Artikel veröffentlicht am 01.12.2020 um 06:00 Uhr
Trainertalk mit Patrick Werther: Über die Talente von einst und morgen
Patrick Werther ist Vollblutfußballer und seit nunmehr zweieinhalb Jahren mit nicht weniger Herzblut auch Trainer beim ASV Oberpreuschwitz. Zuletzt trainierte er dazu auch noch den Altstädter Nachwuchs. Der 33-Jährige kennt daher viele Facetten des regionalen Fußballs. In der Rubrik Trainertalk geht er auf einige davon ein.
Von Thomas Nietner
Wo hast Du das Fußball spielen begonnen? Wer von der damaligen Jugend spielt heute noch und auf wen davon triffst Du immer wieder gerne? 

Patrick Werther: Ich habe durch meinen Vater mit 4 Jahren beim Post SV begonnen. Nach der F-Jugend Meisterschaft gegen den damaligen BSV sind wir dann in die E-Jugend der SpVgg Bayreuth gewechselt bis zu den bekannten Stationen im Herrenbereich. Zur Zeit treffe ich natürlich häufig auf den Christian Frank, der ab der D-Jugend mit mir spielte und jetzt für mich spielt. Bis zur letzten Saison habe ich auch gerne und oft Manuel Stiefler in der 2. Bundesliga im TV zugesehen. Mit ihm haben wir auch in der Jugend zusammengekickt.  

Du hast in der Bezirksober- und Landesliga mit der Saas gespielt sowie Bayernliga mit Hollfeld. Mittlerweile sind die Vereine aus dem Spielkreis Bayreuth in jenen Ligen nicht mehr vertreten. Lässt sich das aus deiner Sicht erklären?  

Patrick Werther: Ganz klar ja. Hollfeld hat nach sehr sehr erfolgreichen Jahren seine Identität und sehr viele einheimische Spieler verloren und durch Spieler wie auch mich ersetzt. Das ist ein brutal guter Verein, der aber die größten Erfolge unter sich geholt hat. Auch jetzt machen sie wieder einen super Job und haben mit dem Jochen Hollfelder den perfekten Trainer dazu. Ich hoffe, es kommen auch hier und da mal wieder einige Ex- und Urhollfelder zurück, dann geht es sicher noch eine Liga nach oben. Ähnlich sehe ich es in der Saas. Zu meiner Zeit waren da noch Spieler wie Dachsbacher, Schmidt, Sommerer, Brendel, Gissibl, Lang, Horn, Maßberger, Popp und Pritschet als Eigengewächse gespickt mit Spielern, die die gleiche Mentalität hatten und dann enge Freunde waren oder wurden wie Trat, Koch, Günter, Pütterich usw. Das lebte ja die Saas immer vor und war inklusive höherer Qualität wie jetzt ein Garant für Erfolg. Man muss eben abwägen, was und wie der Verein denkt oder das sieht. Ein Einheitsrezept gibt es da nicht. Man kann auch mit wenig Einheimischen sehr erfolgreich sein und sich eben auf das Potenzial der Spieler fokussieren. Siehe Neudrossenfeld. Das ist in der 1. Mannschaft alles top und sehr professionell.  

Christian Frank (weiß) kennt Patrick Werther bereits seit frühester Jugend.
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Du bist ein ehrgeiziger Typ. Wie viel Prozent Talent und wie viel Willen und Fleiß gehört dazu, um es bis in jene Ligen zu schaffen? Und hat sich im Laufe der vergangenen Jahre daran mittlerweile etwas geändert?  

Patrick Werther: Der Ehrgeiz und die Eigenmotivation spielen für mich hier eine große Rolle. Ich würde fast behaupten, dass jetzt in der Corona-Phase sehr viele (ca.80%) junge talentierte Spieler den größten Teil der Zeit zuhause sitzen und nichts tun. Und wenn ich nur einmal in drei Wochen joggen gehe, ist es für die Katze. Man kann momentan doch viel Koordination, Technik, Stabilität oder Tempo/Explosivität trainieren. Viele wichtige Sachen, die man heute braucht. Ich habe als Spieler möglichst probiert, den Trainer seine Wünsche zu erfüllen und mich für meine Mannschaft auf und neben den Platz zu zerreißen. Heute bekommen die Spieler eine viel bessere und professionellere Ausbildung in fussballerischer Sicht und sind somit Technisch oft wesentlich besser als wir damals. Aber den meisten fehlt auch der Biss, um dann noch besser zu werden bzw. geben sich damit zufrieden, wie und wo sie spielen. Manche stört es nicht, ständig nur um die goldene Ananas zu spielen und schätzen auch ihr "Talent" falsch ein. Ich will immer ganz oben stehen und reflektiere als erstes meine eigene Leistung und hier immer als erstes das negative Element. 

In Oberpreuschwitz hat Patrick Werther viel bewegt. In der kommenden Saison steht er beim ATS Kulmbach auf der Kommandobrücke.
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Du warst bis zur letzten Saison auch parallel Jugendcoach beim NLZ Bayreuth. Führt der Weg von der Jugend in diese Ligen nur noch über das Nachwuchsleistungszentrum?  

Patrick Werther: Wenn ich als Beispiel meinen Sohn Luca nehmen darf, sage ich ja. Er spielt in der für uns hier höchsten D-Jugendliga und führt hier die Tabelle nach vier Spielen mit 46:0 Toren an. Da sieht man zum einen, dass sich die besten Talente beim NLZ treffen und dann ganz andere Möglichkeiten wie ein Test gegen Bundeliga-NLZ's haben, um sich auf ganz hohen Niveau zu messen. Das fordert und fördert natürlich enorm. Hier sind super Trainer, die sich mit guter Trainingsvorbereitung und sich viel Zeit für mehrere Trainingslager nehmen, um auch jeden individuell zu verbessern. Aber klar ist auch, dass den Kids hier nichts geschenkt wird. Mein Sohn trainiert seit dem Lockdown light fünf Mal die Woche und das hart. Aber erstens wollen die Spieler das und als Vollblutfussballer hat man ja jeden Tag Bock auf Fussball. Und dennoch gibt es ab und zu einen absoluten Superspieler, der es auch vom sozusagen kleineren Jugendverein weit nach oben schafft und auch das finde ich super für die Arbeit der anderen Vereine, die auch das Beste für ihre Spieler wollen.  

Jugendcoach: Patrick Werther (hinten) trainierte in der Vergangenheit auch den Altstädter Nachwuchs um Sohnemann Luca (re.).
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Du hast mittlerweile die B-Lizenz. Wie schwer war der Schritt bis dahin? Was und wieviel konntest Du während deiner Trainerausbildung dazulernen? Ganz ohne eigene Erfahrung geht es sicherlich nicht, aber ohne Technik geht es auch nicht mehr: Inwieweit ist der Laptop für dich als Coach eine Hilfe?  

Patrick Werther: Die Trainerausbildung war sehr umfangreich und für mich enorm wichtig und ein absolutes Muss, um mich als Trainer auch auf verschiedene Phasen einzustellen und vorzubereiten. Ich habe sie auch mit der entsprechenden Punktzahl bestanden, um weitere Lizenzen zu erwerben. Als Trainer ist es mein Job, den Spieler nicht immer nur zu sagen was falsch läuft, sondern was der Spieler oder das Team besser bzw. anders machen soll/kann/muss. Man sollte als Trainer auch eine Lösung haben, wenn es mal nicht so läuft. Meine Trainingsvorbereitung wird per Hand geschrieben, aber in der heutigen Zeit braucht man eben auch technische Hilfe. Über den Laptop organisiere ich unsere Standarttricks oder mache eben auch Spielanalysen, da ich manche Spiele aufzeichne, um positives wie negatives nochmal zu sehen.  

Würde sich gerne mit dem Aufstieg aus Oberpreuschwitz am Saisonende verabschieden: Patrick Werther
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Das Regelwerkt sorgt im Fußball immer wieder für Diskussionen. Welche Regel würdest Du gerne ändern?  

Patrick Werther: Regeln an sich sind da, um sich daran zu halten und ich bin nicht befugt, sie zu ändern. Eine Sache, die sich im Laufe der Jahre für mich negativ geändert hat, ist die Theatralik und das weiche Mit- oder Gegeneinander. Bei jeder Auseinandersetzung zweier Spieler gibt es gelb, bei jeden Rempler gibt es rot und bei jedem falschen Wort wird man bestraft. Ich finde, einen Männersport sollte man Männersport lassen. Da verkraftet man auch ein verbales hin und her oder mal einen Schubser. Natürlich ohne, dass es in Schläge ausartet. In den höheren Ligen früher konnte man auch mal den Schiri seine Meinung emotional sagen und es kam eine Antwort von ihn an mich, wie "Schau auf dein Spiel und spiele besser". Das fand ich super. Man befindet sich auf einer Ebene und kann sich danach die Hand schütteln und lächeln.  

Auch Gelbe Karte wegen Torjubel (Trikot ausziehen)! Ich verstehe bis heute nicht, was das soll. Nach einem Tor ist es doch geil, seinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Damit tut man doch keinem weh!

Welche Schlagzeile würdest du gerne nach dem letzten Spieltag in anpfiff.info lesen?
 

Patrick Werther: Der ASV steigt in die Kreisliga auf!

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Steckbrief P. Werther

Patrick Werther
Alter
33
Geburtsort
Bayreuth
Wohnort
Bayreuth
Familie
verheiratet, 2 Kinder
Nation
Deutschland
Größe
180 cm
Beruf
Arbeiter Stadt Kulmbach
Starker Fuß
Beidfüßig
Lieb.-Position
Innenverteidiger
Erfolge
Aufstieg mit dem BSC Saas in die Landesliga
Frühere Vereine: Spvgg Bayreuth, BSC Saas, FSV Bayreuth, TSV Neudrossenfeld, ASV Hollfeld
Fan von: FC Bayern München und D3-Jugend Spvgg Bayreuth


Spielerstationen P. Werther


Karriere in Zahlen P. Werther

Spiele
390
Spiele gewonnen
187
Spiele unentschieden
90
Spiele verloren
113
Tore gesamt
50
Vereine
6
Aufstiege
3
Abstiege
0

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