Artikel veröffentlicht am 29.07.2020 um 12:00 Uhr
Ist der Saison-Re-Start in Gefahr?: Kein Unterschied zwischen Amateuren und Profis!
Die Entscheidung des Freistaates die sechste Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung bis zum 16. August zu verlängern war ein Schlag ins Gesicht für viele Fußballer und Vereine in Bayern. Auch BFV-Präsident Dr. Rainer Koch zeigt Unverständnis über diese Entscheidung und fordert den Freistaat auf seine Sichtweise zu überdenken. "Das Virus macht keine Unterschiede zwischen Profis und Amateuren!"
Von Sebastian Baumann
In einem Statement auf Facebook bringt der Vizepräsident des DFB, zuständig für den Amateurfußball, seine Verwunderung zum Ausdruck. "Wer ein Trainingsspiel Olympique Marseille gegen den SV Heimstetten erlaubt, der sollte auch Trainingsspiele für die bayerischen Amateurvereine erlauben. Probleme bereiten bei der Bekämpfung des Virus im Moment am allerwenigsten die Menschen, die nicht ins Ausland in Urlaub fahren, sondern zu Hause bleiben und im August gerne unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen Fußballspiele zur Vorbereitung des Wettkampfspielbetriebs austragen wollen."

Kein Wunder, dass der Verband in der vergangenen Woche noch mit einem Statement, dass Testspiele in Sicht sein könnten, für große Hoffnung bei den Aktiven gesorgt hatte. Aus Sicht des Verbandes sieht sich Koch gut gerüstet für Testspiele und einen möglichen Saisonstart. "Völlig klar, dass gegebenenfalls Infektionsketten nachverfolgbar sein und Hygienekonzepte eingehalten werden müssen. Die vom BFV gemeinsam mit dem DFB und den anderen Landesverbänden entwickelten Hygienekonzepte gewährleisten  den Grundsatz: Gesundheit zuerst."

Dr. Rainer Koch
Fabian Frühwirth, BFV


Der Verband setzt weiter auf Re-Start im September


Dennoch hatte sich der Präsident des Bayerischen Fußballverbandes eine andere Entscheidung erhofft. Schließlich soll der Re-Start Anfang September erfolgen mit den Pokalspielen der Saison 2019/20, danach waren die ersten Ligapokalspieltage geplant. Der Start soll auch weiterhin im September erfolgen, wie die letzte Pressemeldung des Verbandes zum Ausdruck bringt. "Stand jetzt bleibt dieser Plan bestehen. Ebenso gilt nach wie vor die Beschluss-mäßige Zusage, dass wir die Wiederaufnahme des Spielbetriebs mindestens vier Wochen zuvor ankündigen werden." Inwieweit die Vereine dann die Möglichkeit bekommen vorher auch Testspiele zu machen, bleibt aber weiter offen. Schließlich sprach der Verband in Person von Verbandspielleiter Josef Janker bisher nur davon, dass in einem Zeitfenster von vier bis sechs Wochen vor einem Re-Start Training mit Kontakt möglich sein soll. Diese Voraussetzung ist aktuell erfüllt. Zusätzlich denkt der Verband darüber nach Testspiele auch ohne Zuschauer durchzuführen, um das Infektionsrisiko möglichst niedrig zu halten.  Freilich wollen die Vereine und Spieler vor einem Neustart Testspiele bestreiten und wandern deswegen teilweise ins benachbarte Ausland oder auch in benachbarte Bundesländer aus. "Diesen Punkt werden wir am Donnerstag, wenn die außerordentliche Präsidiumssitzung stattfinden, auch diskutieren", hieß es dazu aus der Pressestelle des BFV am gestrigen Abend.  Versicherungsrechtliche Punkte spielen dabei natürlich auch eine große Rolle.

Hofft darauf, dass der Freistaat einlenkt: Dr. Rainer Koch
fussballn.de / Schlirf

Fehlende Begründung des Freistaates

Besonders stört sich Dr. Rainer Koch auf alle Fälle daran, dass der Freistaat Bayern keine Begründung vorgebracht hat, wieso Testspiele nicht stattfinden können. "Der BFV und die bayerischen Amateurvereine haben diesbezüglich keine andere Meinung als die bayerische Staatsregierung, ich unterstütze jedes behutsame und vorsichtige Vorgehen. Wenn die Regierung mit ihren Entscheidungen aber bei den über 4500 Fußballvereinen und deren über 1,5 Millionen Mitgliedern auf breites Verständnis stoßen will, muss sie ihre Entscheidungen so treffen und begründen, dass sie von den Menschen verstanden und akzeptiert werden. Die Nichtfreigabe von Freundschaftsspielen im Amateurfußball stößt bayernweit auf großes Unverständnis, zumal sie zumindest bislang von der Staatsregierung in der Sache in keiner Weise begründet worden ist."

Dass die Menschen in München bei Blasmusik zu "Sommer in der Stadt" feiern dürfen, ohne große Sicherheitsabstände einzuhalten, aber Fußballspieler nicht ihrem Hobby nachkommen können, stört Koch ebenso. "Die bayerischen Amateurfußballer wären im Moment schon zufrieden, wenn sie Fußball noch nicht mit Zuschauern feiern, wenigstens aber zu Vorbereitungszwecken in Freundschaftsspielen gegen ein anderes Team mit Schiedsrichter spielen dürften. Wir werden uns ab sofort weiterhin intensiv darum bemühen, dass die Staatsregierung Freundschaftsspiele sehr zeitnah erlaubt.  Ich hoffe, dass wir bis Donnerstag erklärt bekommen, warum Fußballspiele am Wochenende in Württemberg, Baden, Hessen, Thüringen, Sachsen, Tschechien und Österreich, nicht aber in Bayern erlaubt sind. Ich verstehe es im Moment nicht und bin jetzt gespannt, ob der FC Bayern sein Trainingsspiel gegen Olympique Marseille durchführen darf. Ich hoffe und wünsche, dass dieses Spiel stattfinden kann, aber dann bitte Erlaubnis auch für die Amateurfußballer! Das Virus macht keine Unterschiede zwischen Profis und Amateuren."

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