Artikel veröffentlicht am 25.06.2021 um 11:01 Uhr
Haßfurter Fußballidol tot: "Luggi" Müller im Alter von 79 Jahren gestorben
Der Fußball in der Region trauert um einen seiner erfolgreichsten Spieler. Ludwig Müller, den alle Welt nur "Luggi" nannte, ist nach schwerer Krankheit am Donnerstag im Alter von 79 Jahren in seiner Heimatstadt Haßfurt gestorben. Von dort war er einst losgezogen, um Nationalspieler und Deutscher Meister zur werden. Allen Angehörigen unser Beileid und Kraft in dieser nicht einfachen Zeit.
Von Marco Heumann
Deutscher Meister und das gleich dreimal! Nationalspieler! Haßfurter Fußballidol! Einst Retter seines FC, mit dem er später gebrochen hatte! "Schneeforscher" und guter Freund von Uwe Seeler oder Franz Beckenbauer! Es gibt vieles, was man einem, in den Sinn kommt, wenn man an "Luggi" Müller denkt.

Drei Szenen, die die Erinnerung prägen

Bei mir sind es vor allem drei Szenen! Die eine spielt im Sportheim der Spfr. Unterhohenried. Der Verein, der auch so etwas wie mein zweiter Heimatverein geworden ist, war damals auf der fast schon verzweifelten Suche nach einem neuen Vorsitzenden. Ihn zu finden, schien fast unmöglich. Irgendwann fiel auch der Name "Luggi" Müller! Dass der Alt-Internationale den Vorsitz bei einem kleinen Dorfverein übernehmen würde - aus meiner Sicht utopisch. Ich irrte mich! "Luggi" Müller war bereit Verantwortung zu übernehmen. Mehr noch, er tat es gerne, mit Blick für die vielen Ehrenamtlichen, die das Vereinsleben bereicherten und mit viel Einsatz. Der vermeintlich Große - den viele für unnahbar hielten - zeigte, was ihn Zeit seines Lebens auszeichnete, sein Herz für die Kleinen...

Die spielen auch bei der zweiten Geschichte eine Rolle. Im wahrsten Sinne des Wortes. Vier, fünf oder sechs Jahre alt waren die Buben und Mädchen, mit denen ich einst bei den Spfr. Unterhohenried das Projekt Nachwuchsfußball startete. Unterstützt von engagierten Eltern und mit Kids, deren Augen bei der wilden Jagd nach dem Ball  leuchteten. An einem Freitagabend waren es aber eher die Mamas und Papas, deren Augen diesen ganz besonderen Glanz hatten. Was war passiert? "Luggi" Müller hatte einen seiner besten Freunde zu Gast in Haßfurt. Sein Name: Uwe Seeler. Meine Idee: Eine Trainingseinheit für meine Jungs und Mädchen mit "Uns Uwe". Ein Anruf bei "Luggi" Müller und einen Tag später standen die beiden Ex-Nationalspieler in Unterhohenried auf dem Platz und passten sich mit dem Nachwuchs die Bälle zu. Zwei in Ehren ergraute Idole, die noch immer Spaß am Kicken haben.

Luggi Müller an seinem 75. Geburtstag vor einem Bild der Nationalmannschaft vor einem Länderspiel gegen Brasilien (3:1), Luggi Müller ist der Fünfte von rechts. 
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Vom "Straßenfußballer" zum Deutschen Meister

Vielleicht auch, weil sich "Luggi" Müller beim Kick mit den Buben und Mädchen ein wenig an die eigenen Anfänge erinnerte. 1941 mitten im Zweiten Weltkrieg geboren, war der Haßfurter ein echter "Straßenfußballer". Sein Vater war Torwart beim 1. FC Haßfurt, wo auch er seine beeindruckende Laufbahn begann. Nach den Jugendjahren wurde er schnell zum Leistungsträger in der Ersten der Flutbrückenkicker. Ein Riesentalent, dessen Fähigkeiten nicht unentdeckt bleiben sollten.

1964 wechselte er zum 1. FC Nürnberg in die Bundesliga. 1968 wurde er mit dem Club deutscher Meister. Dieser Titel und sein erstes Länderspiel gegen England in Hannover im Juni 1968, als beim 1:0 zum ersten Mal eine deutsche Nationalmannschaft die Engländer schlagen konnte, seien seine schönsten Erlebnisse als Profi gewesen, hat "Luggi" Müller vor einigen Jahren einmal gesagt.

Es folgten fünf weitere Länderspiele sowie zwei deutsche Meistertitel mit Borussia Mönchengladbach, wohin der Haßfurter nach dem Abstieg des FCN wechselte. Der als harter Abwehrspieler bekannte "Luggi" Müller war das fehlende Puzzleteil, das den Erfolgsweg für die stürmischen Fohlen ebnen sollte. Mit ihm und neuer Stabilität in dier Defensive holte Hennes Weisweiler die ersten beiden Meisterschaften mit der Borussia.

Das war er wieder bei seinem FC Haßfurt: Szene aus einem Landesliga-Spiel bei der DJK Wülfershausen.
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Gefoult vom "Büchsenopfer"

Die spielen auch in Geschichte Nummer drei, die meine Erinnerung an "Luggi" Müller geprägt hat, eine Rolle. Sie spielt kurz vor Geschichte Nummer eins. In Wülflingen, im Haus des Haßfurter Fußball-Idols, genauer gesagt in dessen Keller. Es ist schon spät, als ich gemeinsam mit einen Kollegen aus Unterhohenried dort lande. Ein Abend, der zur Reise in die Vergangenheit wurde. Im Hobbyraum hängen jede Menge Bilder von Mannschaften aus den 60er und 70er Jahren, die eines gemeinsam haben. "Luggi" Müller gehörte ihnen an. Eine beeindruckende Karriere auf einen Blick. Dazu ein gut gelaunter Ex-Profi, der aus dem Nähkästchen plauderte, Anekdoten aus seiner Zeit in Nürnberg und vor allem in Mönchengladbach zum Besten gab. Ein Abend, den ich genossen habe und für den ich hier noch einmal danke sagen möchte. Ein Abend, an dem ich der Bundesliga ganz nahe sein durfte. Bis hin zu den Untersetzern, auf denen unsere Biergläser standen. Sie waren alles andere als alltäglich, zeigten sie doch Szenen aus den Mönchengladbacher Meisterjahren.

Die Zeit am Niederrhein endete mit einem Schien- und Wadenbeinbruch. Erlitten hat ihn "Luggi" Müler in einem Europacupspiel gegen Inter Mailand. Es war die Partie, die dem legendären Büchsenwurf-7:1 folgte. Gefoult wurde der Vorstopper übrigens ausgerechnet von Roberto Boninsegna, dem Büchsenopfer.

Als Folge der Verletzung verlor Luggi Müller seinen Stammplatz und verließ Mönchengladbach in Richtung. Dort beendete er am 14. Juni 1975 nach 314 Begegnungen seine Karriere in der Bundesliga beendete – mit dem letzten seiner 26 Tore, einem Elfmeter.

1975 erhielt er auch das Bundesverdienstkreuz. Eine Auszeichnung, die ihn zu Recht stolz machte. Ebenso die Tatsache, dass er in Berlin und Nürnberg jeweils in die Jahrhundert-Elf seiner ehemaligen Vereine gewählt worden ist.

Für eine gute Sache war "Luggi" Müller stets bereit, sich einzusetzen. Hier ein Bild aus dem Jahr 2014: Daniel Rinbergas vom FC Sand, Sands Bürgermeister Bernhard Ruß, Wonfurts Bürgermeister Holger Baunacher, Luggi Müller, DJK-Vorsitzender Bernd Riedlmeier, Organisator Werner Griebel, Spielgruppenleiter Gerald Makowski und DJK-Kapitän Bernd Riedlmeier (von links) zeigen vor dem Anpfiff eines Benefizspiels noch einmal, worauf es an diesem Abend ankommt.
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Bayernliga-Meister mit dem FC Haßfurt

Aus der Bundesliga ging es zurück in die Heimat. Zum 1. FC Bamberg und zum 1. FC Haßfurt. Den führte der Rückkehrer als Spielertrainer 1978 zur Meisterschaft in der damals drittklassigen Bayernliga. Auch nach der aktiven Karriere blieb "Luggi" Müller, der mit seiner Frau in Haßfurt ein Bekleidungsgeschäft betrieben hat, seinem Heimatverein noch lange treu. Unvergessen ist vor allem die Unterstützung im Jahr 2009, als der Ex-Nationalspieler mithalf, dem vom Bankrott bedrohten Traditionsklub am Leben zu halten. Auch wenn er später mit dem Verein gebrochen hat, der Name "Luggi" Müller wird immer mit den erfolgreichen Zeiten des FC Haßfurt verbunden bleiben. Genau wie der am Donnerstag im Alter von 79 Jahren verstorbene "Luggi" Müller stets einer bleiben wird, der den Namen Haßfurt weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt gemacht hat. Ein Haßfurter Fußball-Idol.

Einer, bei dem jeder seine ganz persönlichen Geschichten im Kopf hat. Für den einen spielen sie am Bökelberg, im Berliner Olympiastadion. Für den anderen an der Flutbrücke oder auf einem Golf- oder Tennisplatz. Und für mich auf dem Sportplatz und im Sportheim von Unterhohenried sowie in einem Keller in Wülflingen. Ruhe in Frieden "Luggi" Müller!

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Steckbrief L. Müller

Ludwig Müller
Spitzname
"Luggi"
Alter
79
Todestag
24.06.2021
Geburtsort
Haßfurt
Familie
1 Kind
Nation
Deutschland
Erfolge
Dreimal deutscher Meister mit dem 1. FC Nürnberg (1968) und Borussia Mönchengladbach (1970/1971), Bayernliga-Meister als Spielertrainer mit dem FC Haßfurt (1978)
Seine Bundesliga-Spiele

1964–1969 1. FC Nürnberg 136 (10 Tore)
1969–1972 Borussia Mönchengladbach 81 (6)
1972–1975 Hertha BSC 97 (10)

Seine Länderspiele

1968-1969 6 (0)


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