Artikel veröffentlicht am 18.04.2020 um 14:00 Uhr
Umfrage der Universität Würzburg: Saisonende bevorzugt - Stellungnahme BFV
UPDATE In einer Online-Befragung der Universität Würzburg bei über 1.000 Vereinsmitgliedern aus Bayern zeigen sich finanzielle Nöte der Vereine, der Wunsch nach einem Neustart der bestehenden Saison und eine hohe Zufriedenheit mit der Kommunikation des Bayerischen Fußball-Verbands. Mittlerweile hat der Verband auf die Umfrage reagiert und anpfiff.info eine Stellungnahme geschickt.
Von Pressemitteilung Universität Würzburg
Umfrage der Universität Würzburg

In ganz Deutschland steht der Sportbetrieb still. Sportplätze sind gesperrt, Ligaspiele und Training finden nicht statt. Welche Auswirkungen dieser sog. Shutdown aufgrund der Corona-Pandemie auf Vereine hat, untersucht eine aktuelle Studie des Nachwuchsförderzentrums der Universität Würzburg bei bayerischen Fußball-Clubs. Drei Fragen stehen dabei im Vordergrund. Wie steht es um die finanzielle Lage der Vereine, wie soll der Spielbetrieb weiter gehen und wie nimmt die Basis ihren Dachverband wahr.

Vereine mit Informationskampagne des Verbands zufrieden

Dabei kommt die gute Nachricht zuerst. Die Vereine sind zu großen Teilen zufrieden mit der Informationspolitik des Bayerischen Fußball-Verbands. Weniger als zwei Prozent kennen die Mitteilungen des Verbands nicht und drei Viertel der Vereine finden die Mitteilungen des Verbands informativ. Auch die direkte Kommunikation mit den Vereinen wird positiv erlebt. Zwei Drittel stellen dem BFV ein gutes Zeugnis aus.

Vier von zehn Vereinen sehen Finanzen kritisch


Weniger gut sind die Neuigkeiten im finanziellen Bereich. Zehn Prozent sehen die finanzielle Lage ihres Vereins sehr kritisch, weitere dreißig Prozent sehen sie als kritisch an. Eine Insolvenz halten knapp 16 Prozent zumindest für möglich. „Die Vereine sind hier verunsichert, denn sie können noch nicht abschätzen, was letztlich passieren wird“, fasst Studienleiter Heinz Reinders zusammen. Er ist wissenschaftlicher Direktor des Nachwuchsförderzentrums und Inhaber des Lehrstuhls Empirische Bildungsforschung an der Universität Würzburg. „Die Liquidität ist bei den Vereinen ein wichtiges Thema, das für sie von der Zukunft abhängt“.

Sofortiges Saisonende bevorzugt

Und diese Zukunft sehen die meisten Vereine darin, die aktuelle Saison für beendet zu erklären und in der kommenden Spielzeit neu anzusetzen. Knapp zwei Drittel der Befragten favorisieren diese Lösung, eine Fortsetzung der Spielzeit auch mit Geisterspielen kann sich nur jeder zehnte Verein vorstellen. „Das hat was mit den Finanzen zu tun“, erläutert Reinders den Befund. „Bei einem Neustart der Liga erwarten die Vereine die geringsten finanziellen Einbußen“. Zwar fänden das die Aufsteiger nicht die optimale Lösung, aber klagen würden sie deshalb dennoch wohl kaum.

Heinz Reinders
anpfiff.info
Kein Grund zur Klage

Drei von vier Vereinen sehen keinen Grund für eine Klage gegen eine Verbandsentscheidung, es sei denn, es würde eine bestehende Tabellensituation festgeschrieben. Vor allem wenn die letzte gültige Tabelle Verwendung finden sollte, erwägen zehn Prozent der Vereine rechtliche Schritte. „Wenn es juristische Folgen geben könnte, dann kommen die Klagen in einem solchen Szenario eher von den Absteigern“, so Reinders. Denn die vom Abstieg bedrohten Vereine fühlten sich bei Festschreibung durch die Hinrundentabelle um die Chance betrogen, in der Rückrunde noch das Ruder herumzureißen.

Download der Studie

Stellungnahme des BFV durch Reinhold Baier, Vizepräsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV)

Reinhold Baier
anpfiff.info
Ohne jede Aussagekraft! Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) reagiert mit klaren Worten auf das Ergebnis der Kernfrage einer von der Universität Würzburg an diesem Samstag veröffentlichen Umfrage zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den Amateurfußball im Freistaat. Dabei kommt die Erhebung bei der Frage nach dem Umgang mit der aktuell unterbrochenen Spielzeit zu dem haltlosen Ergebnis, dass rund 64 Prozent der etwa 1000 Umfrageteilnehmer für einen Saisonabbruch und eine Wiederholung plädieren.

Wer sich die Fragestellung angesehen hat, wird nicht im Ansatz überrascht sein, dass dieses Ergebnis bei der Kernfrage zum Vorschein kommt“, sagt der für Rechtsfragen zuständige BFV-Vizepräsident Reinhold Baier: „Denn die Uni Würzburg hatte in ihrem Fragebogen zur Antwort, ob die Saison fortgesetzt werden solle, auch mit angeführt, dass dies mit Geisterspielen geschehen könne. Von daher ist schon die Fragestellung sachlich nachweislich falsch und entzieht ihr damit jede Grundlage. Hier wird etwas zur Abfrage gestellt, was schlicht und ergreifend ausgeschlossen ist.“ Denn Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatten die bayerischen Klubs und der Verband bereits längst eine klare Absage erteilt und dies auch hinlänglich öffentlich kundgetan.

Der BFV-Vorstand stellt noch bis zum Sonntagabend allen Vereinen in ganz Bayern in Videokonferenzen ein Modell für die Fortführung des aktuell aufgrund der Covid-19-Pandemie ausgesetzten Spielbetriebs vor, das dem Wunsch nach Planungssicherheit gerecht wird, gleichzeitig aber auch größtmögliche Flexibilität für den Verband gewährleistet, rechtliche Sicherheit in Bezug auf Haftungsfragen bietet und einem fairen Wettbewerb Rechnung trägt. Der einstimmig getroffene Vorschlag des BFV-Vorstandes sieht vor, den kompletten Spielbetrieb bei Frauen und Männern, Juniorinnen und Junioren im Freistaat generell bis zum 31. August 2020 weiter auszusetzen, die Saison 2019/20 danach fortzusetzen und in jedem Fall regulär zu beenden. Was die Fortsetzung im Nachwuchsbereich angeht, müsse man differenzierter vorgehen, so BFV-Präsident Koch. Bis Sonntagabend können die Vereine online über das vorgeschlagene Modell abstimmen und zu einem Meinungsbild beitragen.

Aller Voraussicht nach wird der BFV-Vorstand am kommenden Mittwoch tagen und auch vor dem Hintergrund der Ergebnisse zum Meinungsbild der Vereine eine Entscheidung treffen. Für den Fall, so Koch, dass der Vorschlag des BFV-Vorstands keine Mehrheit erhält, würde das sehr wahrscheinlich einen Außerordentlichen Verbandstag zur Konsequenz haben.

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Daten SC Würzburg Heuchelhof

SC Würzburg Heuchelhof
Gründung: 1974
Farben: Orange-Türkis
Abteilungen: Fußball, Ju-Jutsu, Volleyball, Tischtennis, Turnen, Gymnastik.


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