Artikel vom 26.09.2023 11:00 Uhr
276 Delegierte haben beim 4. Amateurfußball-Kongress des Deutschen Fußball-Bundes über die Zukunft des Fußballs an der Basis diskutiert.
276 Delegierte haben beim 4. Amateurfußball-Kongress des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) über die Zukunft des Fußballs an der Basis diskutiert. An den drei Kongresstagen auf dem DFB-Campus in Frankfurt am Main standen drei Themen besonders im Fokus: Spielbetrieb, Frauen- und Mädchenfußball sowie Vereine und Schiedsrichter*innen. Zu jedem Bereich wurden in Workshop-Phasen konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt.
Diese Handlungsempfehlungen erhielten die meisten Stimmen beim Kongress:
Spielbetrieb:
1. Flexibilisierung von Ordnungen und
Durchführungsbestimmungen (z.B. Anzahl der Ein-/Auswechslungen,
Zeitstrafen, Dauer von Sperren) und anschließend bundesweite
Harmonisierung durch DFB und Landesverbände,
2. Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs zur
Flexibilisierung des Spielbetriebs (z.B. Staffelgrößen,
Highlightspiele/Relegation) durch DFB und Landesverbände,
3. Schaffung von Rahmenbedingungen (u.a. mithilfe
digitaler Tools) zur Ligaeinteilung nach geografischen Aspekten (kreis-
und bezirksübergreifend).
Frauen- und Mädchenfußball:
1. Kooperation zwischen KITA/Schule und Verein: Benennung
einer verantwortlichen Person in den Landesverbänden, die Netzwerke zu
relevanten Institutionen (z.B. Landesschulbehörde) aufbaut und die
Vereine bei dem Aufbau einer Kooperation unterstützt (z.B. Leitfaden),
2. Flexibilisierung des Spielbetriebs durch die
Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs zur Umsetzung zielgruppengerechter
Angebote (z.B. Spielfeld- und Mannschaftsgröße) auf Basis einer
Status-quo-Analyse,
3. Strategische Förderung von weiblichen Ehrenamtlichen
auf allen Ebenen (DFB, LV, Kreise und Vereine).
Vereine und Schiedsrichter*innen:
1. Etablierung von Schiri-Beauftragten in den Vereinen und
Erstellung eines unterstützenden Leitfadens (Gewinnung und Betreuung der
eigenen Schiedsrichter*innen, Gastgeberrolle bei Heimspielen, Verankerung
der Person in den Vereinsvorstand, Beeinflussung des Zuschauer*innen- und
Elternverhaltens, Organisation des Platzordnungsdienstes),
2. Alternative Sanktionsmöglichkeiten: Umwidmung von
Strafen gegen Offizielle auf Spieler*innen, Punktabzug,
Anti-Gewalt-Training als Auflage, Besuch eines Lehrabends bei Respektlosigkeit
bzw. grober Unsportlichkeit,
3. Betonung der Vorbildfunktion des Profifußballs durch
eine Kampagne von DFB und DFL für mehr Respekt im Fußball,
4. Perspektivwechsel mithilfe eines Austauschformats
zwischen Schiris, Vereinen und Sportgerichten, einer Regelkundeschulung
und Workshops in den Vereinen.
Alle Handlungsempfehlungen zum Thema „Vereine und
Schiedsrichter*innen” im Überblick.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagt: „Der
Amateurfußball-Kongress hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, ins
Gespräch zu kommen, sich auf Augenhöhe auszutauschen und zuzuhören. Nur
wer die Gedanken der Ehrenamtlichen an der Basis kennt, ihre Pläne und
ihre Sorgen, kann sich auch angemessen für sie einsetzen. Das macht
dieses Format so besonders und so wertvoll. Um den Amateurfußball für die
Zukunft aufzustellen, braucht es Engagement, Ideen und Kreativität –
damit Fußballzeit auch weiterhin die beste Zeit bleibt.“
Peter Frymuth, DFB-Vizepräsident Spielbetrieb und
Fußballentwicklung und Leiter der Steuerungsgruppe Amateurfußball, sagt:
„Der Abschluss des Amateurfußball-Kongresses markiert für uns zugleich
einen Anfang. Jetzt geht es darum, die beim Kongress entwickelten
Handlungsempfehlungen in der Steuerungsgruppe im Austausch mit Verbänden,
Vereinen und ihren Vertreter*innen mit Leben zu füllen und so den
Amateurfußball weiterzuentwickeln. Dazu haben wir von der Basis den
klaren Auftrag bekommen. Die Leidenschaft zu erleben, mit der sich in
Frankfurt so viele Menschen eingebracht haben, war großartig. Sie ist uns
ein Antrieb, den Weg der Beteiligung konsequent weiterzugehen.“
Auf Basis der priorisierten Handlungsempfehlungen des
Kongresses koordiniert die Steuerungsgruppe Amateurfußball nun die
weiteren Arbeitsprozesse. In vertiefender und enger Einbindung der
verschiedenen Fachbereiche der Fußballorganisation, aber auch der
Kongressteilnehmer*innen, werden Maßnahmen zur Ergänzung des laufenden
„Masterplans Amateurfußball“ entwickelt. Diese werden dem DFB-Vorstand
zum Beschluss vorgelegt und sollen anschließend bundesweit umgesetzt
werden.
Der neue DFB-Bundestrainer Julian Nagelsmann und DFB-Präsident Bernd Neuendorf beim Amateurfußball-Kongress 2023 in Frankfurt.
Getty Images/DFB
Einer der ersten Programmpunkte des Kongresses war der
Besuch des neuen Bundestrainers Julian Nagelsmann, der gemeinsam mit
Bernd Neuendorf und Sportdirektor Rudi Völler bei einem Talk Einblicke in
seine Anfänge im Amateurfußball gab. „Dass der neue Bundestrainer quasi
als erste Amtshandlung bei unserem Kongress auftritt, war ein tolles
Zeichen der Wertschätzung“, sagt Frymuth. Zum Abschluss der Veranstaltung
äußerten sich der neue Geschäftsführer Sport, Andreas Rettig, und
DFB-Generalsekretärin Heike Ullrich unter anderem zu den Reformen im
Kinderfußball und zur EURO 2024.
BFV-Präsident Christoph Kern: "Ergebnisse in konkrete Maßnahmen umsetzen"
„Es war ein sehr intensiver und fruchtbarer Austausch, in den sich unsere bayerischen Teilnehmer*innen mit ihrem Know-how gewinnbringend eingebracht haben. Es freut mich, dass das Feedback unserer Vereinsvertreter*innen durchweg positiv war. Nun kommt es darauf an, dass wir die Ergebnisse in konkreten Maßnahmen umsetzen, die wirklich eine Wirkung erzielen“, erklärte BFV-Präsident Christoph Kern, der die 15-köpfige bayerische Delegation anführte.
BFV-Geschäftsführer Jürgen Igelspacher ergänzte: „Der Kongress war sehr gut strukturiert. Wir haben wichtige Impulse für unsere Verbandsarbeit mitgenommen. Die in Frankfurt identifizierten Themen werden wir jetzt in unsere erfolgreiche Kampagne Pro Amateurfußball einfließen lassen.“
Auch Alara Sagiroglu (Spielleiterin Frauen beim FSV Erlangen-Bruck), die als eine von sechs bayerischen Vereinsvertretern am Kongress teilnahm, war beeindruckt. „Die Atmosphäre in Frankfurt war einzigartig. Der Kongress war perfekt organisiert, auch weil neben den spannenden Diskussionsrunden und Gesprächen in den Gruppen auch genügend Zeit blieb, um sich mit den Teilnehmerinnen aus Vereinen aus ganz Deutschland und aus anderen Regional- und Landesverbänden ganz ungezwungen über Themen rund um den Amateurfußball auszutauschen.“