Artikel veröffentlicht am 09.01.2018 um 15:00 Uhr
BFV-Kreistag in Rimpar: „Müssen manches anders machen“
Bei der dreistündigen Veranstaltung in der Rimparer Mehrzweckhalle ging es lange harmonisch zu. Die Wahlen nahmen ohne Komplikationen den erwarteten Verlauf. Mit der Rede von BFV-Präsident Dr. Rainer Koch wurden die Themen aber brisanter und erreichten ihren Höhepunkt mit den drei Anträgen des BFV und vor allem dem neuen Finanzierungskonzept, das unter anderem die Vereine und neue Trainer mehr zur Kasse bitten soll.
Von Sebastian Werner
252 Delegierte versammelten sich am Montag in der Rimparer Mehrzweckhalle zum Kreistag 2018. Der BFV hatte zur Imagepflege Anstrengungen unternommen. Neben Werbeaufstellern und Bannern produzierte er drei Filme, die die erfolgreiche Arbeit des Verbandes dokumentierten. Zudem war mit dem Verbandspräsidenten Dr. Rainer Koch das "Oberhaupt" der bayerischen Fußballer zugegen. Nach der Eröffnung samt Totengedenken, unter anderem an den viel zu früh verstorbenen Spitzenschiedsrichter Steffen Mix, übergab der Kreisvorsitzende Marco Göbet das Wort an BFV-Vizepräsident Jürgen Pfau zur kleinen Talkrunde mit Würzburgs Landrat Eberhard Nuß und Rimpars Bürgermeister Burkard Losert.

20 Jahre im Dienst des BFV

Göbet war es im Anschluss eine besondere Freude, einen verdienten Mitarbeiter zu ehren. Allerdings tat er das auch mit einem weinenden Auge, verliert der BFV doch nun einen verdienten Mitarbeiter. Der mittlerweile 70-jährige Heribert Bulla wird nach der laufenden Saison nach 20 Jahren aus seinem Amt als Junioren-Spielgruppenleiter ausscheiden. Seit 1997 arbeitete er ununterbrochen für den BFV und erhielt bereits die Verbandsehrennadel in Gold und die DFV-Verdienstnadel. Die Delegierten folgten dem Vorschlag, Bulla zum „Ehren-Jugendgruppen-Spielleiter“ zu ernennen, einstimmig. Eigentlich wollte Heribert Bulla schon vor vier Jahren aufhören, doch sein großes Fußball-Herz ließ dies nicht zu:

Heribert Bulla erhält die Ehrenurkunde für seine 20-jährige ehrenamtliche Tätigkeit.
anpfiff.info

Kritik am Profi-Fußball

"Die sind ja so lieb, die Herrschaften, da muss ich weitermachen“, kommentierte Bulla seine damalige Entscheidung, im Amt zu bleiben. Auf aktuelle Entwicklungen ging Koch ein. Eloquent streifte er Errungenschaften und Herausforderungen des Fußballs in der modernen Gesellschaft. Aufgrund der Rasanz des Profifußballs würden die "kleinen" Ehrenamtlichen häufig als "Ewige Gestrige" gesehen, was aber der Realität natürlich nicht entspräche. Der Amateursport, so Koch, zeichne sich durch Verdienste im Bereich der Inklusion, Integration und Einbindung sozial Schwacher aus. In seiner Rede versäumte er es aber nicht, die Fehlentwicklungen und ausufernden Maßlosigkeiten des Profi-Fußballs anzuprangern.

Dennoch warnte er davor, diesen zu verteufeln, und beschwor stattdessen die Einheit des Profi- und Amateurfußball unter dem Dach des DFB. Die Profis seien maßgeblich für den Fußball-Boom in Deutschland verantwortlich, so Koch. Im Hinblick auf das später folgende Finanzierungskonzept des BFV war das ein cleverer Schachzug. Die Amateure profitieren von den Profis durch den DFB-Pokal und die festgeschriebene Ausbildungsentschädigung, die jedem Verein, der einen Bundesliga-Profi hervorbringt, ab dem sechsten Lebensjahr 4200 Euro pro Jahr einbringe. Koch setzte sein Plädoyer mit positiven Gedanken fort: „Dem Amateurfußball geht es nach wie vor gut“, stellte der Präsident fest.

Fußballlose Orte in Bayern?


Das solle möglichst auch so bleiben. "Ich möchte keine fußballlosen Orte in Bayern", äußerte er seinen Herzenswunsch. Der wird vor allem in strukturschwächeren Gegenden ein frommer Wunsch bleiben. Denn neben den Fußballern fehlte es dem Amateursport vor allem an ehrenamtlichen Helfern. Dabei gab der Präsident zu bedenken: "Wir müssen auch nicht immer mehr machen. Wir werden manches anders machen müssen." Der Präsident meinte wohl die Verteilung der Last auf mehrere Schultern. Doch woher die dringend benötigten Schultern nehmen? Es war ein schön formulierter Satz wie „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit“, doch er hilft den kleinen Vereinen Unterfrankens nicht weiter.

Von DFB-Seite erinnerte Koch an Projekte wie das DFB-Mobil oder die angebotenen Schulungen für Ehrenamtliche. Um mehr Leute in die Vereinsarbeit einzubinden, hatte der Präsident eine einfache Lösung parat: "Man muss die jungen Menschen einfach fragen. Der Mix aus Jung und Alt tut uns allen gut." Der richtige und gute gemeinte Rat geht aber etwas an der Realität vorbei. Da der Fußball nicht mehr die Rolle frühere Tage innehat und sich junge Menschen weniger an Vereine binden als vor 20 Jahren, dürfte es mit einem einfachen „Hast du Lust dazu“ nicht getan sein. Die Probleme des Amateursports erkannte Koch auch im Schiedsrichterwesen. Viele Spiele können nicht mehr besetzt werden.

Mehr Geld für Schiedsrichter?

Er kritisierte die fehlende Anerkennung des Schiedsrichters durch Spieler, Trainer und Zuschauer. Um die Attraktivität des Hobbys an der Pfeife zu steigern, brachte der Präsident neben strengerer Ahndung ungebührlichen Verhaltens gegenüber den Unparteiischen vor allem eine Erhöhung der Spesen ins Spiel. Denn schließlich seien diese sein über zehn Jahren nicht mehr erhöht worden. Gegen Ende seiner Rede kam Koch auf sein Hauptanliegen zu sprechen: Um der veränderten Gesellschaft Rechnung zu tragen, forderte er auf, dem Fußball vermehrt im Internet und in den sozialen Netzwerken eine Heimat zu geben. Aktive Mitglieder seien mittlerweile ständig online: „Der Fußball muss online abgebildet werden.“

Verbandspräsident Dr. Rainer Koch sprach über die veränderte Arbeit der Vereine.
anpfiff.info

Ball ins Netz – #Fußball2018

Natürlich wies Koch in diesem Zuge auch auf die Online-Angebote des BFV hin und spekulierte, man könne vielleicht in Zukunft auch Amateurvereine in unteren Klassen mit 180-Grad-Kameras ausstatten, um im Netz ein Live-Erlebnis anbieten zu können. So könne man dem Zuschauerschwund entgegentreten. Denn eines ist für ihn sicher: "Die Zuschauerzahlen werden nicht mehr zunehmen." Man müsse "mehr bieten, als zweimal Training und ein Spiel am Wochenende". Die Vereine müssten Highlights schaffen, zum Beispiel Derbys besonders bewerben. Auch halte er an der Relegation fest. Daneben schlug er Events wie Ferienfußballschulen, Beachsoccer-Turniere oder die Fußballiade in Landshut vor.

Diese Angebote und sein Glaube an den Volksport Fußball verleiteten Koch am Ende seiner kurzweiligen Rede zum Fazit: "Der Amateurfußball hat eine gute Zukunft." Die Aufmerksamkeit der Anwesenden stieg, als deren Meinung zu den drei Anträge des BFV eingeholt wurde. Das Ergebnis folgte schließlich dem bayernweiten Trend. Über die Annahme oder Ablehnung der Anträge entscheidet aber der Verbandstag, nimmt aber die Meinung der Kreise zur Kenntnis.

Fünf U19-Junioren auf der Bank?

Antrag A: Abschaffung der Sonderregelung auf Kreisebene (§34 SpO)

Dabei geht es vor allem um den Einsatz von Spielern der ersten Mannschaft in der zweiten Mannschaft. Bis zur Kreisliga dürfen die Vereine demnach drei Spieler der Startelf am folgenden Spieltag auch in der zweiten Mannschaft einsetzen. Eine Abschaffung dieser Regel würde das Einsatzrecht vereinfachen, Sportgerichtsfälle minimieren und die Benachteiligung von Vereinen, die keine zweite Mannschaft haben, aufheben. Allerdings würde dann die Flexibilität des Kaders beschränkt und der Spielermangel erhöht. Infolgedessen könnte es zu Mannschaftsabmeldungen und dadurch auch zur Reduzierungen der Ligen-Anzahl kommen.

Antrag B: Spielrecht von U19-Junioren des jungen Jahrgangs im Herrenbereich

Dies zu untersagen, diente damals dem "Schutz der Jugend". Der Antrag lautet nun also, diese Entscheidung rückgängig zu machen. Ein 18-jähriger sollte auf Grund seiner Volljährigkeit frei entscheiden dürfen, in welcher Mannschaft er aufläuft. Zudem könnte man so Leistungen junger Spieler anerkennen und Talente gezielt fördern. Für die Herrentrainer würde das mehr Flexibilität bedeuten. Auf der anderen Seite erschwert diese Rücknahme die Kaderplanung und es könnte zu Spielabsagen oder gar Wettbewerbsverzerrung im U19-Bereich kommen. Außerdem besteht die Gefahr, dass man jungen Spielern zu großen Druck auferlegt.

Antrag C: Erhöhung des Auswechselkontingents auf fünf Spieler

Eine Erhöhung der Wechselspieler-Anzahl bedeutet mehr Flexibilität, höhere Einsatzchancen und mehr Spielzeit für Ersatzspieler sowie die damit einhergehende Zufriedenheit im Kader. Außerdem könne man so stark belasteten Spielern mehr Regenerationszeit ermöglichen. Die erhöhten Wechselmöglichkeiten könnten aber zu (bewussten) Spielverzögerungen führen. Außerdem würde man am Übergang von Kreis- zur Bezirksebene eine große Ungleichheit schaffen. Mannschaften mit kleineren Kadern würden vom neuen Recht nicht profitieren können und das sportliche Niveau dürfte sich verschlechtern.

Die 252 Delegierten stimmten so über die drei gestellten Anträge ab.
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Göbet und Co. wiedergewählt

Per Akklamation wurde im Folgenden der Kreistag neu gewählt. Alle bisherigen Kandidaten blieben im Amt und wurden einstimmig wiedergewählt:
  • Kreisvorsitzender & Kreisspielleiter Marco Göbet
  • Kreisjugendleiter Claus Höpfner
  • Kreisbeauftragte für Frauen- und Mädchenfußball Angelina Schreck
  • Kreisschiedsrichterobmann Helmut Wittiger
Auch die Wahl der Bezirkstagsdelegierten verlief reibungslos. Die Liste der Kandidaten wurde einstimmig angenommen.

Im Amt wiedergewählt - die Würdenträger des Spielkreises Würzburg.
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120 Euro im Jahr mehr?

Der kontroverseste Tagungsordnungspunkt stand am Ende an. Der BFV hat einen Haushaltsbedarf von 18,8 Millionen Euro ermittelt. Das bedeutet Mehrausgaben von 1,5 Millionen Euro. Eine eigens gegründete AG Finanzen, zur der alle 4600 Verein im Freistaat eingeladen wurden, an der 70 Verein Interesse bekundet, aber nur 30 Verein teilgenommen hatten, erarbeitete bei drei Treffen ein Konzept zur Finanzierung der anfallenden Mehrausgaben. Der BFV selbst wird ein Drittel dieser Mehrausgaben erwirtschaften. Der Rest sollen die Vereine und Einzelpersonen tragen. Die Vereine werden dabei im Rahmen ihrer IT-Gebühren zur Kasse gebeten. Eine gestaffelte Erhöhung der Gebühr nach Liga wurde abgelehnt.

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Stattdessen soll jeder Verein 10 Euro pro Monat, also 120 Euro im Jahr, mehr bezahlen, egal ob der Verein in der Bayernliga oder B-Klasse spielt. Das würde für einige kleine Vereine eine Erhöhung um mehr als 100 Prozent darstellen. Wer einen Trainerschein erwerben möchte, sollte sich ebenfalls beeilen. Denn die dritte Säule neben dem BFV und den Vereinen sollen künftige Trainer sein. Die Gebühren für die Trainerlizenzen würden dadurch deutlich steigen. Das aber soll gestaffelt passieren, da man im Verband davon ausgeht, dass Trainer mit einem höherwertigeren Schein auch später einmal mehr verdienen. Über das Konzept wurde nicht abgestimmt, es wird am Verbandstag zur Abstimmung vorgelegt.

Schatzmeister Jürgen Falterbacher stellte das Finanzierungskonzept des BFV vor.
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Sozialfonds-Hilfe für Trennfeld

Um den Kreistag positiv zu beenden, überreichte Schatzmeister Jürgen Falterbacher Vertretern des SV Trennfeld einen Scheck über 2000 Euro aus dem Sozialfond, dass er den dringend benötigen Hallenboden in Trennfeld sanieren kann, da dieser bei einem Unwetter stark beschädigt und unbenutzbar wurde. Die sehr gut organisierte Veranstaltung endete exakt wie angekündigt nach drei Stunden.

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