Altenstadt/V. kommt mit Mathematik: Einfach nur immer das Beste geben - anpfiff.info
Artikel veröffentlicht am 27.08.2026 um 18:00 Uhr
Altenstadt/V. kommt mit Mathematik: Einfach nur immer das Beste geben
Als Vizemeister der Bezirksoberliga Oberpfalz stiegen die Frauen des SV Altenstadt/Vohenstrauß in die Landesliga-Nord auf und betreten in der mehr als 40-jährigen Historie des Frauenfußballs im Verein absolutes Neuland. Wie Trainer Christoph Striegl mit einfacher Mathematik für so manche Überraschung sorgen will, verrät er exklusiv gegenüber anpfiff.info.
Von Bernd Riemke
Co-Trainer Bastian Sittauer und Coach christoph Striegl mit dem Mannschafts-Selfie des Aufsteigers.
privat
Vohenstrauß. Ein idyllischer 7000-Einwohner-Ort im Landkreis Neustadt an der Waldnaab etwa 20km südöstlich von Weiden im Oberpfälzer Wald nahe der tschechischen Grenze gelegen. Sportlich erlangte das beschauliche Städtchen in den 1970er Jahren einiges an Ansehen, als die heimische SpVgg fünf Spielzeiten lang die Bayernliga belebte und nach dem Abstieg mindestens noch einmal für großes Aufsehen sorgte. Im März 1979 gastierte der FC Herzogenaurach in Vohenstrauß und unter die Zuschauer mischte sich kein Geringerer als der Welt- und Europameister Jupp Heynckes. Er war gekommen, um sich von einem vielversprechenden 18-jährigen Talent in den Reihen der Gäste verzaubern zu lassen: Lothar Matthäus. Der wiederum spielte die Gegner beim 5:1-Erfolg seiner Mannschaft schwindelig und sollte wenige Monate später seine Weltkarriere am Mönchengladbacher Bökelberg starten.

Mit dem eigenen Nachwuchs zum Erfolg

Etwa 1km in nordwestlicher Richtung liegt der Ortsteil Altenstadt und dort ist der Sportverein Altenstadt/Vohenstrauß beheimatet, dessen Frauen sich nun anschicken nicht minder für Aufmerksamkeit zu sorgen. Im vergangenen Jahr erst feierte die traditionsreiche Frauen-Abteilung der Blau-Weißen ihr 40-jähriges Jubiläum. Während Altenstadt/Vohenstrauß – zusammen mit dem TSV Neudorf – als eine Hochburg im Juniorinnenfußball in der Region gilt und sich die Frauen in den letzten Jahren in der Bezirksoberliga einen guten Namen gemacht haben, wartet nach dem erstmaligen Aufstieg der Vereinshistorie in die Verbandsebene nun das Abenteuer Landesliga auf das Team von Trainer Christoph Striegl.

Groß war die Freude nach dem Aufstieg in der vergangenen Saison 
privat

So einfach geht Fußball

Der 34-Jährige, dessen Gattin Franziska eine der Torhüterin des Teams ist, übernahm nach vorheriger „Schnuppertätigkeit“ als Co-Trainer zur Saison 2024/25 das Amt des Übungsleiters und führte die SV-Frauen aus dem unteren Mittelfeld bis ganz nach oben. „Wir haben weniger Gegentore bekommen, dafür mehr geschossen. Die Punktausbeute ist dann reine Mathematik“, schmunzelt Striegl, dessen Team letztlich als Tabellenzweiter der abgelaufenen Serie in der Bezirksliga Oberpfalz die Gelegenheit zum Aufstieg bekam. Drei Spieltage vor Schluss wurde Spitzenreiter SV Leonberg auf eigener Anlage mit 4:3 niedergerungen. „Da uns zu Ohren kam, dass Leonberg unter Umständen verzichten würde, haben wir in einer internen Sitzung Pro und Contra abgewägt und letztlich einstimmig entschieden, die Chance nutzen zu wollen“, erklärt Striegl, der sich nun auf die bevorstehende Herausforderung Landesliga freut.

Auf das Wie kommt es an

Wir nehmen jedes Spiel mit und werden niemandem etwas schenken. Gleichzeitig wissen wir, dass wohl das ein oder andere Ergebnisse dabei sein wird, nach dem wir ein bisschen schlucken müssen, aber vielleicht überraschen wir auch und es entwickelt sich eine ganz eigene Dynamik“, gibt sich der Aufstiegs-Trainer vorfreudig gelassen. An einem Tabellenplatz beziehungsweise einer konkreten Zielsetzung will er den Erfolg des Unternehmens Landesliga in jedem Fall nicht messen lassen. „Wenn wir immer unser Bestes geben, gibt es keinen Grund negativ zu denken“, gibt Striegl die Marschroute vor, die eindeutig eher darauf abzielt, wie sich seine Mannschaft im neuen sportlichen Umfeld zurechtfindet und präsentiert.

Mit großem Kader und vielen Eigengewächsen startet der SV Altenstadt/Vohenstrauß in die erste Landesliga-Saison der Vereinshistorie. 
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Eine kennt sich aus...

Neu ist dieses Umfeld im Grund genommen für jede einzelne Spielerin – mit einer Ausnahme. Eva Schneiderbanger war zuvor viele Jahre für die SpVgg Ebing aktiv, für die sie in sechs Partien auch in der Landesliga auf dem grünen Rasen stand, ehe es sie aus beruflichen Gründen in die Oberpfalz und dort zum SV Altenstadt/Vohenstrauß verschlug. „Sie nimmt mit ihrer durchwegs positiven Art großen Einfluss auf das Team. Tore schießen konnten wir schon immer. Seit Eva bei uns ist, stehen wir defensiv deutlich besser“, schwärmt Striegl von der Wahl-Oberpfälzerin, die sich auf Anhieb in ein sehr organisch gewachsenes Team integriert hat.

Erfolg wie hausgemacht

Die Landesliga-Mannschaft des SV Altenstadt/Vohenstrauß besteht schließlich zum Großteil aus Aktiven, die die eigene Nachwuchsabteilung im Verein durchlaufen haben. „Die Jahrgänge 1996-99 waren richtig gut. Der Kern der Spielerinnen aus der damaligen B-Jugend bildet heute noch den Stamm der Mannschaft“, schwärmt der Coach über so viel Vereinstreue und die stetige Entwicklung, die die Frauen genommen haben. Da dieses stabile Gerüst auch in den vergangenen Jahren immer wieder durch Talente aus dem eigenen Nachwuchs ergänzt wurde, hat sich eine entsprechende Hierarchie entwickelt. Aus der Innenverteidigung ragt Anja Hilburger heraus. „Sie ist die gleiche wie Eva Schneiderbanger – nur in blond“, lacht Striegl, wenn er über sein Abwehr-Duo schwärmt, vor dem Kapitänin Pia Schmidt auf der Sechs athletisch und zweikampfstark aufräumt. „Sie ist eine echte Leaderin“, lobt der Trainer seine Führungsspielerin, die wiederum Go-To-Spielerin Simone Fritsch den Rücken freihält. Die 32-Jährige kann in jeder Partie den Unterschied ausmachen, erzielte in der Vizemeistersaison mehr als die Hälfte aller Tore des eigenen Teams und sicherte sich in der besten Offensive der Liga auch überlegen die Krone der Torschützenkönigin in der Bezirksoberliga Oberpfalz.

Eva Schneiderbanger (Mi.) ist die einzige im Kader der Aufsteigerinnen mit Landesliga-Erfahrung. 
Sebastian Pflaum / anpfiff.info


Beim SV Altenstadt/Vohenstrauß ist man auf das Erreichte zurecht überaus stolz und dennoch betont Trainer Christoph Striegl: „Die sportliche Heimat ist die Bezirksoberliga“. Diese Haltung verdeutlicht, dass der sportliche Erfolg eben nicht über Allem steht. Das Herzblut, das zahlreiche ehrenamtliche Trainer und Betreuer in die gesamte Mädchen- und Frauenabteilung des Vereins stecken, ist der Nährboden für ein gesundes Vereinsleben. Das ist es, was zählt. Der Aufstieg in die Landesliga ist dabei der berühmten Kirsche auf der Sahnetorte gleichzusetzen. Dementsprechend werden Verantwortliche und Spielerinnen alles daran setzen, dass der Ausflug in die Landesliga gern auch über das Saisonende hinaus noch einmal um eine weitere Spielzeit verlängert wird, sollte dies jedoch nicht gelingen, weiß Christoph Striegl auch: „Da freggt a koar goaß!“






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