Artikel veröffentlicht am 27.10.2021 um 06:00 Uhr
Buchverlosung: Benjamin Hofmann deckt auf
Illegale Weitergabe von Mitgliederdaten, Verbindungen von Vereinsfunktionären zu Investoren, Machtspiele und Intrigen. Der ehemalige anpfiff-Redakteur Benjamin Hofmann und heutige Kicker-Redakteur hat dubiose Verstrickungen beim VfB Stuttgart aufgedeckt und  in einem Buch veröffentlicht. Wir verlosen hier ein signiertes Exemplar.
Von Christian Fiedler
Herr Hofmann, im Frühjahr 2019 deckten Sie Unstimmigkeiten um den damaligen VfB-Präsidenten Wolfgang Dietrich auf. Was stand damals im Zentrum Ihrer Recherche?
Benjamin Hofmann: Die Tatsache, dass er auch als Präsident des VfB noch immer indirekt an einem Fonds mitverdienen konnte, der in der Zweitliga-Saison 2016/17 Geld in direkte Konkurrenten der Stuttgarter wie Union Berlin, den 1. FC Kaiserslautern oder den 1. FC Heidenheim investiert hatte. Vor seiner Wahl im Oktober 2016 hieß es, Dietrich werde sich von seinen Anteilen trennen. Das galt aber nur für die Muttergesellschaft und nicht für eine Firma, die mittelbar von der Entwicklung des Fonds profitierte. Kurioserweise traf der VfB dann im Mai 2019 in der Relegation auch noch auf Union. Das Ende ist bekannt.

Sie haben auch die sogenannte „Datenaffäre“ offengelegt. Wie lautet Ihr Vorwurf an die Verantwortlichen?
Benjamin Hofmann: Die Handelnden haben Daten an Dritte weitergegeben mit dem Zweck, die Mitglieder pro Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft zu beeinflussen. Auf gut Deutsch: Die Mitglieder sollten mit unlauteren Mitteln verarscht werden. Dass der VfB im Nachgang mit einer milden Geldbuße von 300.000 Euro davonkam lag daran, dass drei von vier ominösen E-Mails mit Daten 2016 und 2017 versandt wurden, also vor Einführung der sehr strengen DSGVO im Mai 2018.

Welche Folgen hatten diese Entwicklungen auf das emotionale Verhältnis zwischen Fans, Vereinsführung und Spielern während der letzten Jahre?
Benjamin Hofmann: Der Verein wirkt seit Anfang der 2010er Jahre zunehmend gespalten. Die Wahlen von Dietrichs Vor-Vorgänger Gerd Mäuser und Dietrich selbst – beide trotz fehlender Gegenkandidaten denkbar knapp – haben die Gräben vergrößert. Zwischen einem Teil der Mitglieder und der früheren Klubführung ist eine emotionale Entfremdung entstanden. Dabei geht es im deutschen Profi-Fußball, Stichwort 50+1-Regel, eben auch um Teilhabe, anders als etwa in England. Die Spieler selbst, so glaube ich, bekommen diese Grabenkämpfe kaum mit. Wobei sie schon merken, wenn die Stimmung wegen vereinspolitischer Kontroversen aufgeheizt ist. Dann kommen im Zweifelsfall mehr und vehementere Pfiffe von den Rängen im Misserfolg.

Wie geht man als Journalist vor, um solche Machenschaften aufzudecken? Welche Informationsquellen nutzen Sie dafür?
Benjamin Hofmann: Das ist sehr unterschiedlich. Quellen Vertrauen zu geben und dies auch gegen alle Widerstände zu garantieren ist das A und O. Natürlich muss man auch aufpassen, sich nicht instrumentalisieren zu lassen. Da hilft es, etwaige Motive von Informanten abzuklopfen. Bei der Recherche zu dem Fonds war das allerdings gar nicht so sehr wichtig, weil ich auf Unterlagen aus dem luxemburgischen Firmen- und dem deutschen Handelsregister zugreifen konnte. Viele Sachverhalte waren da Schwarz auf Weiß dokumentiert, wenngleich meistens in schwer zu durchdringendem „Finanz-Englisch“ (lacht).

Benjamin Hofmann stellt in 22 Sekunden den Inhalt seines neuen Buches vor: "Es geht um die schmutzige Seite im schönen Spiel Fußball."

Warum haben Sie sich entschieden, Ihre Recherchen in einem Buch zu veröffentlichen? Wären digitale Kanäle oder Social Media nicht wirkungsvollere Mittel, um Missstände in den Fokus bringen?
Benjamin Hofmann: Die Recherchen sind ja alle bereits im kicker und bei kicker-online publiziert worden. Das Buch beleuchtet vielmehr den Niedergang des VfB von der Meisterschaft 2007 bis hin zu den zwei Abstiegen 2016 und 2019. Rund um die Aufklärung der Datenaffäre entbrannte im Dezember 2020 ein öffentlicher Streit zwischen dem Boss der VfB-AG, Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger, und dem gewählten e.V.-Präsidenten, Claus Vogt. Weil sich dieser über Wochen nicht beruhigte, entstand die Idee, anhand der Affären und Skandälchen in Stuttgart diese Negativentwicklung auch mal von der wirtschaftlichen und sportpolitischen Seite aus zu beleuchten. Meist liegt der mediale Fokus rein auf dem sportlichen Geschehen. Das halte ich nicht immer für hilfreich.

Warum?
Benjamin Hofmann: Weil Management nicht beim Scouting beginnt und Mitgliederpflege nicht bei möglichst billigen Ticketpreisen. Die sportliche Entwicklung hängt langfristig immer mit wirtschaftlichen Entscheidungen zusammen. Wenn Finanz-, Marketing- oder Kommunikationsabteilungen nicht gut arbeiten, wirkt sich das irgendwann zwangsläufig auf den Sport aus. Meistens müssen bei einer Talfahrt die Sportvorstände oder Trainer gehen, das Problem liegt aber in aller Regel tiefer.

Ihr Buch trägt den Titel „Kurve oder Kapital?“ Gibt es einen Weg, beides zu vereinen oder sind dies unvereinbare Gegensätze?
Benjamin Hofmann: Klubs wie Eintracht Frankfurt oder Borussia Mönchengladbach haben vorgemacht, dass beide Seiten voneinander profitieren können. Das braucht aber einen ehrlichen Dialog und echte Kompromissbereitschaft. In Stuttgart ist nun eine spannende Konstellation entstanden. Die Mitglieder wirken ausgesöhnt. Leider hat Thomas Hitzlsperger erklärt, dass seine Aufgabe spätestens im Oktober 2022 vorbei sein wird. Ich denke, er und Claus Vogt hätten, obwohl sie sicher nicht mehr beste Freunde werden, gute Voraussetzungen gehabt, um den VfB in eine stabile Zukunft zu führen. Nun bin ich gespannt, wer auf Hitzlsperger folgt.

Sagen Sie uns noch, was Ihr Buch auch für Anhänger anderer Fußball-Clubs außerhalb der Schwabenmetropole lesenswert macht?
Benjamin Hofmann: Machtkämpfe, Eitelkeiten, Misswirtschaft und Unsauberes gibt es in vielen Klubs. Vielleicht nicht in gleicher Ausprägung, wie das in Stuttgart der Fall war. Wenn jemand auch nach der Lektüre von der Sauberkeit seines Vereins zu 100 Prozent überzeugt ist, dann hat er im Zweifel einen hoffentlich unterhaltsamen Wirtschaftskrimi gelesen, der auf wahren Tatsachen beruht (lächelt).

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Steckbrief B. Hofmann

Benjamin Hofmann
Spitzname
Benni
Alter
38
Geburtsort
Bamberg
Wohnort
Frankfurt/Sachsenhausen
Familie
verheiratet, 2 Kinder
Nation
Deutschland
Größe
172 cm
Gewicht
80 kg
Beruf
Zeitschriften-Redakteur
Hobbies
Tauchen, Kontakt nach Bamberg halten, Sebastian Linz ausbremsen


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