Artikel vom 02.05.2020 18:00 Uhr
Von einer Mannschaft
als Fußballfamilie oder „mehr als nur elf Freunden“ ist nicht
nur in diesen Tagen oft die Rede. Die Damen der DJK Teuchatz füllen
diese Worte eindrucksvoll mit Taten und präsentieren in den sozialen
Medien ein Video, mit dem sie zwar nicht zwingend „Hoch“ hinaus
wollen, aber in jedem Fall zeigen, dass man zusammen nicht allein
ist…
Durch das
Lehramtsstudium im Bachelor-Master-System aktuell nicht wirklich
ausgelastet, widmete sich Eva Weiß in einem Moment der puren
Langeweile einer eher willkürlichen Internet-Recherche und stieß
dabei auf Videos, die unter dem Motto „meet my family“ standen.
Jeder Einzelne filmte sich dabei in einer witzigen Szene und winkte
zum Abschluss fröhlich in die Kamera. „Das fand ich einfach und
cool zugleich“, berichtet die 20-jährige Torhüterin der DJK
Teuchatz, die nach kurzer Rücksprache einen Aufruf in der
mannschaftsinternen WhatsApp-Gruppe startete und in den folgenden gut
zehn Tagen nicht weniger als 33 kurze Videos von Spielerinnen, dem
Trainer- und Betreuerteam, aber auch den treuesten Fans geschickt
bekam.
Eine kleine Idee
wird groß
Herausgekommen ist
das exakt fünfeinhalbminütige Epos „meet our team“, das
zunächst für den Eigengebrauch gedacht war. „Als so viel Geiles
dabei war, entstand der Vorschlag, unser gemeinsames Werk ins Netz zu
stellen“, berichtet die Initiatorin weiter, die auf den sozialen
Medien die üblichen Klickzahlen der DJK-Beiträge binnen kürzester
Zeit pulverisierte. Hinterlegt zu den passenden Klängen von Tim
Bendzko zeigte sich die DJK-Familie von ihrer kreativsten Seite.
„Auch wenn wir schon weit gekommen sind, wir gehen immer weiter
hoch hinaus“, gibt der einstige Nachwuchskicker der Eisernen des 1.
FC Union Berlin am Mikrofon zum Besten. „Das fand ich für uns sehr
treffend, weil wir auch immer unser Bestes geben, um unsere Ziele zu
erreichen“, bekräftigt Eva Weiß die stimmige Auswahl der
Soul-Ballade im Background zu den cineastischen Glanzleistungen der
BOL- und Kreisklassenkickerinnen der DJK Teuchatz.
Eva Weiß in ihrem ganz privaten "Blumenbeet", garniert mit ausrangierten Fußballschuhen und Torwarthandschuhen.
anpfiff.info
Schwester, eine
Infusion bitte!
Sie selbst
produzierte bei einem wagemutigen Stunt eine rasante Abfahrt mit dem
Bobbycar auf dem heimischen Dreckhaufen zunächst eine in der
veröffentlichen Version nicht mehr auftauchende „deleted scene“.
Als das eigene Blumenbeet ins Blickfeld geriet, war die oscarreife
Darstellung des ebenso geschmeidigen wie anmutigen Einpflanzens der
ausrangierten Fußballschuhe nebst Torwarthandschuhen im harmonischen
Einklang mit sprießenden Tulpenknospen schnell im Kasten. Davon
inspiriert, ließen sich die Mannschaftskameradinnen nicht lange
bitten. Die neuesten Beauty-Tipps gibt es in Form einer Gesichtsmaske
aus Sprühsahne unter anderem von Stephanie Vogel, während Magdalena
Bittel ein gemütliches Kühlschrank-Sit-In einschließlich
charmantem Lieferservice darbietet. Krankenpflegerin Amelie Diestler
gönnt ihrer ausgetrockneten Topfpflanze eine nahrhafte Infusion,
Laura Lämmleins Glück der Erde liegt beim Rückwärtsreiten auf dem
Rücken der Pferde und Franziska Stöcklein präsentiert trotz
wochenlanger Trainingspause einen perfekten Sixpack. An
Einfallsreichtum mangelte es den jungen Damen in keinster Weise, auch
wenn „manche fünf oder sechs Takes gedreht haben, bis sie mit dem
Ergebnis zufrieden waren“, wie Eva Weiß intime Einblicke in die
Produktion des Kassenschlagers gewährt. Mit einem unterhaltsamen
Highlight kann zweifelsohne Luisa Saffer aufwarten, die sich von
ihrem erlittenen Kreuzbandriss bestens erholt zeigt. Mit dem Wischmop
fegt sie Luftgitarre spielend in bester Tänzermanier den eigenen
Garten und sticht damit sogar Ralf Amschler aus, der sich in der
Badewanne eine erholsame Gurkenmaske gönnt. „Ich fand es total
schön, dass unser Trainer auch mitgemacht hat“, freut sich Eva
Weiß letztlich über alle Video-Artisten, die ihre kleine Idee groß
werden ließen.
Eine kleine Idee wird groß. In 5:30 Minuten trumpfen die Frauen der DJK Teuchatz groß auf.
Die mehr als
gelungene Abwechslung zum Trainingsalltag einer Amateurfußballerin,
der sich meist in einsamen Waldläufen auf dem hohen Jura oder
schweißtreibenden Workouts im heimischen Wohnzimmer ergießt,
schließt mit den Fanta Vier, die musikalisch mitteilen: „Es gibt
kein Ich in diesem Wir (…) denn nur zusammen ist man nicht allein“.
Das haben die Damen der DJK Teuchatz eindrucksvoll, unterhaltsam und
nachhaltig bewiesen und so bleibt ihnen, wie allen anderen Fußballern
und Nicht-Fußballern in diesen Tagen nur die Hoffnung, mit der auch
die Fanta Vier ihren Hit schließen: „Bisschen noch, bisschen noch,
bisschen noch“ - durchhalten und sich auf den Wiederbeginn auf dem
grünen Rasen freuen.