Artikel veröffentlicht am 26.02.2021 um 11:30 Uhr
BFV-Verbandsarzt Werner Krutsch: Mindestens drei Wochen Vorbereitung für Amateure!
Als leitender BFV-Verbandsarzt kennt Prof. Dr. Werner Krutsch die Belange der Amateurklubs. Unter der Moderation von Bezirks-Vorsitzenden Thomas Graml stellte er sich während 90 Minuten den Fragen von über 50 Oberpfälzer Vereinen und Medienvertreter*innen. Wir haben die wesentlichen Fragen zusammengefasst.
Von Timmy Joe Schlesinger/BFV / MG
Prof. Dr. Werner Krutsch
Matthias Wagner
Wie viel Vorbereitungszeit ist nach dieser langen Pause nötig?
Werner Krutsch: In der Bundesliga waren es neun Tage. Hier konnte man aber auf sehr intensive Einzeltrainings während der Unterbrechung bauen, welche eine kürzere Vorbereitungszeit erlaubte. Im Amateurbereich haben wir uns im Expertenteam auf mindestens drei Wochen geeinigt. Grundsätzlich kann und sollte man natürlich schon jetzt mit Individualtraining beginnen. Ein gesunder Mix aus Ausdauer- und Krafttraining sowie Stabilisationsübungen bieten sich an.

Kann es zu Beginn zu vermehrten Verletzungen kommen?
Krutsch:
Das ist theoretisch möglich, ja, kann im Fußball aber auch nach längeren Vorbereitungszeiten passieren. Aber jeder Einzelne kann schon jetzt etwas dagegen tun, Präventionsübungen sind nicht abhängig vom Mannschaftstraining und können individuell gestartet werden.

Ist ein Fußballspiel in einem Hotspot gefährlich?
Krutsch:
Fährt man nur zum Fußballspiel in eine Hotspot-Region, ohne sich davor oder danach noch in der Fußgängerzone aufzuhalten, dann ist das Ansteckungsrisiko gering. Das gibt einfach die Art unseres Sports nicht her. Wir bewegen uns in freier Luft und auf einem großen Platz, haben wenig Face-to-face-Momente. Bisher gibt es zudem keinen bekannten Fall, bei dem sich eine Sportlerin oder ein Sportler auf einem Fußballfeld angesteckt hat. Im Hallensport sieht das leider anders aus.

Benötigt es aufgrund der Mutationen angepasste Hygienekonzepte?
Krutsch:
Im Moment sieht es für den Sport nicht danach aus. Die aktuellen Hygienemaßnahmen gelten nach wie vor. Abstand halten, Nies- und Hustetikette beachten, Händewaschen, Mund-Nasen-Bedeckung tragen und regelmäßiges Lüften sind weiterhin das Gebot der Stunde. Die Mutationen sorgen nur dafür, dass wir uns strikter an diese Regeln halten müssen, da sich das Virus bei Nichteinhalten schneller verbreiten kann. Wenn wir die Hygieneregeln diszipliniert anwenden, dann habe ich wenig Sorge.

War es richtig, dass wir in der Vergangenheit bei Verdachtsfällen oder bestätigten Infektionen ganze Spiele abgesagt und den Trainingsbetrieb eingestellt haben?
Krutsch:
Sollte der Verdacht bestehen, dass sich mehrere Spieler*innen nach einer positiven Testung im Team angesteckt haben könnten, dann ist es natürlich weiterhin richtig, Spiele abzusagen und den Trainingsbetrieb einzustellen. So geht ja auch das Gesundheitsamt vor, wenn die Kontaktnachverfolgung nicht vollends nachvollzogen werden kann. Wir gehen dann in eine sogenannte Schutzquarantäne. Ideal ist es allerdings, wenn Kontakte im Team nachzuvollziehen sind, denn dann muss nicht immer das gesamte Team in Quarantäne.

Kann man sich während dem Duschen anstecken?
Krutsch:
Zu Beginn der Pandemie haben wir sicherheitshalber das gemeinsame Duschen nicht empfohlen. Heute können wir sagen, dass während dem Duschen wenig Gefahr besteht, insofern man untereinander auch hier Abstand hält. Der Wasserdampf erscheint als wenig problematisch.

Ist das Fußballspielen mit Maske sinnvoll?
Krutsch:
Das finde ich nicht. Die in Bayern vorgeschriebenen FFP2-Masken filtern auch kleinste Virusteilchen und schützen uns so vor einer Ansteckung. Beim Tragen merkt man aber sofort, dass das Atmen erschwert wird. Die geringe Sauerstoffzufuhr ist natürlich während des Fußballspielens kontraproduktiv. Masken, unter denen man besser atmen kann, erfüllen wiederum nicht den gewünschten Zweck des Infektionsschutzes. Wie aber anfangs schon gesagt, ist Fußball aufgrund des geringen Vollkontakts nicht prädestiniert dafür, sich mit dem Virus anzustecken. Daher brauchen wir auf dem Feld auch keine Masken.

Sollte man auf einen ausgiebigen Torjubel verzichten?
Krutsch:
Hier sprechen zwei Herzen aus meiner Brust. Das Fußballerherz weiß natürlich, dass man nicht vollends auf einen Torjubel verzichten kann. Fußball ohne Freude ist schier nicht vorstellbar. Mein Medizinerherz aber sagt, dass man das lange Umarmen mit Rudelbildung nach einem Tor möglichst vermeiden sollte.

Welche Aufgabe hat das Kreuzbandregister?
Krutsch:
Hier haben sich Mediziner am Universitätsklinikum Regensburg zusammengeschlossen, um Forschungsergebnisse zu Kreuzbandrissen zu sammeln und dadurch eine verbesserte Verletzungsprophylaxe zu erreichen. Wir schicken an Verletzte Fragebögen, mit denen wir unter anderem wissen wollen, wie die Verletzungen entstanden sind und wie es ihnen im weiteren Verlauf der Reha erging. Hier haben wir vermehrt festgestellt, dass man meist ohne Foul, sondern mehr oder weniger ohne erkennbaren Grund wegknickt und sich dadurch verletzt. Hier spielt natürlich auch die Schuhwahl eine Rolle, aber auch andere Faktoren, welche wir im Detail untersuchen.

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