Artikel veröffentlicht am 22.04.2015 um 21:45 Uhr
Einwurf - die Fußball-Glosse: Die ewige Suche nach dem Schuldigen...
Es liegt als Trainer naturgemäß in meinem Interesse, und zufällig liegt es auch in meiner Natur, dass ich sofort nach einer Niederlage Ausreden und/oder einen oder mehrere Schuldige parat habe, die ich für den Misserfolg verantwortlich machen kann. In dieser Hinsicht war ich bisher eigentlich immer sehr kreativ. Aber auf die Medizinische Abteilung bin selbst ich bisher noch nicht gekommen...
Von Markus Schütz
Das liegt aber ausschließlich daran, dass wir keine Medizinische Abteilung haben. Wobei, eigentlich haben wir doch eine. Denn wir haben immerhin einen Medizin-Koffer, der mal mehr mal weniger schlecht bestückt ist. Was aber in keinem Medizinkoffer von der A-Klasse bis in die Bundesliga fehlen darf, ist ein Eisspray. DAS Wunder- und Allheilmittel gegen nahezu jede Verletzung, die sich ein Fußballer auf dem Feld zuziehen kann. In der Hand des Spielleiters oder Betreuers wird dieses Eisspray zur 'Medizinischen Abteilung der Kreisklasse'. Und wer kennt die Situation nicht: Es ist ein Nachholspieltag im März mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und dann passiert es - beim Blockversuch eines gegnerischen Torschusses geht der Ball dorthin, wo es am meisten weh tut. Nur Bruchteile einer Sekunde später bleibt die Luft weg und man liegt röchelnd auf dem kalten Boden. Das einzige, was man sieht, sind Sterne. Das einzige, was man will, ist sterben. Aber das einzige, was man hört, ist dieses unverwechselbare Geräusch, das entsteht, wenn der Betreuer neben dir steht und die Dose mit dem Eisspray schüttelt... und du dir denkst: "Er wird doch jetzt nicht...?" 
Aber er wird... Denn meist sind die Betreuer selbst ehemalige Fußballer von altem Schrot und Korn, die die Verletzungen der Spieler sowieso nicht ernst nehmen und nur darauf warten, das Eisspray zum Einsatz zu bringen. Damit halt was getan ist. Und zwar ganz egal, was gerade weh tut und wohin man es gerade sprüht. Ausnahmen für bestimmte Körperteile werden nicht gemacht.

Der Doc ist schuld...

Aber zurück zum Thema: Wie kann man, insbesondere als medizinischer Laie, einem Doktor und seinen Behandlungsmethoden ein eindeutiges Fehlverhalten, das zu einer Niederlage führt, unterjubeln. Bei Sportmedizinern ist dies ungleich schwieriger, als beispielsweise bei Schönheits-Chirurgen. Denn im Falle von Schauspieler Mickey Rourke und Designerin Donatella Versace ist der Fall klar, da braucht man kein Mediziner sein, um zu sehen, dass da scheinbar etwas schief gelaufen ist... 
Früher war es übrigens so, dass nicht die Medizinische Abteilung kritisiert worden ist, wenn es viele Verletzte gab, sondern der Trainer und seine Trainingsmethoden.
Aber: Angriff ist die beste Verteidigung.

Vom Elch geküsst...

Selbst ein Dr. Müller-Wohlfahrt auf Drogen könnte allerdings nichts für die erstaunlichen Verletzungen, die es bei Profi-Fußballern schon gab...
Bei Charles Akonnor bohrte sich 2001 die automatische Auto-Antenne seines Wagens in die Nase. Es ging quasi für ihn von der Suche nach Empfang direkt zum Empfang beim Arzt. 
Paulo Diogo von Servette Genf erlangte im Dezember 2004 zweifelhafte Berühmtheit, als er beim Torjubel einen Finger verlor. Am Fangzaun verkeilte sich sein Ehering am Gitter, und als Diogo wieder herabsprang, riss er sich zwei Glieder des Ringfingers ab, der Ring blieb im Zaun hängen - Diogo sah zudem noch gelb. Unzertrennlich, bis dass der Tod euch scheidet sieht anders aus.
Feucht-fröhlich verletzte sich Jari Litmanen während seiner Zeit bei Malmö FF. Bei einer Feier im Jahr 2006 übertrieb es sein damaliger Sportchef etwas und schoss ihm den Korken einer Sektflasche ins Auge. Litmanen erlitt Verletzungen an der Netzhaut und fiel mehrere Monate aus. Fußballer feiern normalerweise auch mit Bier...
Ex-Eintracht-Keeper Markus Pröll stolperte auf der Flucht vor Autogrammjägern über ein kleines Mädchen - und zog sich eine Schultereckgelenk-Sprengung zu. Auch Franck Ribery stolperte fast einmal über eine kleines Mädchen... aber das war etwas anderes.
Und mein Favorit: In den Siebzigern stieß der norwegische Nationalspieler Svein Grondalen beim Joggen im Wald mit einem Elch zusammen. Die Verletzungen waren nicht ohne! Aber auch der norwegische Fußballer war so lädiert, dass er das folgende Länderspiel absagen musste. Ich bin mir sicher, manch kampferprobter Betreuer aus den unteren Ligen hätte den Elch sofort mit Eisspray behandelt. 
Unabhängig davon, dass jede dieser Verletzungen auch jedem meiner Spieler passieren könnte, einem Mannschaftsarzt könnte ich sie nicht mal dann in die Schuhe schieben, wenn wir einen hätten. 

Deshalb muss ich halt immer wieder zu meinen erprobten Ausreden greifen, wenn ein Spiel in die Binsen geht. Wenn ein Spieler einen Ball nicht recht stoppt, ein anderer ihn sich rausklauen lässt und ein Dritter einen langen Ball unterschätzt... (wie es selbst den Bayern vor Wochenfrist in Porto passiert ist...)

Hierfür habe ich ein paar Standardsätze, die ich je nach Situation anwende, damit decke ich alles ab: 
- "Wir mussten heute gegen 12 Mann spielen!"
- "Der hat ja alles, aber auch alles gegen uns gepfiffen!"
- "Ich sage heute lieber nichts zum Schiedsrichter!" (P.S.: damit ist aber dennoch schon alles gesagt...)
- "Die sind ja drauf wie die Ochsen!"
- "Meine Spieler sind einfach zu brav!"
- "Auf so einem Acker kann man keinen Fußball spielen!"
- "Was nützt die beste Taktik, wenn die Spieler sie nicht umsetzen können!?"
- "Ich habe meine Mannschaft noch gewarnt vor XY, aber mir hört ja keiner zu!"
- "Wir sind mit dem Gegenwind nicht zurecht gekommen!"
- "Meine Mannschaft konnte leider mit dem Druck nicht umgehen!"
- "In einem Derby herrschen halt eigene Gesetze!"
- "Nicht immer gewinnt der Bessere!"

Und bei Siegen?  Ach, da reichen mir eigentlich drei Sätze: 
- "Meine Taktik ging wieder einmal voll auf!" 
- "Ich habe in der Halbzeit wieder mal die richtigen Worte gefunden!"
- "Eine unterdurchschnittliche Mannschaft mit einem überragenden Trainer - das kann schon mal reichen..."

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