Artikel veröffentlicht am 24.09.2014 um 23:45 Uhr
Einwurf - die Fußball-Glosse: "Es geht schon wieder ums nackte Überleben"
MAGAZIN Egal, in welcher Liga, ob im Amateurfußball oder bei den Profis, die Saison läuft nun schon wieder seit geraumer Zeit. Bereits jetzt gibt es zahlreiche kriselnde Vereine, die mit dem Rücken zur Wand stehen, wo es drunter und drüber - und für viele schon wieder ums nackte "Überleben" geht.
Von Markus Schütz
Vielleicht sollten sich gefährdete Klubs Rat bei einem holen, der sich damit auskennt. Bergsteiger Reinhold Messner, der kürzlich seinen 70. Geburtstag feierte, gilt als Überlebens-Künstler. Er steht seit 70 Jahren jeden Früh auf... und überlebt! Bewundernswert! Das könnte beim Club aus Nürnberg zum Beispiel derzeit eng werden. Bereits vor vier Wochen stand übrigens in einer hiesigen Tageszeitung tatsächlich eine Polizeimeldung aus Hirschaid: 300,- Euro Schaden sind an einer Hauswand entstanden, weil Unbekannte das Wort "FCN" hingeschmiert hatten. Die Frage ist, ob das an der Farbe oder an den Buchstaben lag - und wie hoch der Schaden wäre, wenn man die gleichen Buchstaben heute an eine Hauswand pinseln würde. Wahrscheinlich um einiges höher. Und wie hoch wäre der Schaden erst, wenn sich die Unbekannten stattdessen für die Buchstaben "HSV" entschieden hätten...? Nach allem, was derzeit mit und rund um den Club los ist, kann man die Abschiedsworte von Ex-Trainer Verbeek fast ein wenig verstehen: "Ich hoffe, dass ich 90 Jahre alt werde. Dann kann ich sagen, ich hätte hundert werden können - aber ich habe beim 1. FC Nürnberg gearbeitet!"  

"Zieh dein Trikot aus..."

Das hat meine Mama früher immer zu mir gesagt, wenn ich nach einem Schülerspiel verdreckt darin nach Hause gekommen bin. Die Club-Spieler hörten diesen Satz jüngst auch. Allerdings nicht von der Mama - sondern von den Fans in der Kurve. Der Grund war auch nicht, dass die Trikots schmutzig waren, sondern die Spieler seien es nicht wert, das Trikot zu tragen... Wie ich damals, haben auch die Spieler sofort gespurt, zogen ihre Trikots aus und übergaben sie den Fans, die ihren Triumph genüsslich öffentlich machten und die auf einer Wäscheleine hängenden Trikots präsentierten. Da war meine Mama zurückhaltender, nachdem sie meines gewaschen und aufgehängt hat. Einen Satz wie: "Du bist es nicht wert, das Trikot des Vereins zu tragen!", habe ich nie zu hören bekommen. Dabei habe ich deutlich höhere Klatschen mit nach Hause gebracht, als ein 0:3. Bei aller gelebten und empfundenen Liebe zum Verein: es kann nicht sein, dass Leute, deren größte Leistung im Bereich Fußball es ist, Fußball zu schauen, Spieler nach einer Niederlage so demütigen dürfen. Meine Mutter wusste das damals...

Kommt die Lösung aus Südkorea?

Wo soll das noch hinführen? Mussten die Spieler diesmal nach der Niederlage gegen Heidenheim schon wieder ihre Trikots abgeben - oder vielleicht sogar die Unterhosen? Fast hätte man sich - beim Anblick der halbnackt davonschleichenden Spieler - gewünscht, dass Tim Wiese, bei dem man irgendwie zurzeit darauf wartet, dass er sich grün verfärbt, vor der Saison nach Nürnberg gewechselt wäre. Ob der sich wohl hätte zwingen lassen, sein Trikot auszuziehen? Oder Effenberg? Oder Eric Cantona? Aber ohne Fans geht es natürlich auch nicht, das ist klar. Vielleicht hilft hier eine Idee aus Südkorea weiter. Diese Südkoreaner sind ja ein technik-affines Volk. Weil nämlich einem seit Monaten erfolglosen Baseball-Klub die Zuschauer ausgingen, wurden Roboter entworfen (siehe hier), die die freien Plätze einnehmen. Der Fan selbst kann dann von zuhause über Internet seinen "Fan-Bot" steuern und über die eingebaute Kamera das Spiel mitverfolgen. Scheinbar klappt das, zumindest in Südkorea, ganz gut. Die Dinger können jubeln, klatschen und sogar die La Ola-Welle starten. Inwieweit sich eine fränkische Fan-Roboter-Version durchsetzen kann, die taktische Weisheiten von sich gibt, dauernd von ihrer eigenen, aktiven Zeit erzählt und sich zwei Paar Bratwürste und vier Bier hinter die Binde kippt, wird sich zeigen. Da bin ich aber optimistisch.

Wenn es dann allerdings so weit ist und wenn sich die Gelegenheit ergibt, werde ich mir auch mal ein Spiel vom Club anschauen. Natürlich nicht persönlich, sondern mein Roboter. Neben meinem würde dann vielleicht sogar der Roboter von Lothar Matthäus sitzen. Der hat in Zukunft ja Samstags oder Sonntags auch kaum mehr Zeit, selbst ins Stadion zu gehen, wenn es so weitergeht. Weil er jedes Wochenende eine andere heiratet... dazu die ganzen Vorbereitungen und die Flitterwochen und so. Und wenn dann sein Roboter zu meinem sagt: "I hope, we have a little bit lucky!", dann weiß ich, dass die Südkoreaner wirklich ganze Arbeit geleistet haben - und die Spieler ihre Trikots behalten dürfen, wenn sie wollen.

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