Artikel vom 30.03.2026 09:00 Uhr
Im Alter von 84 Jahren ist Karsten Wettberg verstorben.
Der bayerische Amateurfußball trauert um eine prägende Persönlichkeit. Karsten Wettberg ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Mit 51 Meisterschaften und Pokalsiegen gilt er als einer der erfolgreichsten Amateurtrainer Deutschlands. Sein Name steht für Leidenschaft, klare Worte und außergewöhnliche Konstanz über Jahrzehnte hinweg.
Der bayerische Amateurfußball verliert eine seiner größten Trainerpersönlichkeiten: Karsten Wettberg ist am 29. März 2026 im Alter von 84 Jahren verstorben. Mit ihm geht ein Mann, der den Fußball über Jahrzehnte hinweg geprägt und Spuren hinterlassen hat, die weit über einzelne Vereine hinausreichen.
Geboren am 10. November 1941 in Friesack bei Berlin, entwickelte sich Wettberg zu dem, was die Sport Bild einst als „erfolgreichsten Amateurtrainer Deutschlands“ bezeichnete. 51 Meisterschaften und Pokalsiege untermauern diesen Ruf eindrucksvoll. Acht bayerische Meistertitel, mehrere Aufstiege bis in die 2. Bundesliga sowie zahlreiche Pokalerfolge stehen für eine außergewöhnliche Karriere, die ihresgleichen sucht.
Auch beim Bananenflanken Budenzauber, wie hier im Jahr 2024, war Karsten Wettberg (vorn) als Trainer mit dabei.
Dirk Meier
Eine Karriere quer durch den Freistaat
Wettbergs Weg führte durch zahlreiche Vereine in Bayern. Ob in Mainburg, Ingolstadt, Landshut, Regensburg oder später bei der SpVgg Unterhaching, dem TSV 1860 München oder dem SV Seligenporten – überall hinterließ er seine Handschrift. Seine Teams zeichneten sich durch Disziplin, Klarheit und Zielstrebigkeit aus.
Unvergessen bleibt seine Zeit bei 1860 München Anfang der 90er-Jahre. Unter seiner Leitung gelang den „Löwen“ eine Serie von 54 Pflichtspielen ohne Niederlage – eine Marke, die bis heute herausragt. Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga wurde Wettberg auf dem Münchner Rathausbalkon gefeiert. Münchens damaliger Oberbürgermeister Georg Kronawitter prägte dabei den bis heute bekannten
Spitzname: „König von Giesing“.
Doch Wettberg war nie nur der Mann für große Bühnen. Er verkörperte den Amateurfußball in all seinen Facetten. „Wir sind alles Amateure“, sagte er einmal in einem Gespräch und brachte damit die Realität vieler Vereine auf den Punkt. Lange Anfahrten, kleine Kader und begrenzte Möglichkeiten – Wettberg kannte diese Herausforderungen und ging stets pragmatisch damit um.
Auch in Franken war Karsten Wettberg wie hier mit Ingolstadt beim FC Bamberg oft zu Gast,
Archiv Johannes Geyer
Klare Worte und große Leidenschaft
Der gebürtige Brandenburger war bekannt für seine direkte Art. Nach persönlichen Anfeindungen wie 2012 bei einem Spiel gegen Bayern Hof fand er klare Worte: „Das war unterhalb der Gürtellinie.“ Gleichzeitig blieb er stets ein Verfechter von Fairness und Respekt. „Da müssen wir fairer miteinander umgehen“, forderte er – eine Haltung, die ihn über seine gesamte Laufbahn begleitete.
Seine Arbeit war geprägt von Nähe zur Mannschaft und einem feinen Gespür für Entwicklung. Spieler profitierten von seiner Erfahrung und seiner klaren Kommunikation. „Mit jüngeren Leuten zu arbeiten, das hält mich fit“, sagte Wettberg einmal – ein Satz, der seine Leidenschaft für den Fußball treffend widerspiegelt. Legendär waren auch seine Mannschaftsbesprechungen und Pressekonferenzen wie einst in Seligenporten im kleinen Vereinsheim.
Francis Kioyo und Karsten Wettberg – zwei alte 1860er nach dem Spiel des SV Seligenporten gegen Bayreuth.
Andi Bär
Engagement über den Fußball hinaus
Neben seiner Trainerlaufbahn engagierte sich Wettberg auch gesellschaftlich und politisch. Als Mitglied des Kreistags Kelheim, in verschiedenen Ausschüssen sowie im Aufsichtsrat einer Klinik setzte er sich für den Sport und die Region ein. Für seine Verdienste wurde er unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz sowie der Bayerischen Verfassungsmedaille in Silber ausgezeichnet.
Auch nach seiner aktiven Trainerzeit blieb er dem Fußball eng verbunden – unter anderem als Scout für den TSV 1860 München und in verschiedenen Funktionen in Fördervereinen. Selbst im hohen Alter war er regelmäßig auf den Sportplätzen unterwegs.
Mit Karsten Wettberg verliert der bayerische Fußball eine prägende Figur, die wie kaum ein anderer für Kontinuität, Erfolg und Bodenständigkeit stand. Sein Name wird untrennbar mit dem Amateurfußball verbunden bleiben.