfindung den aus diesem großen Aufwand resultierenden eher bescheidenen Ertrag gegenüber. „Und so bin ich der Meinung, dass den Mädels frischer Wind gut tut, denn ich gönne der Mannschaft immer noch den maximalen Erfolg.“

Amelie Kraus wird zumindest bis zur Winterpause Teil des Interims-Trios der Frauen des SVN. 
Bernd Riemke / anpfiff.info

Neues Interims-Trainerteam

Ein erster Schritt ist mit dem jüngsten 2:1-Sieg getan. Die nächsten Schritte werden die Frauen des SV Neusorg unter neuer sportlicher Führung gehen. Während für das Gastspiel am kommenden Wochenende bei der SGV Nürnberg/Fürth Janina Graf an der Seitenlinie stehen wird, übernimmt anschließend ein Trio bis zur Winterpause die Verantwortung. Amelie Kraus – im Vorjahr Co-Trainer unter Christian König – Sebastian Braun, bisheriger Co-Trainer in dieser Serie und Corbinian Wedlich, bisheriger Torwart-Trainer, teilen sich das Traineramt mit dem Ziel den Vorjahresaufsteiger sukzessive weiterhin aus dem Tabellenkeller zu führen.

Pause - zumindest vorübergehend

Und Christian König? Der legt vorläufig eine schöpferische Pause ein und wird zumindest in diesem Kalenderjahr aller Voraussicht nach nicht mehr an den Spielfeldrand zurückkehren. „Ich möchte dem Frauenfußball allerdings schon erhalten bleiben“, stellt der 36-Jährige eine Rückkehr ins aktive Geschäft durchaus in Aussicht. Ein gewisses Anforderungsniveau hinsichtlich der Ligenzugehörigkeit seines neuen potentiellen Betätigungsfeldes hat er dabei nicht. „Ein Verein mit Ambitionen, in dem ein Team sich gemeinsam um die Belange der Mannschaft kümmert“, schwebt Christian König vor. Dann kann er sich durchaus vorstellen, an neuer Wirkungsstätte wieder das Zepter zu schwingen, um sich dann doppelt freuen zu dürfen. Über die Erfolge der neuen und der alten Mannschaft, denn auch wenn Christian König seine Tätigkeit beim SV Neusorg abrupt beendet, so ist die enge Verbundenheit zu „seinen Mädels“ weithin spürbar und auch wenn er an den kommenden Wochenenden Trainerbank gegen heimisches Sofa tauscht – die Daumen für seine Steinwaldzebras sind stets gedrückt.

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