Artikel veröffentlicht am 10.10.2018 um 12:00 Uhr
U15Coach Calle Schiebel im Gespräch: "Die Jungs leben den Fußball 24/7!"
Sieben Spiele ist die neue Saison der U15 des FC Coburg nun alt und die Mannschaft von Neu-Trainer Carl-Phillipp Schiebel steht als Aufsteiger auf einem respektablen sechsten Platz mit zwölf Punkten aus sieben Spielen. Wir zogen mit dem jungen Coburger Übungsleiter Bilanz zur bisherigen Spielzeit und warfen auch direkt einen Blick auf das kommende Spiel am Samstag - das einzige Derby gegen den FC Eintracht Bamberg.
Von Alexander Grober
Herr Schiebel, nach dem Aufstieg aus der Bezirksoberliga im letzten Jahr ist es für Ihre Jungs, aber auch für Sie die erste Saison als Trainer in der Bayernliga. Wie Bewerten Sie das bisherige Abschneiden Ihrer Mannschaft mit zwölf Punkten aus sieben Spielen?
Carl-Phillipp Schiebel: Für die Jungs ist das Tempo, die Dynamik und die Athletik die größte Umstellung. Sie haben letztes Jahr leider mit der U14 „nur“ in der Kreisliga gespielt. Das sind Welten, die bis zur Bayernliga dazwischenliegen. Wir haben uns allerdings durch entsprechende Vorbereitungsgegner an das höhere Niveau gewöhnen können. Für mich als Trainer war die größte Umstellung, dass es nicht mehr rein um die Ausbildung der Spieler geht, sondern auch Ergebnisse stärker in den Vordergrund rücken. Mit der U12 war das noch eine andere Hausnummer, weil die Gegner - obwohl ein Jahr älter - leichter zu bespielen waren und wir meist doch deutlich besser waren. Jetzt stehen die Spiele mehr auf Messers Schneide und Kleinigkeiten entscheiden.
Die zwölf Punkte sind schön und gut, aber wir, Mannschaft und Trainer, sind mit Sicherheit damit nicht zufrieden. Wieso, weshalb und warum – das wissen wir und wollen daran auch weiter intensiv arbeiten.

Was freut Sie in den ersten Monaten als Coach Ihrer U15 am meisten und was hat Ihnen bisher nicht so gefallen?
Carl-Phillipp Schiebel: Es ist einfach richtig geil, lauter Vollgranaten trainieren zu dürfen, die das 24/7 leben. Natürlich sagst du den Jungs das Fußball nach Schule nur die Nummer zwei sein soll oder darf. Aber sind wir mal ehrlich - in den Köpfen der Jungs steht der Fußball an erster Stelle. Und genau darum geht es dann auch irgendwie - Verständnis zu entwickeln, was wichtig ist, aber auch wie fußballbekloppt wir alle trotzdem sind!

Riyazdin Khalili (weiß) ist der Toptorschütze der FCC-U15 mit fünf Treffern bislang.
anpfiff.info


Wie lautet Ihre Zielsetzung für die Saison mit Ihrer Mannschaft?
Carl-Phillipp Schiebel: Wir wollen sexy Fußball spielen und als Aufsteiger wollen wir natürlich nächstes Jahr auch noch in der Bayernliga vertreten sein!

Am Samstag geht es mit Ihrer Mannschaft um 11.00 Uhr zum Derby gegen den FC Eintracht Bamberg. Wie bewerten Sie den Gastgeber aus der Domstadt und mit welchen Erwartungen fahren Sie nach Bamberg?
Carl-Phillipp Schiebel: Das ist für uns intern auch wirklich das einzige richtige Derby! Die Jungs kennen sich seit Jahren gegenseitig von sämtlichen NLZ–Vergleichen. Manche spielen in der Regionalauswahl zusammen und einige wenige sogar in der Bayernauswahl. Emma Kusch von Bamberg und meine Hannah Mesch sind vor ein paar Tagen noch mit der U16-Bayernauswahl der Mädels sogar gemeinsam Süddeutscher Meister geworden! Da sieht man schon alleine wie viel Qualität in beiden Mannschaften stecken muss. Dazu hat Bamberg einen guten und jungen Trainer. Ich erwarte ein heißes attraktives U15-Spiel.

Welche Mannschaften werden Ihrer Ansicht nach im Kampf um den Aufstieg mitmischen und welche spielen um den Abstieg?
Carl-Phillipp Schiebel: Die Kickers werden sehr deutlich Meister - das ist sicher! Zum Thema Abstieg will ich mich nicht äußern und keine Prognose abgeben. Die Liga ist so eng beieinander - da kann noch wirklich alles passieren.


Neben seinem Trainerdasein in der U15 des FC Coburg, kickt Calle Schiebel selbst noch in der zweiten Mannschaft des FC Coburg in der Kreisliga.
anpfiff.info

Blicken wir zurück auf das vergangene Heimspiel gegen den FSV Erlangen-Bruck, das mit 1:1 endete! Ziehen Sie bitte Bilanz zur vergangenen Begegnung!
Carl-Phillipp Schiebel: Insgesamt beschreibt das Ergebnis schon alles - alles in allem war es an diesem Tage ein leistungsgerechtes Unentschieden.

Wie bewerten Sie den allgemeinen Werdegang im Jugend-Amateurfußball?
Carl-Phillipp Schiebel: Da gibt es einige Punkte zu beleuchten - vergleicht man es mit früher und nimmt dann auch noch explizit die Region Coburg/Kronach/Lichtenfels her - ist es schon teilweise eine Katastrophe. Dies liegt allerdings allgemein am Trend der Gesellschaft und den weniger werdenden Kinder in der Region. Soweit die aktuellen Voraussetzungen für Jugendarbeit. Und dann kommen wir Trainer, die Eltern und der Verein ins Spiel - da muss sich jeder selbst hinterfragen - dann kann man auch vieles ändern. Jetzt bin ich ja nicht unbedingt fürs Jammern bekannt, sondern möchte in meinem Bereich, in dem ich etwas verändern kann, auch Dinge verbessern und nach vorne bringen. Sieht man die Entwicklung der Coburger Spieler seit dem Jahrgang 2003, konnte ich, denke ich, auch in der Richtung einiges mitbewirken. Ich versuche mit Leidenschaft, manchmal auch - das gebe ich zu - zu viel Emotionen und Siegeswillen, die Jungs zu begeistern. Auch das gehört vielleicht wieder in unsere Gesellschaft getragen - das Erleben von Leidenschaft und Willen.  Den Eltern kann man in dem Bezug nur raten, genau zu schauen, wo ihre Kinder trainiert werden und wie häufig auch Training angeboten wird. Mit ein- oder zweimal Training in der Woche ist leider für den Erfolg kaum etwas zu erreichen. Grund hierfür ist einfach, dass sich die Kinder nur noch organisiert bewegen und nicht mehr selbständig sieben Tage die Woche auf dem Bolzplatz gehen. Also durchaus den Mut mal vier- bis sieben Mal die Woche die jüngeren Kids sporteln lassen. Ja und manchmal muss ich dann einfach nur schmunzeln, wenn ich in der regionalen Zeitung in "Mega-Interviews" lese, was ein neues regionales Jugendkonzept zu beinhalten hat.  Da fahren Autos dann mit dem Aufdruck „Talentförderung“ rum und damit ist dann schon viel Geld für die eigentliche Talentförderung nicht mehr zur Verfügung. Da bin ich dann schon der Meinung: „Manchmal sollte man eventuell einfach sein Hauptaugenmerk in die Arbeit mit den Jungs stecken!“ Auf der anderen Seite freue ich mich immer riesig, wenn ich auch hier Interviews von jungen Trainern lese, die Bock darauf haben, etwas zu entwickeln in Ihren Heimatvereinen. Ihr seid die Zukunft! Davon brauchen wir viel mehr! Man sieht also - es gibt viele Punkte, die wir ändern können, anstatt zu jammern. Anpacken und immer wieder neue Ideen entwickeln. Sich dabei aber nicht zu wichtig nehmen.

Ihre Schlussworte!
Carl-Phillipp Schiebel: Weil ich es oben als lobenswert und sehr positiv erwähnt habe - an die jungen Trainer: Bildet euch fort, hospitiert beim DFB–Stützpunkt, im NLZ oder wenn Ihr die Chance habt sogar in einem Bundesliga–NLZ. Gebt damit euren Jungs beziehungsweise Talenten das Training, das sie auch verdient haben! Mit den genannten Möglichkeiten seid ihr dazu in der Lage und ihr werdet sehen, alle im Verein profitieren davon - auch wenn der Beste vielleicht mal den Verein verlässt. Denn am Ende spielen sie alle zu 95 Prozent wieder für Ihren Heimatverein. Bedanken möchte ich mich noch bei Alexander Pietsch, Matthias Christl und Markus Fischer, dass sie mir die Möglichkeit eröffneten, die U15 zu trainieren!

anpfiff.info bedankt sich bei Carl-Phillipp Schiebel für das ausführliche Interview.

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Stenogramm Bayernliga Nord

Tore: 1:0 Pohl (22.), 1:1 Ebersberger (24.)
Zuschauer: 50 | Schiedsrichter: Jonas Kux (SC Germania Stöppach-Haarth)
SpVgg Mögeldorf
-
 2:2
DJK Don Bosco Bamberg: Paul, Alt, Constantinescu, Görl, Kircher, Sigl, Beyer, Sawinsky (36. Fößel), Ciftci (63. Dorn), Beck, Simon / Leng, Grasser, Rösch, Gößl
Tore: 0:1 Sawinsky (10.), 1:1 Huhnt (18.), 1:2 Simon (19.), 2:2 Kirschmann (61.)
Gelbe Karten: Schirling (70.) / Simon (70.+2) | Zeitstrafen: - / Constantinescu (61.)
Zuschauer: 147 | Schiedsrichter: Jason Altmann
FC Eintracht Bamberg 2010: Räder, Jung, Reichel, Dippold, Mamani-Rapoti (53. Hümmer), Baumgartl, Wust (61. Zirkel), Auer, Hohner, Kusch (49. Warter), Herold (63. Grammon)
Tore: 1:0 Schmitt (3.), 1:1 Auer (22.), 2:1 Ursu (46.), 3:1 Schmitt (63.)
Gelbe Karten: Zelenskiy (35.) / Wust (18.), Auer (43.)
Zuschauer: 60 | Schiedsrichter: Markus Marschall (SV Sendelbach-Steinbach)
Tore: keine Tore
Zuschauer: -
Tore: 1:0 Ochs (6.), 2:0 Ochs (23.), 2:1 Kreisheimer (41.), 3:1 Larkow (55.)
Zuschauer: 99 | Schiedsrichter: Mika Bauerfeind (1. FC Kronach 08 )
Tore: 0:1 Pötzinger (10., Wohn), 1:1 Arles (30., Schindler), 2:1 Schindler (46., Dogan), 3:1 Dogan (51., Arles), 4:1 Dogan (54., Göpfert), 4:2 Pötzinger (65.)
Gelbe Karten: Dogan - Foulspiel (48.) / -
Zuschauer: 80 | Schiedsrichter: Kevin Hegwein (TSV Langenfeld) 1,0
Tore: 0:1 Rudel (64.)
Gelbe Karten: - / Thöle (47.) | Zeitstrafen: - / Thöle (47.)
Zuschauer: - | Schiedsrichter: Christoph Klein


Tabelle Bayernliga Nord

Pl.
Team
Sp
Tore
Pkt
3
7
16:11
13
6
7
14:8
12
11
7
11:19
6
Direkter Vergleich bei Punktgleichheit, Tore werden bei direktem Vergleich nicht berücksichtigt (wenn punktgleich: Entscheidungsspiel).

Scorerpunkte Bayernliga Nord


Formbarometer Bayernliga Nord

Pl.
Team
Tore
Pkt
 
8:7
6
8
4:3
5
11
SpVgg Mögeldorf
6:18
2
Punkte aus den letzten 4 Spielen. Rechtes Kästchen = letztes Spiel, 2. Kästchen v.r. = vorletztes Spiel usw. Farben: grün = Sieg, weiß = Unentschieden, rot = Niederlage, grau = kein Spiel.


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