Artikel veröffentlicht am 12.02.2020 um 07:00 Uhr
Felix Magath im Interview: Mit Würzburg zurück in die zweite Liga
Seit dem 20. Januar hat Felix Magath ein Auge auf das Geschehen bei den Würzburger Kickers. Als Chef von Flyeralarm Global Soccer wird er künftig die sportlichen Belange bei den Rothosen mitbestimmen und gestalten. Am Montag lud der gebürtige Aschaffenburger zu einer kleinen Presserunde im PK-Raum in der Flyeralarm Alarm Arena. Der 66-Jährige gab sich dabei nahbar, meinungsstark und gewohnt leidenschaftlich.
Von Steffen Krapf
Herr Magath, vor drei Wochen wurden Sie als Chef von Flyeralarm Global Soccer vorgestellt und sind unter anderem für die sportlichen Belangen bei den Würzburger Kickers mitverantwortlich. Haben Sie sich schon ein Bild von der Lage am Dalle gemacht?
Felix Magath: Ein Bild können Sie nie nach einem Detail beurteilen. Wenn Sie ein tolles Bild sehen, werden sie feststellen, dass dort jeder einzelne Pinselstrich korrekt und sauber gemacht wurde. Wenn die einzelnen Details nicht so sauber und korrekt gemalt wurden, garantiere ich ihnen, macht das Gesamtbild auch keinen guten Eindruck. Und jetzt schon das Gesamtbild bei den Würzburger Kickers exakt zu beurteilen, wäre nach dieser kurzen Zeit nicht korrekt. Zwar bin ich schon mein Leben lang in diesem schnelllebigen Geschäft dabei, aber man muss nicht auch überall sofort der Schnellste sein. Vor allem nicht in der Beurteilung. Ich würde mich momentan noch nicht wagen zu beurteilen, was hier gut und nicht so gut läuft.

Wie lange wird es voraussichtlich dauern, bis Sie sich einen Überblick verschafft haben?
Felix Magath: Wahrscheinlich wird das bis Sommer andauern. Wobei der Unterschied zwischen einem gemalten Bild und einem Fußballverein der ist, dass sich ein Fußballverein im Grunde minütlich, stündlich und täglich verändert. Es ist immer etwas los, irgendwas verändert sich immer – und jede Entscheidung verändert auch das Gesamtbild. Es braucht noch etwas Zeit, bis ich mir sicher bin, welcher Strich im Bild vielleicht besser weg muss, welcher noch einmal neu gemacht werden muss oder wo noch ein neuer hinzukommen soll. 

Hat gut lachen: Felix Magath, Chef von Flyeralarm Global Soccer.
Alexander Rausch

Ein wichtiger Teil im Bild eines Fußballklubs ist der Trainer. Der Vertrag von Michael Schiele läuft aus. Wird es mit ihm auch über die Saison hinaus weitergehen?

Felix Magath: Es steht doch grundsätzlich außer Frage, dass ein Trainer in einem Fußballverein ein ganz wichtiger Teil des Bildes darstellt. Er ist ja auch der sportlich Verantwortliche, der ständig den Kopf hinhalten muss. Wir hatten jetzt einen guten Start in die letzte Phase der Saison. Das ist Michael Schiele zu verdanken, der hier gute Arbeit leistet. Damit sind wir im Verein zufrieden. Es gibt aber keine Notwendigkeit jetzt schnell irgendetwas entscheiden zu müssen. Es steht übrigens auch gar nicht in meiner Macht einfach zu sagen „der Trainer kriegt heute einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag“ oder „den schmeißen wir raus“. Sie können sich aber sicher sein, dass zu gegebener Zeit Gespräche geführt und die Verantwortlichen zu einer Entscheidung kommen werden. 

Sie haben in den letzten Jahren oft moniert, die Trainer hätten einen schlechten Stand in den Vereinen und meist zu wenig Macht. Wie wird die Rolle des Trainers künftig bei den Kickers interpretiert?
Felix Magath: Den VfL Wolfsburg habe ich damals als Vorstand, Sportdirektor und Trainer in Personalunion zur Deutschen Meisterschaft geführt. Das hat funktioniert. Und wer ist heute ganz oben? Der FC Liverpool – mit einem Trainer der alle sportlichen Entscheidungen trifft. Aber nur der Verein kann entscheiden, ob er einem Trainer die Kraft gibt – oder sie ihm nimmt. Zu meiner Anfangszeit beim FC Schalke 04 wurde permanent kolportiert und in den Medien spekuliert, der Verein stünde finanziell ganz schlecht dar, wäre pleite. Da konnte ich agieren, habe von Allen tatkräftige Unterstützung erfahren und führte so den Verein als Vize-Meister in die Champions League. Kaum spielten wir in der Königsklasse, hieß es dann auf einmal, dass ich alles schlecht mache. Und genau solche eine Situation wird es hier nicht geben. So etwas kommt mir nie in die Tüte. Die Kickers müssen stabil sein und die Stärke haben, dass die Macht vom Klub verteilt wird - zu dem der sie vertrauensvoll ausführt.

Es gibt einige weitere Punkte, die sie in den letzten Jahren öffentlich vehement kritisiert haben. Ist ihr Engagement bei Flyeralarm die Chance, es allen zu zeigen, dass Vereine mit ihren Methoden immer noch erfolgreich sein können?

Felix Magath: Ein Beweggrund war für mich, dass ich mich bei einem Unternehmer wie Thorsten Fischer anerkannt sehe. Ich bin ja nicht von einem anderen Stern. Die Veränderungen im Fußball habe ich registriert und die Leute seit Jahren davor gewarnt, dass das so alles nicht ganz richtig sein kann. Es steht doch aktuell fast meist nur die Taktik im Vordergrund. Viele Spieler, die aus den Nachwuchsleistungszentren kommen, haben doch überhaupt keinen Spaß mehr am Fußballspielen. Das hat Tobias Haupt, der Chefausbilder des DFB, vor einer Woche jetzt selbst bestätigt. Ich war immer einer der junge Spieler gefördert hat und in die Bundesliga gebracht hat. Die ganze Entwicklung kommt für mich nicht überraschend. Ich sage schon seit zehn Jahren, dass der Spieler wieder mehr im Vordergrund stehen muss.

Felix Magath mischt seit dem 20. Januar 2020 mit, wenn es um Entscheidungen bei den Würzburger Kickers geht.
Alexander Rausch

Aber war es nicht immer so im Fußball, dass den taktischen und spielerischen Trends der Top-Teams gefolgt wurde?
Felix Magath: Mir ist es ein Bedürfnis zu zeigen, dass der Fußball immer noch genauso funktioniert, wie er es immer getan hat. Natürlich steht es außer Frage, dass sich das Geschäft verändert hat. Ein Beispiel: Wenn die Top-Teams auf jeder Position einen Nationalspieler haben, können die gut und gerne auf Ballhalten spielen. Weil sie genau wissen, dass sie besser sind. Und dann schießt man eben in der 80. Minute das entscheidende Tor, wenn der Gegner müde ist. Diese Vereine sind auch sehr oft mit den nötigen Euros ausgestattet. Aber was ist mit dem Rest? Der rennt doch nur noch hinterher, versucht aber genauso zu spielen. Wenn ich dahin kommen will, wo diese Top-Teams sind, darf ich nicht genauso spielen – dann komme ich da nie dahin. Man muss also etwas anderes machen – dann kommt man dahin.

Der Weg der Würzbruger Kickers soll erstmal in die 2. Liga führen...
Felix Magath: Richtig. Das Ziel ist es aus der 3. Liga rauszukommen. Für alle Vereine ist es ein Problem wirtschaftlich in dieser Liga zu überleben. Die Richtung wohin es für uns gehen soll, ist also ganz klar. Dafür benötigen wir aber auch die Unterstützung der Stadt, damit nicht alleine Privatpersonen - die ein hier, so mein erster Eindruck, ein großes Kickers-Herz haben - das gesamte wirtschaftliche Risiko tragen. Ich weiß nicht warum sich da so geziert wird. Um es klar auf den Punkt zu bringen: Keiner möchte hier, dass die Kommune die Profiabteilung alimentiert, darum geht es gar nicht. Es muss aber anerkannt werden, welche Sozialarbeit ein Verein verrichtet. Das wird mir viel zu nachlässig behandelt. Wir können den Kindern etwas anbieten, leisten zum Beispiel auch wichtige Arbeit in der Integration von ausländischen Mitbürgern. Da kann dann doch nicht einfach gesagt werden: Damit haben wir Nichts zu tun, das sollen die Vereine mal schön alleine machen.

Auch in Sachen Infrastruktur – speziell was das Stadion angeht – fühlten sich die Kickers in den letzten Jahren häufig alleine gelassen. Wie sehen Sie das?
Felix Magath: Das habe ich damals schon über Bernd Hollerbach immer mitbekommen. Als er anfing, gab es nicht einmal einen richtigen Trainingsplatz. Dahingehend hat der Verein sich schon weiterentwickelt und gut gearbeitet. Aber die Stadionfrage ist natürlich unerfreulich für einen ambitionierten Verein. Die Verantwortlichen der Stadt sollten sich auch bewusst sein, was für einen hohen Wert ein Verein im Profisport für Ihre Stadt und die ganze Region hat.

Patrick Sontheimer und die Kickers boten dem FC Ingolstadt am Sonntag mächtig Paroli. Geht da vielleicht in dieser Saison noch etwas in Richtung 2. Liga?
Alexander Rausch

Mit ihrer Verpflichtung haben die Würzburger Kickers jetzt ein Zeichen gesetzt, dass es in allen Belangen nach vorne gehen soll...

Felix Magath: Auf der einen Seite bin ich nicht bescheiden und auf der anderen nicht größenwahnsinnig genug, um nicht zu sehen, dass meine Person hier eine Wirkung erzeugt. Das war ja auch ein Teil der Idee. Die Leute in der Stadt und der ganzen Region registrieren, dass jetzt etwas passiert und die Ansprüche der Kickers für die Zukunft höhere sind als es in der Vergangenheit der Fall war. 

Man könnte fast den Eindruck gewinnen, ihre Anwesenheit treibt auch schon die elf Mann auf dem Platz etwas an...

Felix Magath: Moment. Das geht mir viel zu weit. Darauf habe ich keinen Einfluss. Das ist ganz alleine die Arbeit von Michael Schiele. Es fragt sich bestimmt der ein oder andere im Verein, was auf ihn zukommt. Über mich wurde in der Vergangenheit aber auch immer etwas verquer berichtet. Aber Fakt ist: Ich habe überall, wo ich gearbeitet habe, immer nur das verlangt, was ich auch selber geleistet habe. Und das wird auch in Zukunft so bleiben.

Der Gastbeitrag stammt von Steffen Krapf – freier Journalist und Autor des Buches „111 Gründe, die Würzburger Kickers zu lieben“)

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Steckbrief F. Magath

Felix Magath
Alter
67
Geburtsort
Aschaffenburg
Familie
verheiratet, 6 Kinder
Nation
Deutschland
Größe
172 cm
Beruf
Leiter Flyeralarm Global Soccer
Hobbies
Schach
Lieb.-Position
Mittelfeld
Erfolge
Als Spieler: Europameister 1980, Europapokal der Landesmeister 1983, Europapokal der Pokalsieger 1977, Deutscher Meister 1979, 1982, 1983.

Als Trainer: Deutscher Meister 2005, 2006, 2009, DFB-Pokalsieger 2005, 2006, Trainer des Jahres 2003, 2005, 2009.


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Pl.
Team
Sp
Tore
Pkt
1
23
47:30
44
2
23
46:28
41
4
23
36:27
38
6
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10
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38:30
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38:39
27
17
23
41:51
25
Bei Punktgleichheit: Torverhältnis

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