Das anpfiff.info-Team: Thomas Schrems stellt sich vor - anpfiff.info
Artikel vom 12.08.2026 06:00 Uhr
Das anpfiff.info-Team: Thomas Schrems stellt sich vor
Michael Ott

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Seit 20 Jahren steht anpfiff.info für leidenschaftliche Berichterstattung rund um den regionalen Amateurfußball. Woche für Woche liefern unsere Mitarbeiter Geschichten, Stimmen und Hintergründe – viele von ihnen im Verborgenen. Jetzt holen wir diese Menschen vor den Vorhang: In einer kleinen Serie stellen sich die Gesichter hinter Kamera, Tastatur und Videoticker persönlich vor.
Von Redaktion
Name:
Thomas Schrems

Tätigkeit bei anpfiff.info:
Berichterstatter von Topspielen und zuständig für die Hintergrundberichte der Kreisliga 2, der Kreisklasse 4, sowie der A-Klasse 4. Außerdem übernehme ich an den Wochenenden "Spieltag aktuell" für die Regionalliga, Bayernliga Nord, sowie Landesliga Nordost.

Bei anpfiff.info seit:
Seit Oktober 2013

Thomas Schrems berichtet seit 2013 für anpfiff.info von den Fußballplätzen der Region.
Michael Ott

Wie bist du zu anpfiff.info gekommen?
Die Leidenschaft fürs Fotografieren habe ich tatsächlich meinem Vater zu verdanken. Er hat mich damals ein bisschen an die Fotografie herangeführt - allerdings war er eher der klassische Landschaftsfotograf. Und während er wahrscheinlich stundenlang auf das perfekte Licht für irgendeinen Sonnenuntergang warten konnte, habe ich relativ schnell festgestellt: Landschaften laufen nicht, schießen keine Tore und beschweren sich auch nicht beim Schiedsrichter. Das war also nicht ganz meine Welt. Zum Fußball hatte ich ohnehin schon immer eine enge Verbindung. Nachdem ich meine eigene aktive Karriere verletzungsbedingt beenden musste, stand ich weiterhin regelmäßig auf den Sportplätzen der Region und hatte eben immer öfter die Kamera dabei. Besonders häufig natürlich beim FC Tirschenreuth, meinem Heimatverein. Irgendwann meldete sich dann Hans Wunder bei mir und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, bei anpfiff.info mitzuwirken. Nach einem kurzen Gespräch war eigentlich ziemlich schnell klar, dass ich mich dort „ein bisschen engagieren“ möchte. Aus diesem „bisschen“ ist inzwischen eine durchaus zeitintensive Wochenendbeschäftigung geworden. Aber offensichtlich eine, von der ich auch nach all den Jahren noch nicht genug bekommen habe.

Was war dein erster Artikel / dein erstes Spiel / dein erster Einsatz?
An meinen allerersten Artikel kann ich mich tatsächlich nicht mehr erinnern. Die Hintergrundberichte kamen bei mir ohnehin erst etwas später dazu. Mein erstes Spiel ist dagegen noch ziemlich präsent. Das war im Oktober 2013 - und natürlich hatte ich mir für meine Premiere keinen schönen sonnigen Herbstnachmittag ausgesucht. Es regnete ordentlich und lange war überhaupt nicht klar, ob gespielt werden konnte. Am Ende fand die U19-Partie zwischen dem FSV Bayreuth und dem FC Tirschenreuth aber statt. Hans hatte sich damals gedacht, dass es für meinen Einstieg vielleicht ganz hilfreich wäre, zunächst meinen Heimatverein zu begleiten. So kannte ich wenigstens auf einer Seite schon einige Spieler und Verantwortliche und musste nicht völlig ahnungslos auf dem Sportplatz herumlaufen. Die Aufregung war trotzdem groß. Schließlich ging es nicht nur darum, Bilder zu machen, sondern hinterher auch Stimmen einzufangen. Und da lernt man ziemlich schnell eine der ersten Lektionen als Berichterstatter: Nach einer Niederlage ist nicht jeder Trainer unbedingt begeistert, wenn unmittelbar nach dem Schlusspfiff jemand mit Aufnahmegerät vor ihm steht und wissen möchte, wie er denn das Spiel so fand. Wenn ich mich richtig erinnere, fiel der entscheidende Treffer damals auch erst kurz vor Schluss. Meine Premiere hatte also gleich einiges zu bieten. Seitdem sind mehrere hundert Spiele dazugekommen - wie viele genau, habe ich irgendwann aufgehört zu zählen. Wahrscheinlich ist das auch besser so.

Erzähle uns von deinem lustigsten oder kuriosesten Erlebnis auf oder neben dem Platz!

Bei den ganz großen kuriosen Geschichten bin ich tatsächlich ein bisschen blank auf der Brust. Vielleicht bin ich einfach zu oft mit Fotografieren und Schreiben beschäftigt, während um mich herum die wirklich lustigen Dinge passieren. Ein Erlebnis ist mir allerdings ziemlich gut in Erinnerung geblieben - wobei „lustig“ dafür definitiv das falsche Wort wäre. Bei einer Partie beim ATV Höchstädt zog während des Spiels ein heftiges Gewitter auf. Der Sportplatz liegt ohnehin ziemlich hoch und irgendwann schlug in unmittelbarer Nähe ein Blitz ein. Ich habe damals sogar ein leichtes Kribbeln gespürt. Spätestens in diesem Moment war klar: Für ein gutes Fußballfoto muss man einiges tun - vom Blitz getroffen zu werden, gehört allerdings nicht unbedingt dazu.
Der Schiedsrichter reagierte zum Glück genau richtig und brach die Partie rechtzeitig ab. Das war sicherlich einer der Momente, in denen Fußball plötzlich ziemlich nebensächlich wurde. Seitdem weiß ich jedenfalls: Wenn der eigene Körper anfängt, beim Gewitter als Spannungsprüfer zu funktionieren, sollte man vielleicht doch langsam die Kamera einpacken.

Thomas Schrems (re.) jagte selbst jahrelang dem runden Leder in der Bezirksliga hinterher und wurde dabei auch das ein oder andere Mal von unseren Fotographen abgelichtet.
anpfiff.info

Wie verlief deine eigenen Spielerkarriere auf dem Rasen?
Ich möchte jetzt natürlich nicht behaupten, dass mich nur meine Kreuzbandrisse von einer großen Profikarriere abgehalten haben. Diesen Satz hört man schließlich auf Amateurfußballplätzen oft genug: „Wenn damals das Knie nicht gewesen wäre …“ - und plötzlich wäre gefühlt die halbe Kreisklasse beinahe in der Bundesliga gelandet. Ganz so weit würde ich bei mir also nicht gehen. Ein völlig schlechter Kicker war ich allerdings auch nicht. In meiner letzten kompletten Saison habe ich in der Bezirksliga immerhin 22 Tore erzielt. Meine größte Stärke war sicherlich mein rechter Fuß - der konnte schon ein bisschen was. Meine komplette Jugend und anschließend auch meine Zeit im Herrenbereich habe ich beim FC Tirschenreuth verbracht. Nach der Jugend rückte ich direkt in die erste Mannschaft auf, die damals gerade ihr erstes Jahr in der Bezirksliga spielte. An mein erstes Herrenspiel kann ich mich noch sehr gut erinnern. Auswärts beim SV Gesees wurde ich ungefähr in der 70. Minute beim Stand von 1:1 eingewechselt. Die taktische Marschroute unseres damaligen Trainers Rudi Tragl war dabei erfreulich unkompliziert: Ich sollte als dritter Sechser dafür sorgen, dass hinten nichts mehr anbrennt. Und wenn es gar nicht anders geht, sollten wir die Bälle eben über den Zaun ins angrenzende Feld schießen. Pep Guardiola hätte es vermutlich etwas ausführlicher erklärt - aber funktioniert hat es auch so. Meine Karriere war letztlich kurz, aber schön. Gerne hätte ich natürlich länger gespielt. Zwei Kreuzbandrisse, eine ausgekugelte Schulter und diverse andere Wehwehchen waren irgendwann allerdings relativ deutliche Hinweise meines Körpers, dass Fußball möglicherweise nicht die Sportart ist, für die er konstruiert wurde. Den zweiten Kreuzbandriss ließ ich schließlich gar nicht mehr operieren und irgendwann musste ich einsehen, dass es das gewesen war. Komplett vom Fußball verabschieden konnte und wollte ich mich aber nie. Heute stehe oder sitze ich eben mit Kamera und Laptop am Spielfeldrand statt mit Fußballschuhen auf dem Platz. Und dieser Perspektivwechsel war durchaus interessant. Vereine und Menschen, die man früher hauptsächlich als Gegner wahrgenommen hat, lernt man plötzlich ganz anders kennen. Aus Rivalen werden Gesprächspartner, aus gegnerischen Trainern und Spielern teilweise langjährige Bekannte. Genau das ist eine Seite meiner heutigen Tätigkeit, die ich sehr schätze.

Was macht den Amateurfußball für dich besonders?
Amateurfußball ist für mich vor allem eines: echt und ungeschönt. Im Profifußball könnte man bei vielen Interviews vermutlich Frage und Antwort gleichzeitig aufschreiben. „Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen“, „Wir müssen unsere Chancen besser nutzen“, „Am Ende zählen die drei Punkte“ - Textbausteine gibt es dort schließlich genug. Im Amateurfußball weißt du dagegen nie so genau, was nach dem Schlusspfiff kommt. Da wird auch einmal Klartext gesprochen. Manchmal geht ein Trainer vielleicht etwas härter mit seiner Mannschaft ins Gericht, manchmal spricht ein Spieler noch mit ordentlich Puls über eine Schiedsrichterentscheidung - und manchmal merkt man während eines Interviews schon nach dem ersten Satz: Das könnte heute interessant werden. Aber genau diese Emotionen gehören für mich dazu. Amateurfußball bedeutet eben auch, dass der Spieler, der am Sonntag den entscheidenden Treffer erzielt, am Montagmorgen wieder ganz normal auf der Arbeit steht. Dass Ehrenamtliche teilweise unzählige Stunden investieren, damit am Wochenende überhaupt gespielt werden kann. Dass nach dem Abpfiff Gewinner und Verlierer gemeinsam im Sportheim sitzen und dass Rivalitäten auf dem Platz für 90 Minuten riesengroß sein können, obwohl man sich unter der Woche beim Einkaufen wieder ganz normal begegnet. Als Berichterstatter gefällt mir außerdem die Nähe zu den Menschen. Man kennt sich über die Jahre, begegnet sich immer wieder und baut Vertrauen auf. Gleichzeitig gibt es ständig neue Geschichten. Und dabei muss es nicht immer um den Tabellenführer oder den Aufstieg gehen. Manchmal steckt hinter einem Spieler aus der Kreisklasse eine spannendere Geschichte als hinter einem Bundesligaprofi. Genau das macht für mich den Reiz aus: Man berichtet nicht nur über Ergebnisse und Tabellen, sondern über Menschen, Vereine, Emotionen und Geschichten, die ohne den Amateurfußball wahrscheinlich kaum jemand erzählen würde.

Wo trifft man dich abseits des Fußballplatzes öfters?

Die Frage ist natürlich schwierig, weil „abseits des Fußballplatzes“ meine möglichen Aufenthaltsorte schon einmal erheblich einschränkt. Ganz ohne Sport funktioniert es aber auch im Winter nicht. Wenn auf den Fußballplätzen etwas weniger los ist, findet man mich ziemlich regelmäßig beim Eishockey. Bei den Heimspielen der Blue Devils Weiden in der DEL2 bin ich eigentlich fast immer anzutreffen. Dann wird die grüne Wiese eben gegen die Eisfläche getauscht.

Seit Februar hat sich mein Leben allerdings noch einmal deutlich verändert: Ich bin Vater von Zwillingsmädels geworden. Entsprechend haben sich natürlich auch die Prioritäten ein wenig verschoben. Wenn ich also weder auf einem Fußballplatz noch in einer Eishalle unterwegs bin, verbringe ich mittlerweile den Großteil meiner freien Zeit mit meiner Familie und wir versuchen, gemeinsam etwas zu unternehmen. Man könnte also sagen: Früher bestand mein Wochenende hauptsächlich aus Fußball. Heute besteht es aus Familie, Fußball und gelegentlich Eishockey - wobei zwei kleine Damen inzwischen ziemlich erfolgreich darüber entscheiden, wie viel Platz die beiden letztgenannten Punkte im Terminkalender überhaupt noch bekommen.

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