Artikel veröffentlicht am 05.02.2021 um 06:00 Uhr
Zwei Oberfranken beim 1. FCN: "Corona-Pause kam zum genau falschen Zeitpunkt"
Sechs Spiele hat die Mannschaft von Markus Fischer und "Calle" Schiebel in der C-Junioren-Regionalliga Bayern bisher absolviert. Mit zehn Punkten steht man aktuell auf einem soliden sechsten Tabellenplatz. Dennoch steht die sportliche und menschliche Entwicklung der Akteure im Vordergrund. anpfiff.info sprach mit Markus Fischer und Carl-Philipp Schiebel.
Von Alexander Grober
Gitana Elsner/1. FC Nürnberg
Mit Beginn der Vorbereitung zur Saison 2020/2021 im Juniorenbereich hat Markus Fischer mit seinem Co-Trainer Carl-Phillipp Schiebel die U15-Jugendlichen des 1. FC Nürnberg in der Regionalliga übernommen. Zuvor leistete er eine sehr gute Arbeit bei der U15 der SpVgg Greuther Fürth und Carl-Phillipp Schiebel konnte die C-Jugendlichen des FC Coburg in der Bayernliga etablieren. Nun wagten beide den nächsten Schritt und wechselten gemeinsam an den Valznerweiher. Wie es ihnen nun geht und wie die sportliche Bilanz der beiden Oberfranken ausfällt, lesen Sie im nachfolgenden Artikel.

Immer mit guter Laune anzutreffen - das Trainerduo der Club-U15 Markus Fischer (re.) und Carl-Phillipp Schiebel (li.)
Gitana Elsner/1. FC Nürnberg

Seit der aktuellen Spielzeit sind Sie gemeinsam für die Regionalliga-U15 des 1. FC Nürnberg verantwortlich. Wie kam dies zustande?
Markus Fischer: Michael Wiesinger hat mich Anfang 2020 kontaktiert - und dementsprechend haben wir uns dann nach sehr guten Gesprächen auf eine Zusammenarbeit einigen können.   
Carl-Philipp Schiebel: Michael Wiesinger hat mich kontaktiert. Dann war ich ein paar mal in Nürnberg vor Ort und habe mir alles angeschaut und angehört. Mich hat alles überzeugt, deshalb habe ich zugesagt. Ich würde aber nicht nur von einem Trainer-Duo reden, sondern vom ganzen Trainerteam. Denn alleine würden wir das alles nicht schaffen.     

Markus Fischer (li.) und Carl-Philipp Schiebel sind seit dieser Saison für das U15-Regionalligateam des 1. FC Nürnberg zuständig.
1. FC Nürnberg
Wie leicht beziehungsweise wie schwer fiel Ihnen die Eingewöhnungszeit beim 1. FC Nürnberg unter aktuell besonderen Umständen? Welche Faktoren und vielleicht auch Menschen machten es Ihnen vielleicht etwas einfacher?
Markus Fischer: Man muss sagen, dass es aktuell sicher nicht einfach ist. Dadurch, dass man allerdings viele verantwortliche Personen schon länger kennt, hat das sehr gut geklappt. Ich denke aber auch, dass die sehr offene Struktur im NLZ-Bereich hier eine gute Erleichterung darstellt. Und mit den Jungs haben wir sowieso sehr schnell eine gute gemeinsame Basis gefunden.   
Carl-Philipp Schiebel: Von Anfang an hat alles gepasst. Es macht einfach mit allen Kollegen Spaß. Sei es auf dem Platz oder neben dem Platz.   

Aktuell stehen Sie in der unterbrochenen Saison auf Platz sechs der Tabelle der Regionalliga. War es genau das, was Sie sich vorgestellt haben, oder hat Ihre Mannschaft Ihre Erwartungen übertroffen beziehungsweise nicht erreicht?
Markus Fischer: Grundsätzlich will man doch immer am Ende der Saison am liebsten auf Platz eins stehen und jedes Spiel gewinnen. Dass es aber im Jugendfußball auch viel Entwicklungsarbeit benötigt und die Schritte zum Erfolg durchaus auch Niederlagen und Rückschläge bedeuten, ist für uns und den 1. FC Nürnberg auch selbstverständlich. Gerade die letzten beiden Spiele gegen den TSV 1860 München und dem FC Augsburg haben aber gezeigt, was in unserer Truppe steckt und welche Qualität sie sich erarbeitet hat. Meine Erwartung ist einfach zusammengefasst: Die Mannschaft muss geil auf Siege und angefressen und sauer auf sich bei Niederlagen sein, aber Rückschläge auch als Chance erkennen und lernen, mutig ihre Stärken einzubringen. Das haben die Jungs in dieser Saison bisher gut durchlebt. Das heißt ich bin aktuell zufrieden, womit ich aber im Fußball auf Dauer nicht leben kann, sondern noch mehr davon für den Rest der Saison erwarte. 
Carl-Philipp Schiebel: Der sechste Platz würde bedeuten, dass wir uns für die Meisterrunde qualifizieren. Von daher ist es das Minimalziel.  Vom fußballerischen Können und vom Talent betrachtet, zählen wir durchaus zu den Top Drei der Liga.  Allerdings sind wir körperlich das wohl kleinste Team in der Liga. Und die Physis in dem Altersbereich spielt leider einfach eine sehr große Rolle, ob man ein Spiel gewinnt oder verliert. Leider kam die Corona-Pause für uns genau zum falschen Zeitpunkt. Wir waren auf einem absolut guten Weg und haben auch in den letzten Spielen gezeigt, wie positiv unsere Entwicklung war. Nicht umsonst haben wir den TSV 1860 München und den FC Augsburg jeweils überzeugend bezwungen. Auch ein Erfolg für uns ist mit Sicherheit, dass wir unseren Kapitän zum U15-DFB-Nationalmannschafts-Lehrgang bringen konnten. 
  
Sie arbeiten und wohnen beide im eher nördlichen Bereich Oberfrankens mit dem Coburger und Kronacher Landkreis. Wie schaffen Sie es beide Tätigkeiten - Job und Traineramt - unter einen Hut zu bekommen, wenn man bedenkt, dass es nach Nürnberg auch nicht ein Katzensprung ist?
Markus Fischer: Indem man einfach ein verständnisvolles Umfeld besitzt - und für dieses Umfeld auf der anderen Seite auch sehr dankbar ist. Nach Siegen wird sich für einen gefreut und nach Niederlagen wird einem der Rücken gestärkt. Der Rest ist die eigene Bereitschaft, die Aufgabe - sei es Job oder Traineramt - konzentriert auszufüllen. Natürlich kostet das persönlich auch Verzicht und bedarf einfach gesagt: Liebe, Glaube und Leidenschaft.  
Carl-Philipp Schiebel: Wenn man auf so einem Niveau arbeiten möchte, muss man das einfach in Kauf nehmen. Unsere Region gibt leider nichts Vergleichbares - weder im Herren- noch im Jugendbereich - her. Solange es so viel Spaß macht, nimmt man gerne allen Aufwand in Kauf.   
 
Haben Sie bisher den Schritt bereut? Wenn nein – was macht für Sie besonders die Arbeit beim 1. FC Nürnberg, vielleicht im Vergleich zu Ihren Vorgängervereinen oder Vorgängerämtern aus?
Markus Fischer: Jeder Verein, für den ich bisher tätig war, hat etwas Besonderes. Der Club ist der Club - ich denke über diese grandiose Besonderheit brauchen wir nicht viel zu reden. Mit Michael Wiesinger als Leiter des NLZ und Dieter Frey als sportlicher Leiter für die U12 bis U15, habe ich tolle Ansprechpartner, die nicht nur eine sehr hohe sportliche, sondern auch menschliche Expertise besitzen. Da fühlt man sich als Trainer einfach gut aufgehoben. Nicht vergessen möchte ich auch hier die ständige Unterstützung von Reinhold Hintermaier, Michael These und Dominik Tekeser. Dieses kameradschaftliche Verhältnis untereinander macht schon sehr viel Spaß. Heißt zusammengefasst: Ich bin sehr glücklich, diesen Schritt gemacht zu haben. Meine beiden Vorgänger-Stationen  mit dem FC Mitwitz und dem FC Coburg waren für mich für diesen Schritt von hoher Bedeutung.   
Carl-Philipp Schiebel: Auf keinen Fall habe ich es bereut. Durch die Expertise, die vor Ort herrscht, habe ich mich einfach schon enorm weiterentwickeln können als Trainer und, ich denke, auch als Persönlichkeit. Es macht einfach Spaß, auf höchstem Niveau über Fußball zu sprechen und zu diskutieren. Auch ein Spiel oder ein Training einmal komplett auseinanderzunehmen und nicht nur die Spieler zu bewerten, sondern auch selbst bewertet zu werden - Stichpunkt Feedbackkultur - bringt einen einfach voran. Aber meine vorherige Station im NLZ beim FC Coburg war natürlich enorm wichtig, sodass ich sie keinesfalls missen möchte.
    
Im Hintergrund berät sich das Trainerteam während im Vordergrund die Akteure auf dem Weg in die Kabine sind.
Gitana Elsner/1. FC Nürnberg

Wie schätzen Sie den weiteren Werdegang im Fußball in Bezug auf die Covid19-Krise ein? 
Markus Fischer: Ich muss ganz ehrlich sagen, die eine oder andere Schwarzmalerei kann ich nicht mehr hören. Der Spaß an unserem Sport wird sicherlich bei den Wenigsten verloren gehen. Vielleicht oder sehr wahrscheinlich sogar wird er sich ändern. Packen wir es an, machen wir das Beste draus - haben wir Spaß an unserem Sport. Leben wir Begeisterung und Leidenschaft vor, auch für die Veränderung. Aktuell verzetteln wir uns hier zu viel in der Leidenschaft, alles zu zerreden.   
Carl-Philipp Schiebel: Es liegt doch wirklich an jedem selbst - egal ob Spieler, Trainer oder Funktionär, das Beste aus der wirklich schlechten Situation, die wir derzeit haben, zu machen. Man kann Trübsal blasen oder an sich arbeiten und sich weiterentwickeln. Ich kann nur für uns sprechen, dass wir derzeit wahrscheinlich noch mehr machen und noch mehr für unsere Jungs da sind als unter normalen Umständen. Und die Jungs sind enorm dankbar dafür.    

Ihre Schlussworte an die Leser in Ihrer Heimat!
Markus Fischer: Wer mich seit Kindesbeinen an kennt, der weiß, dass es mir ein besonderes Bedürfnis ist, meinem Heimatverein und all die Personen drumherum zum 100. Geburtstag in diesem Jahr zu gratulieren. Happy Birthday! Danke für eure Unterstützung in den verschiedensten Zeiten, die ich mit euch durchlebt habe und auch in Zukunft durchleben werden. Desweiteren kann ich aus meiner gesammelten Erfahrung in den letzten 20 Jahren Trainergeschäft folgenden Rat geben: Packt ab und an mal eure Kinder ein, fahrt zu Juniorenspielen nach Nürnberg oder fahrt zu den jährlich stattfindenden Ländermeisterschaften nach Bad Blankenburg und schaut euch das Leistungsniveau an. Nur mit besonderen Methoden können wir in unserer strukturell eher schwächeren Region den Leistungsfußball auf Dauer verbessern. 
Carl-Philipp Schiebel: Ich beobachte mit großen Argusaugen meine ganzen Jungs, die ich die letzten Jahre trainieren durfte. Egal ob die Jungs noch bei meinem Heimatverein vom FC Coburg sind, oder in Schweinfurt, Bamberg oder in Bundesliga-NLZ‘s. Wenn ich sehe was für ein Potential schon in Coburg beim FCC eigentlich vorhanden ist, da denke ich an Spieler wie Sertan Sener, René Knie oder Davide Dilauro. Wenn dazu noch meine Jungs kommen die nächsten Jahre, freue ich mich schon richtig darauf zu sehen, wo der Weg hinführen wird. Denn ohne über andere Jahrgänge schlecht reden zu wollen - bei den Jahrgängen 2003-2007 sind wirklich richtige Granaten dabei. Ich hoffe sehr, dass der Verein es schafft, diese Jungs alle wieder zusammen zu bekommen und mit dem bereits vorhandenen Potential wie oben angesprochen zu verschmelzen. Dann denke ich kann man auch wieder höhere Ziele im Verein ausgeben.

anpfiff.info bedankt sich bei den beiden Nürnberger Jugendtrainer Markus Fischer und Carl-Philipp Schiebel und wünscht beiden mit Ihrer Mannschaft viel Erfolg und alles Gute für die restliche Saison!

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Leser-Kommentare


Steckbrief M. Fischer

Markus Fischer
Spitzname
"mafi" - alles klein und zusammengeschrieben
Alter
40
Geburtsort
Kronach
Wohnort
Mitwitz
Familie
ledig, 0 Kinder
Nation
Deutschland
Größe
194 cm
Beruf
Angestellter, HUK Coburg
Hobbies
Fußball und sonstige Ballsportarten
Starker Fuß
Rechtsfuß
Lieb.-Position
Allrounder - alle Positionen
Erfolge
1995: Bayrischer Meister Oberfrankenauswahl U15
Halbfinale Bayrische Meisterschaft FC Mitwitz U15

2006: Aufstieg Bezirksliga FC Mitwitz

2010: Aufstieg Bezirksoberliga FC Mitwitz

2015: 3. Platz mit dem Förderkader Bayern beim Länderturnier in Bad Blankenburg


Steckbrief C. Schiebel

Carl-Philipp Schiebel
Spitzname
Calle
Alter
29
Geburtsort
Coburg
Wohnort
Coburg
Familie
ledig, 0 Kinder
Nation
Deutschland
Größe
183 cm
Gewicht
80 kg
Beruf
Kaufmann
Hobbies
Reisen, Sport
Starker Fuß
Beidfüßig
Erfolge
Als Spieler:

Aufstieg Landesliga
Oberfränkischer Pokalsieger U17 mit Bamberg
Bezirksmeister U15 DVV Coburg

Als Trainer:

2. Platz U15 Bayernliga
1. Platz mit STP Coburg/Lichtenfels beim DFB - STP Turnier Oberfranken/Mittelfranken

Trainerstationen M. Fischer

20/21
REGL
 
19/20
REGL
 
18/19
Greuther Fürth, U15
 
17/18
KG
 
14/15
BL
 
13/14
BOL
 
12/13
BL
12/13
BOL
 
11/12
BOL
10/11
BOL
09/10
BL
08/09
BL
 
07/08
BL
 
06/07
BL
 
05/06
KL
04/05
KL
 
03/04
KK
02/03
AK

Trainerstationen C. Schiebel

19/20
BAYL
 
19/20
KL
 
18/19
BAYL
 
18/19
BAYL
 
17/18
FC Coburg 2, U13
 
16/17
FC Coburg 2, U13
 
15/16
FC Coburg 2, U13
 
14/15
FC Coburg 2, U13
 
13/14
FC Coburg 2, U13
 
12/13
FC Coburg, U11
 


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