Artikel veröffentlicht am 03.12.2020 um 12:00 Uhr
Florian Weißmann im Gespräch: „Unser Worst-Case-Szenario kommt zum Tragen!“
Aus zwei mach eins! Im Lauf des Montags gab der Bayerische Fußballverband auf seiner Homepage bekannt, dass es im Jugendbereich den geplanten zweiten Teil der Saison – mit nach Auf- und Abstieg neu geordneten Ligen – coronabedingt nicht geben wird. anpfiff.info hat bei Verbandsjuniorenleiter Florian Weißmann nachgefragt und sich mit ihm über Gründe und die Planungen für das Frühjahr unterhalten.
Von Marco Heumann
Herr Weißmann, der BFV hat sich dafür entschieden, die ursprünglich geplante zweite Runde bei den Junioren im Frühjahr 2021 zu streichen. Ist Ihnen dieser Schritt leicht gefallen?
Florian Weißmann: Wir haben eine sehr intensive Diskussion geführt und wollten dann für alle Betroffenen ein klares Zeichen für die weitere Planung geben.

Stand anpfiff.info Rede und Antwort: Florian Weißmann.
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Was waren die ausschlaggebenden Gründe für diese Entscheidung?
Florian Weißmann: Die Anzahl der möglichen Spieltage bis einschließlich 24./25. April 2021 waren für viele noch auszutragende Spiele nicht ausreichend. Der Termin Ende April ist deshalb wichtig, da nur bei einem Beginn zum 1. Mai 2021 eine Achter- beziehungsweise Zehner-Spielgruppe inklusive  notwendiger Relegationsspieltage bis Mitte Juli möglich ist.

Es gibt Stimmen, die sagen, der Verband wäre mit der Absage mit seinen Plänen gescheitert. Was entgegnen Sie dieser Kritik?

Florian Weißmann: Genau das Gegenteil ist der Fall. Wir haben ganz klar kommuniziert, dass wir ein Spielmodell umsetzen, mit dem wir auf einem späteren Saisonbeginn und auch auf eine Saisonunterbrechung reagieren können. Beides ist leider eingetroffen. Somit kommt unser Worst-Case-Szenario mit nur einer aufstiegsberechtigten Spielzeit zum Tragen.

Andere bemängeln, dass die Entscheidung schon jetzt gefällt wurde und man nicht noch abgewartet hat, ab wann im Frühjahr wieder gespielt werden kann. Warum musste die „Streichung“ schon jetzt beschlossen werden. Hätte man sich nicht ein Hintertürchen offenhalten können?
Florian Weißmann: Der früheste Start gemäß den Rahmenterminkalendern wäre der 6. März gewesen, in den meisten Kreisen und Bezirken sogar erst an einem der zwei nachfolgenden Wochenenden. Damit reicht eine einfache Mathematik aus, um festzustellen, dass die Spieltage für zwei ganze Spielzeiten bis Mitte Juli nicht mehr ausreichen. Auch muss man bedenken, dass in einigen Regionen selbst der März regelmäßig für Spielausfälle sorgt. Interessant wäre auch die Reaktion der Kritiker, wenn wir erst am 20. April entscheiden würden, dass die zweite Spielzeit ausfallen muss. Jetzt ist jeder darauf vorbereitet.

Befürchten Sie nicht, dass bei vielen Spielern und Trainern die Motivation leidet, wenn man im Frühjahr nur noch zwei oder drei echte Wettbewerbsspiele hat und es zudem nicht mehr die Chance gibt, sich eine Liga höher zu beweisen?

Florian Weißmann: Grundlegend muss man festhalten, dass pro Saison immer nur ein Aufstieg oder Abstieg möglich war. Wäre der Idealfall eingetreten – also eine rechtzeitiger Saisonstart und keine Unterbrechung – hätten wir die einmalige Chance geboten, zwei Aufstiege bis in die Bayernliga in einem Jahr zu ermöglichen.

Ich gehe mal davon aus, dass der Verband ein Rückkehr-Szenario oder gar mehrere in der Schublade hat. Was glauben Sie, wann wird es frühestens möglich sein, wieder ins Mannschaftstraining und wann eventuell ins Gruppentraining einzusteigen?
Florian Weißmann: Wir setzen darauf, dass im Laufe des Januars ein Training - wenn auch unter Auflagen - möglich sein soll. Bei einem Blick auf den zeitlichen Ablauf in diesem Jahr, muss man leider festhalten, dass zwischen Trainingsbeginn Anfang Mai und Wettbewerbsfreigabe Mitte September ganz vier Monate vergangen sind.

Wie passt es in die Planungen, dass in der Regionalliga der U15 schon ab Anfang März wieder gespielt werden soll?
Florian Weißmann: Das ist eine Planung. Wir sind hier sogar von zwei Bundesländern abhängig, da die Regionalliga Süd mit Baden-Württemberg und Hessen gleichzeitig betrachtet werden muss. Aber auch in der Junioren-Regionalliga haben wir einen Worst-Case-Plan. Verzögert sich der Start, wird dort ebenfalls die zweite Spielzeit entfallen.

Die Jungs und Mädchen werden im Frühjahr erneut aus einer langen Pause kommen. Wie kann und will man verhindern, dass zu viele Spieler und Spielerinnen abspringen und damit auch Mannschaften wegfallen?

Florian Weißmann: Das ist wahnsinnig schwierig. Einerseits habe ich die Hoffnung, dass die Winterpause weniger Jungs und Mädels abwandern lässt als eine lange Pause im Sommer. Andererseits habe ich dennoch die Befürchtung, dass sich bei einem Traininsgauftakt in der kalten Jahreszeit ohne zwischenzeitlichen Mannschaftskontakt eventuell weniger Spielerinnen und Spieler freiwillig nach draußen bewegen. Der regelmäßige Kontakt zum Team ist – so glaube ich – in der jetzigen Zeit das Wichtigste. Viele Trainerinnen und Trainer sind in dieser Beziehung auch sehr kreativ mit Team-Challenges, Trainingseinheiten und vielem mehr.

Wann gibt es solche Bilder im Nachwuchsbereich wieder zu sehen)
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Es gibt ja die Zusage, dass auch nach dem Rundenende ein Spielbetrieb organisiert wird. Wie soll der aussehen?

Florian Weißmann: Wir werden schnellstmöglichst neue Spielgruppen zusammenstellen. Natürlich soll der Leistungsaspekt eine Rolle spielen. Also ein Kreisligameister und auch der Zweitplatzierte sollen dann gegen Bezirksoberliga-Teams spielen. Eventuell verändern wir auch den Regionenzuschnitt. Damit stehen auch einmal ganz andere Teams einem Verein gegenüber. Wir sind sehr flexibel und können sicher eine interessante Spielrunde gestalten.

Wäre es denn auch denkbar den Jungs und Mädchen nach der langen Pause eine lange Vorbereitung und Spiele ohne Druck – egal, ob vom Verband organisiert, oder nicht – zuzugestehen und erst im Mai oder Anfang Juni mit den noch ausstehenden Partien in den Ligen zu starten?
Florian Weißmann: Das wäre, meines Erachtens nach, ebenfalls denkbar. Persönlich würde ich aber eine kurze Vorbereitung und eine schnelle Rückkehr zu einem geordneten Spielbetrieb befürworten.

Vielen Dank für das Gespräch!

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