Artikel veröffentlicht am 22.10.2020 um 12:00 Uhr
Bürgermeister bittet um Absage: Derby Frohnlach gegen Lichtenfels fällt aus
Das Landesliga-Derby zwischen dem VfL Frohnlach und dem 1. FC Lichtenfels, das am Freitagabend im Waldstadion stattfinden sollte, ist abgesagt. Der Ebersdorfer Bürgermeister Bernd Reißenweber, zu dessen Gemeinde Frohnlach gehört, bat in einem Schreiben darum, ob der Corona-Lage von der Austragung abzusehen. Ein Wunsch, dem die Verantwortlichen nachkommen.
Von Marco Heumann
Es war angerichtet für ein in diesen Zeiten eher seltenes lokales Fußballfest! Der VfL Frohnlach erwartet den 1. FC Lichtenfels. An einem Freitagabend unter Flutlicht. Bis zu 400 Zuschauer hätten - dank der Tribüne im Waldstadion und des Hygienekonzepts, das der Verein erarbeitet hatte, - dabei sein dürfen. Gut möglich, dass die Zahl bei der Partie, die durch den Termin ein Alleinstellungsmerkmal gehabt hätte, auch erreicht worden wäre.

Ein Derby jede Menge Geschichten

Geschichten rund um das Spiel der beiden Landesligisten aus dem Spielkreis Coburg-Lichtenfels hätte man reichlich erzählen können. Die vom VfL, der richtig gut aus der Corona-Pause gekommen ist und nun mit einem Dreier die Chance gehabt hätte, fast schon im gesicherten Mittelfeld der Liga zu überwintern. Oder die von Oliver Müller, dem Trainer der Lichtenfelser, der erstmals nach seiner Zeit beim VfL - in den Nuller-Jahren als Spieler und von 2013 bis 2018 als Coach erst der Reserve und dann der Ersten - wieder auf der Bank im Waldstadion Platz genommen hätte.

Sie müssen verschoben werden. Am Donnerstagvormittag wurde die Partie abgesagt. Nicht von Verbandsseite, sondern auf Wunsch des Ebersdorfer Bürgermeisters Bernd Reißenweber. Der hatte mit Blick auf die steigenden Fallzahlen in den Landkreisen Coburg und Lichtenfels in einem Schreiben darum gebeten, die Partie abzusetzen, da sie derzeit einfach ein falsches Signal wäre. Ein Ansinnen, das Weitblick beweist. Das Gemeindeoberhaupt hat offenbar erkannt, dass Fußball in diesen Tagen eben nur eine, wenn auch schöne, Nebensache ist. Sowohl in Lichtenfels als auch in Coburg sind die Inzidenzwerte zuletzt deutlich nach oben gegangen, ein Sprung über 100 gilt nicht als ausgeschlossen. Vor diesem Hintergrund erscheint Fußball vor bis zu 400 Besucher tatsächlich alles andere als eine gute Wahl, auch wenn der Bürgermeister das vom VfL Frohnlach erarbeitete Hygienekonzept ausdrücklich lobt und sich gut vorstellen kann, dass es funktioniert hätte.

Großes Verständnis beim VfL und beim Spielleiter

Beim VfL trägt man die Bitte des Gemeindeoberhaupts mit. "Klar hätten wir gerne gespielt", sagt der sportliche Leiter Christian Tremel. "Wir hatten ja noch nicht so viele Heimspiele und hätten die Einnahmen gut brauchen können." Aber in der aktuellen Lage gehe die Gesundheit nun einmal vor. "Das Spiel passt zum jetzigen Zeitpunkt halt einfach nicht."

Das sieht man auch beim 1. FC Lichtenfels ähnlich. "Als Fußballer hätten wir das Derby natürlich sehr gerne gespielt!", erklärt der sportliche Leiter Christopher Fischer. "Man muss aber ganz klar sagen, dass es aktuell Wichtigeres gibt und diese Absage absolut verständlich und in meinen Augen die richtige Entscheidung ist. Ich hoffe von Seiten des BFV nun zeitnah auf eine Entscheidung wie es bis Winter weitergehen soll. Von Woche zu Woche schauen halte ich für nicht sinnvoll."

Verständnis zeigte auch der für die Landesliga zuständige Spielleiter Bernd Reitstetter, der die Absetzung amtlich machte, auch wenn keines der beiden Teams aktuell von Corona betroffen ist. Aber sowohl der 1. FC Lichtenfels - wo die Reserve und Teile der Ersten in Quarantäne waren - als auch der VfL, der in der vergangenen Woche in Geesdorf einen Spieler, der ebenfalls in Quarantäne war, ersetzen musste, kennen die Problematik aus eigener Erfahrung, auch wenn keiner der getesteten Akteure positiv war.

Für beide Teams geht es damit erst einmal im Ligapokal weiter. Für den VfL am Samstag, 31. Oktober, erneut mit einem Derby beim FC Coburg und für den 1. FC Lichtenfels am gleichen Tag mit der Partie beim FC Geesdorf. Ab 14. November sind dann beide noch einmal in der Liga gefordert. Die Korbmacher erwarten Alemannia Haibach, die Frohnlacher eine Woche später die FT Schweinfurt.

Was ebenfalls für die Absage sprach war die Tatsache, dass die Entfernung zwischen den beiden Teams überschaubar ist, die Partie also auch einmal unter der Woche gespielt werden kann. Dann vielleicht ohne Corona-Probleme und wer weiß, eventuell sogar mit mehr als den 400 Zuschauern, die jetzt erlaubt gewesen wären.

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Spielstenogramm

1. FC Lichtenfels: Kraus C. 2,2, Dietz L. 2,8, Mohr 3,3, Schardt 2,3, Hellmuth M. 2,3, Scholz 2,8 (72. Funk 2,7), Schaller C. 1,3, Mahr 2,7, Wagner E. 3,0 (62. Pfadenhauer 2,3), Schunke 2,5 (82. Schamel Lukas.), Jankowiak L. 1,9 / Michel, Goller F., Wige, Zillig
Tore: 1:0 Schaller C. (2.), 1:1 Civelek A. (41., Oppel), 2:1 Jankowiak L. (63., Schaller C.), 3:1 Schaller C. (71., Pfadenhauer), 4:1 Schaller C. (76., Mahr)
Gelbe Karten: Mahr - Foulspiel (16.), Scholz - Foulspiel (68.) / Körner - Foulspiel (19.), Lauerbach - Halten/Trikotziehen (36.), Civelek A. - Foulspiel (67.), Simitci - Foulspiel (90.+2)
Zuschauer: 450 | Schiedsrichter: Quirin Demlehner (ASC Simbach) 2,0


Direkte Duelle beider Teams

Saison
Sieger
Liga
Erg.
2017/18
LL
 1:3
2017/18
LL
 3:2
2019/20
Toto
 0:1

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