Artikel veröffentlicht am 18.02.2015 um 20:00 Uhr
Einwurf - die Fußball-Glosse: 50 Shades of Wintervorbereitung
MAGAZIN "Zuerst ging mein Atem stoßweise, mittlerweile bringe ich nur noch ein Keuchen hervor. Alles tut mir weh. Aber er kennt einfach keine Gnade. Immer wieder wird mir leicht schwarz vor den Augen und ich weiß wirklich nicht, wie lange ich das noch aushalten soll..."
Von Markus Schütz
Nein, das ist kein Auszug aus der Buchverfilmung "50 Shades of Grey", dem Streifen, der momentan in aller Munde ist. Das ist eine ganz normale Zustandsbeschreibung aus meinen insgesamt über 20 Wintervorbereitungen. Von denen die meisten in einer Zeit stattfanden, in der die ersten drei Wochen das Wort Ball ein Fremdwort war. Und als man den Trainingsplan zum ersten Mal sah, machte die Lebensfreude eine abrupte Pause - und kehrte dann ein paar Wochen lang nicht mehr zurück. Spinning, Aqua-Jogging, Soccerhalle - das kannten wir nicht. Und das, was wir am wenigsten kannten, waren trainingsfreie Tage. Die Parallelen zwischen der Thematik des Films "50 Shades of Grey" um die kleine, verschüchterte Anastasia Steele und den dominanten und leicht sadistisch veranlagten Christian Grey auf der einen und der Wintervorbereitung früherer Tage auf der anderen Seite, sind aber nicht zu leugnen. Wir waren damals 15 bis 20 kleine Amanda Steeles' - und der Trainer war unser Christian Grey. Vor allem im psychologischen Sinne, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen... mehr als gemeinsames Duschen nach dem Training war da nicht! Unterwerfung, Ausgeliefert sein, unbedingter Gehorsam und das Heranführen an die äußersten Grenzen des körperlich Erträglichen... das klingt für viele nach BDSM - für mich klingt es auch ein wenig nach Wintervorbereitung alter Prägung. Ob der Hauptdarsteller im Film allerdings seiner Anastasia zum Schluss auch zuschrie: "Noch vier, noch drei, noch zwei, noch einen...! Quäl dich! Du machst das doch nicht für mich, sondern für dich selbst!", weiß ich nicht. Aber passen würde es. Angeblich schauen ja übrigens vorwiegend Frauen den Film. Das wundert mich nicht, die meisten von ihnen haben ja auch noch keine 20 Vorbereitungen in den Knochen.

Als meine Freundin mich fragte, ob wir uns den Film im Kino anschauen wollen, habe ich also wahrheitsgemäß geantwortet: "Ne, lass mal. Geh du lieber alleine. Das Thema an sich habe ich schon ein paar Mal selbst durchspielen müssen - nur, dass es halt nicht verfilmt wurde und ich statt Strapsen Stutzen anhatte." Und vielleicht bringt sie ja auch ein paar Ideen mit nach Hause, so dass ich wenigstens hier ein bisschen Christian Grey sein darf. Kabelbinder habe ich sogar noch ein paar irgendwo hier herumliegen... Als Trainer ist man es natürlich längst nicht mehr. Da sind die Rollen mittlerweile vertauscht und mancher trainiert jetzt kleine Christian Greys - die er anfleht, zu kommen. Nicht im Sinne des Films zu kommen, sondern zum Training zu kommen. 

Aber jetzt mal ernsthaft im Bezug auf die momentan allerorten stattfindende Wintervorbereitung: Natürlich ist sie (nach einem Schuss in den Hodensack aus kürzester Distanz) so ziemlich der unbeliebteste Aspekt am Fußballerdasein. Das ist ja verständlich. Aber jeder Spieler sollte sich dazu zwingen, maximal häufig zum Training in der Vorbereitung zu kommen. Denn der Auftakt nach dem Winter ist, das weiß ein jeder, extrem wichtig. Einen guten Start erwischen, Selbstvertrauen tanken. Als mahnendes Beispiel sollte der misslungene Start des FC Bayern München gegen den VfL Wolfsburg dienen. Beim 1:4 kassierte der Deutsche Meister nämlich genauso viele Tore, wie in der gesamten bisherigen Saison!! Wenn uns das Gleiche passiert, erwischen wir in unserem Auftaktspiel nach dem Winter 34 Stück... das muss man sich mal vorstellen! Also, wenn das kein Warnschuss ist, dann weiß ich auch nicht mehr. 

Aber leider lassen die Teilnehmerzahlen gerade im Winter häufig zu wünschen übrig. Die momentan diskutierte Ausweitung der "Selbstkrankschreibung" auf sieben Tage, sie hat im Fußball längst Einzug gehalten. Mit den Konsequenzen der fehlenden Teilnahme hat allerdings jeder Fußballer selbst zu leben: wenn er den vorgegebenen Trainingsplan partout nicht einhält und dann am 1. Spieltag nach dem Winter trotzdem vehement einen Stammplatz einfordert... Das wäre ja wie... wie Griechenland! Im schlimmsten Fall wird er aus dem Kader gestrichen.

Heute ist übrigens Aschermittwoch. Und an dem ist alles vorbei. Also nicht alles, die Erde dreht sich ja noch. Zumindest aber die närrischen Tage. Während derer hatte ich einen Auftritt als Büttenredner. Doch der ging leider in die Hose... Ich sollte auf einer Faschingsveranstaltung eine launige Rede halten zu aktuellen Fußballthemen meiner Wahl. Leider wurde mir nach kurzer Zeit der Saft des Mikrofons abgedreht. 

Die Büttenrede begann so:

Endlich gibt es einen Ball,
ein wenig kleiner und in jedem Fall, 
mindestens genauso platt,
wie der, der gegen ihn getreten hat. 
Doch nicht, weil er die Luft verliert,
nein, er ist beim Sprung nur reduziert.
"Rundherum gibts keine Banden mehr!!"
Ein solcher Satz freut Polizisten sehr.
Gemeint jedoch ist, das ist klar, 
nur die Bande, die rund ums Spielfeld war. 
Das Ganze, das sich dann Futsal nennt,
und für den, der's bisher noch nicht kennt: 
vor ein paar Jahren gabs doch mal,
diesen Pferdefleisch-Skandal,
 Stichwort: "Lasagne aus Pferd"!
So in etwa ist der Beliebtheitswert...


Dann wurde das Mikrofon leise gedreht. Gut - es war auf einem BFV-Kappenabend - aber das hätte man mir ja vorher sagen können...

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