Härtefall in der U17-BOL: Muss die "Spieli" auf den Losentscheid hoffen? - anpfiff.info
Artikel veröffentlicht am 20.04.2021 um 06:00 Uhr
Härtefall in der U17-BOL: Muss die "Spieli" auf den Losentscheid hoffen?
Wenn die Saison abgebrochen wird, gilt das laut Reglement auch für die Junioren, die erst im letzten Herbst ihre Saison 2020/21 begonnen haben. Die U17 der SpVgg Erlangen, die in der BOL Nord die souveräne Meisterschaft holte, müsste dann wahrscheinlich auf den Losentscheid hoffen - ein Beispiel kontra Quotientenregelung.
Von Uwe Kellner
Bei anpfiff.info kam ein Artikel über die Quotientenregelung im Juniorenbereich online. In diesem ging es darum, wie die äußerst kurze Saison 2020/21 bei den Junioren im Falle eines Saisonabbruchs gewertet wird. Endgültige Klarheit gibt es noch nicht, allerdings käme der § 54 der Jugendordnung zum Tragen, der die Sonderregelungen für das Spieljahr 2019/2020 und 2020/2021 betrifft. Dort heißt es in Punkt 6: "Kann die Spielzeit Herbst 2020 nicht bis zum 31. 07.2021 beendet werden, wird die Tabellenreihung anhand der Quotientenreglung (Erspielte Punkte geteilt durch die Anzahl der in Wertung gespielten oder durch ein Sportgericht gewerteten Spiele; gerundet auf zwei Nachkommastellen) ermittelt. Es erfolgt der Vollzug des festgelegten Auf-und Abstiegs." Diesem Punkt wiedersprach bei Einführung niemand. Je näher es zur Umsetzung kommt, desto größer wird der Gegenwind. Dieses Verhalten sieht man auch im Herrenbereich.

Der 4-Punkte-Fahrplan des BFV besagt zusätzlich, dass es im Falle eines Saisonabbruchs keine Relegationsspiele geben wird. Das führt nun zu Härtefällen in den Jugendligen, die für die Saison 2020/21 zweigeteilt wurden, sprich die Bezirksoberligen und die Kreisligen. Hier hätten nach der Saison die Meister der Staffel Nord (bzw. Ost) gegen die Meister der Staffel Süd (bzw. West) den Aufsteiger ausspielen sollen. Der Wegfall dieser Relegationsspiele führt nun zu Problemen.

Das Los oder der Quotient?


In den Bezirksoberligen der B-Junioren hat die SpVgg Erlangen alle ihrer acht Spiele absolviert in der Nord-Staffel absolviert und die souveräne Meisterschaft (Quotient: 2,75) mit nur einem Unentschieden eingefahren. "Das Unentschieden war gegen den Tabellenzweiten SG Quelle Fürth, eine sehr gute und temporeiche Partie. Es war verdient, dass die Quelle einen Punkt holte", erinnert sich Spieli-Trainer Lukas Gerstle.

Jetzt ist es so, dass der Tabellenführer der Bezirksoberliga Süd, die SGV 1883 Nürnberg-Fürth einen Quotienten von 2,50 hat. Ginge es zwischen den beiden Tabellenersten um den Aufstieg hätte die "Spieli" den besseren Quotienten und wäre Landesligist. Allerdings hat der Zweitplatzierte, die JFG Wendelstein 2, zwar nur vier Spiele bestritten, die Hälfte der Erlanger, aber davon alle vier gewonnen. Das entspricht einem Quotienten von 3,00 und damit wäre die JFG besser als die "Spieli" und würde in die Landesliga aufsteigen. Die B1 der JFG Wendelstein verlässt die Landesliga Richtung Bayernliga ebenfalls wegen des Quotienten.

Die SpVgg Erlangen wäre per Quotient weiterhin Bezirksoberligist. "Für uns wäre das natürlich sehr ärgerlich", muss Trainer Lukas Gerstle zugeben und hofft deswegen auf eine weitere Möglichkeit: Es steht im Raum und wird diskutiert, ob der Aufsteiger aus der Bezirksoberliga per Los gezogen wird. Das würde bedeuten, dass die beiden Teams, die nach dem Quotienten jeweils Meister im Norden und Süden wurden, also die JFG Wendelstein 2 und die SpVgg Erlangen, in den Lostopf kommen. Der, der gezogen wird, steigt auf. "Wenn das die einzigen beiden Möglichkeiten sind, müssen wir ja auf den Losentscheid hoffen. Das wäre genauso alles andere als fair", wirft Lukas Gerstle ein. Deswegen hofft der junge Trainer, dass die Verantwortlichen des BFV eine andere Lösung finden. "Egal wie, irgendwer wird den Kürzeren ziehen."

Lukas Gerstle stieg nach der Saison 2019/20 per Quotient mit der U16 auf. Bei einem wiederholten Abbruch steht hinter einem Aufstieg der U17 in die Landesliga ein großes Fragezeichen. Zur neuen Saison übernimmt der junge Coach das Traineramt der U19 der SpVgg Erlangen und wird Co-Trainer von Helmut Wolff bei der Ersten der "Spieli".
anpfiff.info

Entscheidung auf dem Rasen

Lukas Gerstle würde sich eine Entscheidung auf dem Platz wünschen. "Es wird sich doch mit Sicherheit ein Termin finden, bevor die Saison offiziell beendet sein muss. Meinetwegen bis knapp vor den Sommerferien", schlägt er vor. Offiziell muss die Saison jedoch bis zum 31. Juli beendet sein, wenn der BFV abbricht, wäre es auch in der Jugend vorbei. "In der laufenden Runde wurden so viele Neuerungen und Änderungen eingebracht, da kann das ja kaum ein Problem darstellen", findet der Trainer und hofft auf ein wenig Felxibilität des Bayerischen Fußballverbands.

Letzte Saison war Lukas Gerstle Trainer der U16 in Erlangen und da die Saison 2019/20 abgebrochen wurde, stiegen seine Jungs per Quotient zuhause auf dem Sofa sitzend auf. "So etwas fühlt sich natürlich nicht wie ein richtiger Aufstieg an." Zuletzt, als es erlaubt war und der Inzidenzwert in Erlangen zwischen 50 und 100 lag, bot er für seine Nachwuchskicker bereits Individualtraining an. "Wir waren kurz davor, mit der Mannschaft trainieren zu dürfen, weil der Wert unter 50 lag, aber als wir trainieren wollten, lag er wieder drüber." Deswegen gab es Einzeltraining. "Die Jungs waren begeistert, auch wenn die Möglichkeiten zur Trainingsgestaltung beschränkt waren." Anders als bei Herrenmannschaften glaubt Lukas Gerstle, dass er sein Team in maximal drei Wochen Vorbereitung auf die Relegation fit bekommen würde. "Die Jungs hatten zwar wegen der langen Pause bereits nach dem Individualtraining Muskelkater, aber wenn alle Teams dieselben Voraussetzungen hätten, wäre ein Relegationsspiel sicherlich kein Problem."

Das alles ist natürlich nur der Wunsch des Trainers. Dass ein Relegationsspiel ausgetragen wird, ist sehr unwahrscheinlich. So flexibel wird es bei einem Abbruch der Saison nicht zugehen. Vielmehr kann man gespannt sein, welche Regelung die Verantwortlichen in puncto Aufstieg treffen. Dass beide Meister, Nord und Süd, aufsteigen dürfen, gilt aufgrund der bereits nach der Saison 2019/20 sehr kulanten Aufstiegsregelung als sehr unwahrscheinlich. "Seien wir mal ehrlich. Im Endeffekt ist die Frage des Aufstiegs auch gar nicht die momentan entscheidende. Viel wichtiger wäre mir, dass die Kinder und Jugendlichen endlich wieder raus und Fußball spielen dürfen", so Lukas Gerstle abschließend.

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SpVgg Erlangen, U13
 

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