Artikel veröffentlicht am 31.01.2018 um 06:00 Uhr
Buchtipp: Fußballheimat Franken: Fränkische Bratwürste schmecken immer und überall
MAGAZIN Fränkische Fußballfans werden dieses Buch lieben: 100 Orte der Erinnerung hat Autor Matthias Hunger zusammengetragen. Der Nürnberger bereiste seine „Fußballheimat Franken" (so heißt das Werk) und schrieb über diese 100 Orte jeweils kleine Geschichten. Und er fügte zu allen Doppelseiten ein Bild dazu.
Von Michael Horling
Lassen wir zunächst den Hildesheimer Arete Verlag sprechen, der das Buch veröffentlichte. Dort heißt es vielsagend:

„Erfahren wir endlich, wer oder was ein Schnüdel ist? Wo die Grüne Au liegt? Wieso Günter Netzers Ferrari in Erlangen stand? Was machen Esel auf dem Fußballplatz? Wo saß Fritz Walter auf der Trainerbank? Und was wurde aus dem einstigen Zuhause des bedeutendsten Vereins?

Und wir lesen von einem Maskottchen ohne Hose sowie vom Versuch, die Fankultur zu erforschen. Von einem WM-Ball, der aus Nürnberg, nicht aus Herzogenaurach kam. Vom Gradmesser für die deutsch-amerikanischen Beziehungen und von einer Grenze, die Welten trennt. Von einem Trainer mit Medizinbällen, von den Bratwürsten eines Fußballmanagers und von einem Ex-Weltfußballer, der in der dritten Person seinen Senf dazu gibt.

All diese Orte in Franken besuchte Buchautor Matthias Hunger.
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Literarisch versierter Insider

100 Orte der Erinnerung, die faszinierende Geschichten erzählen. Von großen Stadien für den Profifußball, über Stätten der Kunst, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft, bis zu den kleinen Amateursportanlagen, wo die Begeisterung fürs Kicken entsteht.

Zusammengetragen hat sie Matthias Hunger, der sich „längst als literarisch versierter Insider ausgewiesen“ hat. So schrieben einst die Nürnberger Nachrichten, die zuletzt über seinen Fußballroman Abseits der Kreisklasse urteilten: „Prädikat: sehr lesenswert!“"

Soviel also von offizieller Seite. Was schon mal vieles, eigentlich alles aussagt. Und was neugierig macht. Zu viel verraten wollen wir an dieser Stelle nicht. Denn die anpfiff.info-Leser sollen ja das Buch kaufen und lesen. anpfiff-Mitarbeiter Michael Horling hat es bereits gelesen - an einem einzigen Nachmittag - und sich gleich danach auf den Weg gemacht, um einen der vielen beschriebenen Orte zu besuchen.

Die Doppelseite über den 1. FC Herzogenaurach.
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Herzogenrauch ist gleich mehrfach vertreten

Nämlich Herzogenaurach, das mit gleich mehreren Geschichten vertreten ist. Natürlich geht es darin um Adidas und Puma, aber auch um die einst zusammen in der damaligen dritten Liga spielenden Nachbarvereine FC und ASV Herzogenaurach, die beide nebeneinander ihre Sportplätze haben. Lothar Matthäus lernte hier das Fußballspielen. Das ist einen Ausflug wert. So wie viele der Orte, nein eigentlich alle, die Matthias Hunger bereiste.

anpfiff.info unterhielt sich mit dem Autor. Matthias Hunger, Jahrgang 1977, wurde in Hersbruck geboren.

Matthias Hunger
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Matthias, erzähl uns doch erstmal bitte etwas über Dich: Wo lebst Du, was hast du gemacht, bevor du Bücher schriebst und was machst Du, wenn du mal gerade keines verfasst?
Matthias Hunger: Ich lebe in Nürnberg und bin eigentlich Bauleiter. Als zweifacher Familienvater und Dauerkartenbesitzer beim Club bleibt ansonsten gar nicht mehr so viel Zeit.

Mit „Abseits der Kreisklasse" hast Du im Arete Verlag auch schon einen Roman veröffentlicht, in dem es um den unterklassig kickenden Amateurfußballer Benedikt Klein von der SG Noris Schweinau und seine Erlebnisse geht. Wieviel Matthias Hunger steckt in diesem Benedikt Klein?
Matthias Hunger: Weniger als Du womöglich vermutest, aber doch mehr, als ich zugeben möchte.

Wie kamst Du denn auf die Idee, 100 Orte der Erinnerung zu besuchen?
Matthias Hunger: Schon für die Recherche zu „Abseits der Kreisklasse“ war ich viel auf Amateurfußballplätzen unterwegs und habe wieder festgestellt, dass es da tolle Geschichten zu erzählen gibt. Auch beschäftige ich mich seit längerem mit der Geschichte des Fußballs, speziell in Franken. Dabei wurde schließlich die Idee geboren, ein Buch über die fränkische Fußballheimat mit all´ ihren Geschichten und ihrer Geschichte zu schreiben.

Welche drei der besuchten Orte vom Stadion in A wie Alzenau bis zum Institut für Fankultur in W wie Würzburg haben Dich besonders beeindruckt?
Matthias Hunger: In Nürnberg der Zabo, auch wenn dort von der ruhmreichen Club-Historie kaum mehr etwas zu sehen ist. Und dann sind da noch die Grüne Au in Hof und das Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt, beides Orte, die eine gewisse Faszination ausstrahlen und an denen man noch ablesen kann, dass dort einst hochklassiger Fußball geboten wurde.

Ich möchte zu drei der 100 Beiträge kurz etwas nachfragen. Erstens: Wo schmeckt Dir die Bratwurst besser: Im Max-Morlock-Stadion oder auf kultigen Sportplätzen wie in Helmbrechts, Hof oder Kronach?
Matthias Hunger: Fränkische Bratwürste schmecken immer und überall, egal ob sie nun aus Nürnberg, Helmbrechts, Hof oder Kronach sind.

Zweitens: Gefällt dir eher ein Karl-Fleschutz-Stadion in Lichtenfels oder der zur Arena umgebaute Ronhof in Fürth?
Matthias Hunger: Lichtenfels oder Fürth? Da bin ich für Lichtenfels.

Natürlich spielt auch das Unternehmen Puma aus Herzogenaurach im Buch mit den 100 Orten der Erinnerung eine Rolle.
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Drittens: Könnte ein Verein wie der FC Haßfurt heuer noch im Profifußball spielen, wenn er 1978 nicht auf den sportlichen Aufstieg in die 2. Liga verzichtet hätte?
Matthias Hunger: Schwer zu sagen, wie sich das in Haßfurt entwickelt hätte. Aber vermutlich nicht. Noch nicht mal wegen der Größe der Stadt. Schließlich leben wir inzwischen in einer Zeit, in der Milliardäre ihre Fußballunternehmungen von irgendwo auf der grünen Wiese an allen vorbei in die Bundesliga hieven können. Doch dadurch werden dann eben die Plätze in Liga 1 und 2 für Überraschungsteams, Außenseiter oder auch Traditionsvereine knapp.

Viertens: Du stellst auch zwei Kinos vor, eines in Nürnberg, das andere in Hof. Welches ist dein Lieblings-Fußballfilm?
Matthias Hunger: Selbst wenn ich an dieser Stelle wohl etwas Ausgefalleneres nennen sollte: „Das Wunder von Bern“, weil es auch die gesellschaftspolitische Bedeutung dieses herrlichen Sports wunderbar zeigt.

Fünftens: Puma oder adidas: Wo kaufst Du ein?
Matthias Hunger: Da geht es mir wie wohl vielen Fans des 1. FC Nürnberg: Seitdem adidas seinen alten und nahen Partner mit dem Verweis auf die internationale Ausrichtung des Unternehmens nicht mehr unterstützen mag, mag man als Cluberer auch nicht mehr so recht die Weltmarke mit den drei Streifen unterstützen. Adidas wird das aber verschmerzen können. Also, eher bei Puma.

Sechstens - zum Spaß: Sollte nicht jeder Ex-Profi nach dem Fußballerleben einen Lotto-Toto-Laden aufmachen? Und hast du für den Beitrag über die Metzgerei Hollerbach im Rimpar die Würste getestet?
Matthias Hunger: Das mit dem Lotto-Toto-Laden wäre vielleicht eine gute Idee und würde für eine gewisse Bindung zur Basis sorgen. Die Wurstwaren habe ich in Rimpar leider nicht getestet. Wobei, falls sie bei den Würzburger Kickers Hollerbach-Bratwürste verkaufen, habe ich zumindest die doch schon probiert.

Als Schweinfurter interessiert mich noch das: Anders als Werner Skrentny in seinem großen Buch der Fußballstadien weist Du nicht auf die Nazi-Vergangenheit des Stadion-Namensgebers Willy Sachs hin. Weil dafür der Platz nicht gereicht hätte?
Matthias Hunger: So ist es, schließlich sollte in diesem knappen Format die Heimspielstätte von Schweinfurt 05 nicht auf die bekannte Kontroverse um den Stadionnamen reduziert werden.

Warst Du live dabei, als Vestenbergsgreuth 1994 in Nürnberg die Bayern schlug?
Matthias Hunger: Nein, aber ich habe dieses Spiel, die Mutter aller Pokalsensationen, im Fernsehen gesehen.

Der FC Herzogenaurach vermarktet sich als FC Biergarten...
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Hinten im Buch steht auf Seite 210: „Einer geht noch, einer geht noch rein. Dieser Ort hätte unbedingt noch reingehört?" Welcher war denn für dich der 101, den Du nicht mehr unter bekamst?
Matthias Hunger: Es war schon schwer, das Ganze auf 100 einzugrenzen. Es gab einige Härtefälle und mir war klar, dass der ein oder andere fragen wird, warum dieser oder jener Fußballort nicht im Buch ist. Deshalb diese Seite und deshalb darf auch jeder selbst entscheiden, welchen Ort er dort eintragen will.

Warum hast Du denn die Überreste der markanten Tribünen im Hirschbachtal nicht vorgestellt, wo Hitler einst zu Testzwecken ein Teilmodell mit 42.000 Plätzen für sein für 400.000 Zuschauer geplantes Deutsches Stadion in Nürnberg errichten ließ?
Matthias Hunger: Der Ort befindet sich knapp hinter der Regierungsbezirksgrenze in der Oberpfalz und liegt damit im „Zuständigkeitsbereich“ von „Altbayern und Schwaben“. An diesem zweiten Band der Fußballheimat-Reihe arbeitet derzeit Michael Lenhart und er soll noch in diesem Jahr bei Arete erscheinen. Ob die Tribünenreste im Hirschbachtal allerdings drin sind, kann ich nicht sagen.

Kann es einen zweiten Teil der 100 Orte der Erinnerung geben?
Matthias Hunger: Quasi ein Best-of der Leser-Eintragungen auf Seite 210? Mal sehen, was da zusammenkommt.

Was planst du als nächstes?
Matthias Hunger: Es gibt einige Überlegungen, aber derzeit noch nichts Konkretes.

Letzte Frage: Steigt der Club wieder in die Bundesliga auf?
Matthias Hunger: Irgendwann bestimmt. Ich hoffe natürlich, dass es in dieser Saison klappt und bin durchaus verhalten optimistisch. Der Aufstieg wäre schon immens wichtig, auch vor dem Hintergrund der drohenden Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft samt Einstieg eines Investors. Da würde ich mir wünschen, dass der Club sein riesiges Potential ausschöpft, als einer der letzten Fanvereine einen anderen Weg beschreitet und weiterhin ausschließlich den Mitgliedern und keinem Konzern gehört – frank und frei eben. Sich von dem Einheitsbrei der ganzen Fußballkapitalgesellschaften abzuheben, kann auch ein „Geschäftsmodell“ sein, ein durchaus nachhaltiges zudem, das manch Fußballfan und Sponsor vielleicht sogar gerne unterstützen würde. Als Erstligist wäre die finanzielle Lage des FCN natürlich etwas entspannter und so ein Vorhaben besser darstellbar.

Wir danken für das Interview und wünschen alles Gute!

anpfiff.info verlost drei Freiexemplare des Buchs.

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Das Buch

Matthias Hunger
Fußballheimat Franken. 100 Orte der Erinnerung
Arete Verlag
216 Seiten, Paperback/Klappenbroschur mit 110 Farbfotos
ISBN 978-3-942468-91-6
16,95 €

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