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Artikel veröffentlicht am 09.12.2019 um 12:00 Uhr
Der Relegationsheld ist zurück: "China ist schon etwas anderes als Schweinfurt"
Es war im Sommer 2016, als Sebastian Hartmann seine Dürrfelder mit drei Toren in der Relegation in die Kreisklasse schoss. Kurz darauf ging er aus beruflichen Gründen nach China. Nach drei Jahren in Asien, kehrt er jetzt wieder zu seinem Stammverein zurück. Im Porträt erzählt er, wie er dem Fußball im Ausland treu bleiben konnte, was er alles erlebt hat und ob das chinesische Bier mit dem fränkischen mithalten kann.
Von Sebastian Pflaum
Wir schreiben den 27. Mai 2016. Auf dem Sportgelände der DJK Stadelschwarzach findet das Relegationsspiel zwischen der SG Castell/Wiesenbronn und der SG Dürrfeld/Obereuerheim statt. Der Sieger ist Kreisklassist. Es entwickelt sich ein waschechter Krimi, der bis in die Verlängerung geht. Und einer sticht dabei besonders heraus: Sebastian Hartmann. Am Ende ist vor allem er es, der seine Dürrfelder eine Liga höher schießt. Neben dem 1:0 und dem 2:0 gelingt ihm in der 114. Minute noch das 3:2 für seine Jungs, welches die Zeichen auf Aufstieg setzte. Das Spiel endet letztlich mit 4:2, die SG Dürrfeld/Obereuerheim jubelt.

Dreierpack als Abschiedsgeschenk

Sebastian Hartmann
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Für Sebastian Hartmann bedeutete dieser Dreierpack im Entscheidungsspiel so eine Art Abschiedsgeschenk für seine Mannschaft, denn nur kurz nachdem alle Aufstiegsfeierlichkeiten vorüber waren, ging es für den Automobilzulieferer der Firma Schaeffler aus beruflichen Gründen ins Ausland nach China. Gelandet ist er dort in Taicang – eine Stadt rund 40 Kilometer nördlich der Metropole Shanghai mit ungefähr einer Million Einwohnern. „Gefühlt ist dort aber nur ähnlich viel los, wie in Schweinfurt“, scherzt der 30-Jährige.

Wenn man schon mal im fernen Ausland ist, dann unternimmt man dort natürlich auch regelmäßig Ausflüge, um die Region zu erkunden. Auch Sebastian Hartmann ist in seiner Zeit in China sehr viel umhergereist und hat Peking, die Chinesische Mauer und den Yangtse-Fluss erkundet. Schnell, so sagt er, habe er viele neue Freunde kennengelernt und sich nebenbei auch noch etwas chinesisch angeeignet.

Fußballspielen mit Ausblick - hat was!
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Von WhatsApp-Gruppen und schlaflosen Fußballnächten

„Auf die Distanz ist es natürlich schwer, in der Heimat am Ball zu bleiben“, gibt Sebastian Hartmann zu, wenn er den Fußball der SG Dürrfeld/Obereuerheim und auch die Bundesliga meint. Hilfreich sei es da, nach wie vor in sämtlichen WhatsApp-Gruppen Mitglied zu sein oder die eine oder andere App auf dem Handy installiert zu haben. Die Bundesliga läuft in China sogar im Free-TV, wie Hartmann erfreut feststellen konnte: „Grundsätzlich sind die Chinesen mittlerweile auch relativ fußballverrückt. Gerade die europäischen Ligen interessieren sie sehr, was man daran merkt, dass immerhin ein bis zwei Bundesligaspiele pro Wochenende für alle übertragen werden“, erzählt er.

Ein großes Problem, so muss er gestehen, gab es beim Gucken von europäischen Fußballspielen jedoch stets: Die Zeitverschiebung. Taicang ist Schweinfurt um sieben Stunden voraus, sodass sich die Anstoßzeiten teilweise mitten in die Nacht verschieben. „Das ist bei einem Bundesligasamstag noch okay“, findet Hartmann. „Doch bei der Champions League unter der Woche bedeutet dies: Um halb vier in der Nacht aufstehen.“

Von Schaeffler-Elf und FC International


Schon kurz nach seiner Ankunft in China, wurde Sebastian Hartmann Teil des Schaeffler-Teams, das mit Ausnahme von einem Franzosen ausschließlich aus chinesischen Firmenmitarbeitern bestand. Ein asiatischer Mitarbeiter war es demnach auch, der den damals 27-Jährigen überhaupt erst in Verbindung mit der Mannschaft brachte, als er erkannte, dass Hartmann ein fußballverrückter Zeitgenosse ist.

„Vielleicht hat sich mein Relegationsspiel ja bis nach China rumgesprochen“, spekuliert dieser scherzhaft. Gut ein halbes Jahr kickte der Dürrfelder folglich für das Schaeffler-Team, ehe er zum FC International wechselte. Seine Mannschaftskollegen kamen nun nicht mehr überwiegend aus China oder Asien, sondern unter anderem aus Russland, Frankreich, England, Gabun und eben aus Deutschland.

2019 gelang der Elf von Sebastian Hartmann der Pokalsieg im sogenannten League Cup.
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Liga sehr professionell aufgezogen

Bei der Liga dort handelt es sich überwiegend um eine Zusammenstellung aus Mannschaften, die von Firmen gestellt werden. Genannt wird diese Liga die „TCL“ – die Taicang League. Fußballerisch, so findet Sebastian Hartmann, bewege man sich dort auf A- bis B-Klassen-Niveau, wenngleich alles sehr professionell aufgezogen wird. „Es gibt Schiedsrichter, Linienrichter, Videoaufzeichnungen der Spiele und eine Homepage mit Ergebnissen und Statistiken. Manche Spieler haben sogar Geld bekommen“, verrät Hartmann.

Sportlich lief es zuletzt gar nicht so schlecht für den FC International. Ein zweiter und ein dritter Rang sind der Mannschaft von Sebastian Hartmann in den letzten zwei Jahren gelungen. Ein Aufstieg blieb jedoch aus. Zum Zeitpunkt seiner Abreise steht der FC International einmal mehr gut da, nämlich auf Rang zwei zur Winterpause. „Mal schauen was da noch geht“, ist Hartmann gespannt. „Vielleicht kann ich ja nächstes Jahr zur Meisterfeier nach China fliegen – oder zum Relegationsspiel“, amüsiert er sich weiter.

Von vielen Menschen und mittelmäßigem Bier

Drei Jahre China, das ist eine lange Zeit. Klar, dass man da die Heimat hin und wieder vermisst. „Gerade die Familie, die Freunde und die Fußballkollegen“, gibt Hartmann zu. Sein Glück war es, so sagt er, dass er im Ausland schnell Anschluss gefunden habe. „Mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern ist China schon etwas ganz anderes, als Schweinfurt“, lacht er. „Aber nach einer gewissen Zeit kommt man dann doch irgendwie zu Recht.“

Wer als Biertrinker den fränkischen Raum verlässt, der weiß: Außerhalb der Heimat bekommt man häufig nicht das, was man zu Hause bekommt – so auch in China. Auf ein gutes Bier musste Sebastian Hartmann oft verzichten, vor allem natürlich auf das fränkische. „Die Chinesen trinken häufig nur Light-Bier. Das kann man trinken, ist aber natürlich nichts im Vergleich zu einem guten Pils“, analysiert er. Immerhin: Es gab die eine oder andere europäische Kneipe in Taicang, in der man Heineken oder Tiger-Bier bekommen hat.

Die letzte Auswechslung von Sebastian Hartmann beim FC International.
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Von der Freude, wieder hier zu sein

Die Zeit in China ist nun vorbei. Sebastian Hartmann ist wieder zurückgekehrt ins Frankenland und wird schon in der Rückrunde wieder für seine SG Dürrfeld/Obereuerheim auf dem Platz stehen. So viel verändert hat sich seit Sommer 2016 eigentlich gar nicht für den einstigen Relegationshelden, wie er erzählt: „Im Vergleich zu dem Wandel, der in China stattfindet, sind die Veränderungen hier doch eher beschaulich. Und letztlich konnte ich vieles in China auch tun. Von daher habe ich jetzt nicht so etwas wie eine To-Do-Liste mit den Dingen, die ich zurück in Deutschland machen möchte.“

Dennoch ist eines klar, zu Hause ist es immer noch am schönsten: Es ist toll, wieder in der fränkischen Heimat zu sein. Ich freue mich auf mehr Ruhe, weniger Menschenmassen, eine saubere Luft und einen angenehmen Sommer in Deutschland.“

In diesem Sinne: Willkommen zurück!

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Sebastian Hartmann in China



Daten DJK Dürrfeld

DJK Dürrfeld
Gründung: 1929
Mitglieder: 300
Farben: Blau-weiß
Abteilungen: Fußball, Korbball, Tischtennis, Gymnastik

Steckbrief S. Hartmann

Sebastian Hartmann
Alter
30
Nation
Deutschland
Beruf
Automobilzulieferer

Karriere in Zahlen S. Hartmann

Spiele
84
Spiele gewonnen
42
Spiele unentschieden
17
Spiele verloren
25
Tore gesamt
21
Vereine
2
Aufstiege
2
Abstiege
2

Sebastian Hartmanns Auftakt

So. 22.03.2020 15:00 Uhr
So. 29.03.2020 15:00 Uhr
H - SC Koppenwind (6.)
So. 05.04.2020 15:00 Uhr
A - FC Augsfeld (1.)
Sa. 11.04.2020 16:00 Uhr
So. 19.04.2020 15:00 Uhr
A - VfR Kirchlauter (13.)
In Klammern aktuelle Tabellenplatzierung

Tabelle A-Klasse 5 Schweinfurt

Pl.
Team
Sp
Tore
Pkt
1
14
53:5
38
3
15
50:23
32
4
15
30:18
23
6
14
32:36
19
7
13
21:31
19
8
14
23:41
15
9
13
30:31
14
13
13
16:66
6
Direkter Vergleich bei Punktgleichheit

Hintergründe & Fakten


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