Artikel vom 16.05.2025 06:00 Uhr
Christian Will, Lukas Mirwald, Sascha Haupt und Matthias Will (v.li.n.re.) bilden das Trainerteam der neu gegründeten Frauen des SC Kemmern.
Manche verfügen über langjährige Erfahrung auch im höherklassigen
Frauenfußball, andere wagen gerade ihre ersten Schritte zwischen
Sechzehnmeterraum und Anstoßkreis. Doch eines eint die jungen Damen
in grün und weiß: Sie sind motiviert, zur kommenden Saison eine
Frauenfußballmannschaft im regulären Spielbetrieb zu etablieren. Im
zweiten Anlauf soll es nun endlich klappen!
Schließlich initiierte Julia Kraus vor knapp drei Jahren schon
einmal den Versuch, eine eigene Mannschaft beim SC Kemmern auf die
Beine zu stellen – und scheiterte an der geringen Beteiligung,
einem fehlenden Trainerteam und dem in der Breite mangelnden
Interesse ihrer Mitstreiterinnen. „Danach ist das Bestreben
vernachlässigt worden, doch spätestens seit dem Gaasbockreiten an
der letzten Kerwa ist die Idee neu entflammt“, berichtet Lina
Lindner, die bei der SpVgg Ebing bereits Landesliga-Luft schnupperte
und derzeit für Bezirksligist SV Walsdorf aufläuft.
Trainer-Quartett
Diesmal haben die
ebenso motivierten wie ambitionierten jungen Damen ihre Hausaufgaben
frühzeitig erledigt und präsentieren ein insgesamt vierköpfiges
Trainerteam. Hauptverantwortlich wird Matthias Will an der
Seitenlinie stehen, der einst selbst für seinen Heimatverein SCK
gegen das runde Leder trat und in den Jahren 2015 – 2023 die Frauen
der SpVgg Ebing 2 von der Kreisklasse bis in die Bezirksoberliga
führte. Ihm zur Seite stehen sein Neffe Christian Will und Lukas
Mirwald als Co-Trainer sowie der einstige Bayernliga-Keeper des SV
Memmelsdorf, Sascha Haupt, als Torwart-Trainer.
Lina Lindner ist eine der Initiatorinnen, die das Projekt Frauenfußball beim SC Kemmern vorantreiben.
Bernd Riemke
Von Null auf zwanzig
Betreuen darf das
engagierte Trainerteam einen Kader, der heterogener kaum sein – und
genau darin liegt die Herausforderung. Aus der ersten Begeisterung
beim gemütlichen Beisammensein anlässlich der Kemmerner Kerwa,
machten sich eine Handvoll ambitionierter Mädels auf den Weg, mit
ihrem Enthusiasmus weitere Spielerinnen anzustecken. Schon beim
ersten Training versammelten sich knapp zwanzig Akteurinnen zum
Pass-, Lauf- und Schussspiel. Von blutiger Anfängerin bis erfahrener
Kennerin der Materie, von jugendlicher Unbekümmertheit bis „zu
denen, die den Altersdurchschnitt ein wenig nach oben ziehen“, wie
es Lina Lindner herzlich formuliert. Die neu formierte
Frauen-Mannschaft des SC Kemmern ist „eine bunt gemischte Truppe“.
First things first
Eine Truppe, deren
Gründung im Verein auf reichlich Gegenliebe und ordentlich
Unterstützung stieß, wie Trainer Matthias Will betont. Schließlich
stammen die jungen Damen beinahe ausnahmslos aus der unmittelbaren
Umgebung und pflegen auch außerhalb der wöchentlichen
Trainingseinheiten einen freundschaftlichen und kameradschaftlichen
Umgang miteinander. „Spaß ist alles“, bringt es die 19-jährige
Frontfrau des SCK auf den Punkt und fährt im gleichen Atemzug fort:
„Wenn wir gut harmonieren und fleißig dazu gelernt haben, können
wir nach einigen Saisons auch über die weitere sportliche
Entwicklung sprechen“, so Lindner, die ganz bewusst jeden
Erfolgsdruck von ihren Newcomerinnen nehmen möchte.
Interessierte gern gesehen
In der bislang
95-jährigen Historie des SC Kemmern hat es schließlich noch nie
eine Frauenfußballmannschaft gegeben. Die Novizinnen in grün und
weiß sind indes Feuer und Flamme, dass ihr Auftreten nicht nur ein
Strohfeuer bleiben wird. Die ersten Schritte sind gegangen, die
offizielle Meldung zum Spielbetrieb das nächste große Ziel und für
dieses Unterfangen, freuen sich die ebenso euphorischen wie
ambitionierten Kickerinnen über weitere Mitstreiterinnen, die sich
gerne dem Team anschließen können. Kontakt ist via Instagram unter
sckemmern.damen möglich oder einfach direkt beim montäglichen
Training ab 19 Uhr auf der schmucken Anlage des SC Kemmern.
Matthias Will weiß, wie Frauenfußball geht, schließlich coachte er jahrelang erfolgreich die Frauen der SpVgg Ebing 2.
Bernd Riemke
Frauenfußball incoming
Dann wird bei der
kommenden Kerwa vielleicht nicht mehr nur das Gaasbockreiten zum
großen Spektakel, wenn die Kemmerner die Geschichte des Bauern und
des Händlers nachspielen, die auf dem Markt um einen Ziegenbock
feilschten, währenddessen dieser hinter dem Rücken der Streithähne
ausbüchste und das ganze Dorf in Aufruhr versetzte, ehe er seinem
vorbestimmten Schicksal doch nicht entgehen konnte. Denn dann jubeln
die Schaulustigen vielleicht eher frenetisch der ersten
Frauenmannschaft des SC Kemmern zu, die ohne Zweifel für eines
garantieren kann: eine gesunde Mischung aus sportlichem Ehrgeiz und
jeder Menge Freude am Spiel.