Artikel veröffentlicht am 10.07.2019 um 18:30 Uhr
7. Deutsche Polizeimeisterschaft: Zwei Fränkinnen mit der Raute auf der Brust
Im Frauenfußball ist Sommerpause. Einige Vereine genießen Ihre Abschlussfahrten bei sommerlichen Temperaturen oder verbringen gemeinsam ihre Zeit bei Gaudi-Turnieren.  Vom 1. bis 4. Juli fand im oberbayerischen Eichstätt die 7. Auflage der Deutschen Polizeimeisterschaft statt. Deutschlands beste Polizistinnen kämpften um den Titel und mittendrin waren zwei Spielerinnen aus Oberfranken...
Von Tobias Mühlsteff

Julia Rößner sowie Sophia Hübner, die in der vergangenen Spielzeit noch für den Bayernligisten SV Frensdorf bzw. Landesligisten SpVgg Bayreuth das Trikot überstreiften, hielten unter dem Motto "Bayern, des samma mia" die fränkischen Fahnen hoch. Neben Titelverteidiger Bayern, der nach 2013 und 2016 das Tripple anpeilte, kämpften noch die qualifizierten Teams aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen, Berlin und eine Auswahl der Bundespolizei/Bundeskriminalamt um den heiß begehrten Polizeimeisterschafstitel.

Die Hoffnungen erleiden herben Dämpfer

Die Polizei Bayern bestritt die Eröffnungspartie gegen die Mitfavoriten aus Nordrhein-Westfalen, wo sich einige höherklassige Spielerinnen wie Sarah Schmitz (Borussia Mönchengladbach/Bundesligaabsteiger) oder Isabell Wolf bzw. Marina Hermes (beide FSV Gütersloh/2. Bundesliga) tummelten. Überraschend wurde Bundesligaspielerin Pauline Dallmann, jüngere Schwester von Nationalspielerin Linda Dallmann die zur kommenden Saison zum FC Bayern München wechselt, nicht nominiert. Im Eröffnungsspiel wurde gleich ein höherklassiges Schiedsrichtergespann mit dem „noch“ 3. Liga-Schiedsrichter Henry Müller aus Cottbus sowie die Assistenten Philipp Hüwe und Frauenbundesliga-Schiedsrichterin Susann Kunkel eingesetzt. Zu Ihrem ersten Pflichtspieleinsatz kam Sophia Hübner, die gleich die Rolle als Außenverteidigerin im Team annehmen musste.  Schon nach wenigen Minuten machte das Schiedsrichter-Trio keinen guten Eindruck, als die Ingolstädterin Ramona Maier im Strafraum von NRW zu Fall gebracht worden und der Pfiff ausblieb. Nach knapp einer Viertelstunde ging NRW mit einem Doppelschlag binnen 60 Sekunden in Führung; wobei die Hereingabe von Torschützin Isabell Wolf zum 2:0 abseitsverdächtig aussah. Bayern konnte durch Ilona Eberhard den zwischenzeitlichen 1:2 Anschlusstreffer erzielen, aber musste bis zur Pause durch spielstarke NRW-ler den 1:3 Halbzeitrückstand hinnehmen. Nach der Pause erhöhte Alina Stallmann für NRW zum 4:1 Endstand. Bayern versuchte vergeblich das Ergebnis positiver zu gestalten, aber hatte großes Pech mit dem Aluminium. Eine Notbremse an Bayerns Stürmerin Maier sorgte wieder für viel Gesprächsbedarf, da sich Unparteiische Müller und Assistentin Knauer mit der Kartenwahl uneinig waren und Henry Müller nur den gelben Karton für die Übeltäterin zückte. Julia Rößner kam in den letzten 20 Minuten auch zu Ihrem Einsatz, aber am Ende war es für Julia Rößner und Sophia Hübner kein guter Start mit Ihrem Team in das Turnier. So platzte die „Mission Titelverteidigung“ schon am ersten von zwei Gruppenspieltagen und das Finale war nach diesem Zeitpunkt kaum noch zu erreichen gewesen.

Die Mannschaft der Frauen der Polizei Bayern bei der diesjährigen 7. Deutschen Polizeimeisterschaft in Eichstätt. Mit dabei sind zwei Spielerinnen aus Oberfranken: Sophia Hübner (hintere Reihe 1. v. l.) sowie Julia Rößner (hintere Reihe 5. v. l.).
anpfiff.info

Traum geplatzt

Nach einem Tag Spielpause ging es für Bayern am Dienstag gegen das Bundesland Hessen. Hessen verlor das Auftaktspiel gegen NRW mit 2:3 und so kam es zum entscheidenden Spiel um den Einzug in das kleine Finale. Bayern rotierte auf vier Positionen durch und Julia Rößner fand einen Platz in der Startelf und für Sophia Hübner war 80 Minuten „Bank drücken“ angesagt. Hessen ging durch die ehemalige Bundesligaspielerin (vom 1. FFC Frankfurt) Meike Weber in Führung. Als Anne Wagner für Bayern den Ball über Hessens Torwart lupfte und außerhalb des Strafraums zu Fall gebracht worden war, pfiff Regionalliga-West Schiedsrichter Philipp Hüwe den Vorteil für Bayern ab, obwohl der Ball zum 1:1 Ausgleich im Tor gelandet wäre. Bayern haderte mit den Unparteiischen: Tor geklaut, Torhüterin nicht vom Platz gestellt und am Ende brachte der Freistoß keinen Torerfolg. Bayern schaffte durch einen indirekten Freistoß den 1:1 Ausgleich, aber die spielstarke und kaum zu bremsende Nina Neumann (Eintracht Frankfurt) erzielte das 2:1 für Hessen. Christina Schellenberg vom SV 67 Weinberg erzielte sehenswert den 2:2 Ausgleichstreffer, aber am Ende ließen die Kräfte vom Team Bayern nach. Die Erfahrungen auf der Seite Hessen war klar anzusehen, da auch eine Champions-League Siegerin von 2015 vom 1. FFC Frankfurt mitwirkte: Laura Störzel, die mit einem Lupfer aus 30m den 5:2 Endstand für Hessen erzielte. Bayern durfte am Donnerstag das undankbare Spiel um Platz 5 gegen Berlin spielen. Schlimmer kam für Team Bayern noch, dass sich gleich drei Akteure angeschlagen das Spiel gegen Hessen verlassen mussten und gegen Berlin war improvisieren angesagt. 

Sieg im letzten Spiel – Hübner trifft sehenswert

Die Polizei Bayern wollte sich zum Abschluss vor Ihrem Heimpublikum mit einem Sieg verabschieden. Lautstarke Unterstützung bekamen die Akteurinnen von einigen Schulklassen, die mit „Bayern“-Rufe oder „Auf geht’s Bayern schießt ein Tor“ regelrecht von der Seitenlinie angepeitscht worden sind – mit vollem Erfolg. Berlin hatte an diesem Tag nichts dagegenzusetzen und kassierte die höchste Turnierniederlage in den vier Tagen. Für Julia Rößner und Sophia Hübner stand das „Abschlussspiel“ unter sehr guten Bedingungen, da beide über die komplette Spielzeit auf dem Platz standen und zumindest sich eine in die Torschützenliste eintragen durfte. Den Torreigen eröffnete Lena Schranner und vor der Pause erhöhte Ramona Maier nach einem Missverständnis der Torhüterin auf 2:0. In einer psychologischen Phase erhöhte Schranner kurz nach Wiederbeginn zum vorentscheidenden 3:0. Der schönste Treffers des Spiels gelang Sophia Hübner: Von der linken Flügelseite schüttelte sie zwei Abwehrspielerin ab und bugsierte den Ball von der Strafraumkante unhaltbar in den oberen linken Winkel. Jubel-Ekstase pur war angesagt: Der Bayreutherin war die Erleichterung regelrecht anzumerken, da sie mit ihrer persönlichen Leistung in den zwei Spielen nicht zufrieden war und mit einer starken Spielleistung gegen Berlin sich förmlich belohnte. Am Ende gewann Bayern das Spiel mit 5:1 und danach hieß es für die Mannschaft fleißig Autogramme schreiben, da die Mannschaft von einigen Schülern nach Schlusspfiff sehr gefragt waren.

Nordrhein-Westfalen wird Deutscher Polizeimeister

Im Finale blieb die große Überraschung aus und so gewann NRW seine vierte Meisterschaft mit einem 3:0 Erfolg über Niedersachsen. Isabell Wolf durfte am Ende doppelt jubeln, da sie zur besten Spielerin des Turniers sowie erfolgreichsten Torschützin ausgezeichnet worden ist. Im Juni 2020 findet die Europäische Polizeimeisterschaft in Norwegen statt und 2022 wird in NRW die 8. Auflage der Deutschen Polizeimeisterschaft ausgespielt – hoffentlich mit Unterstützung aus Oberfranken …

Stimmen zum Turnier

Sophia Hübner: „Für meine erste Deutsche Polizeimeisterschaft in Eichstätt als Titelverteidiger waren es in den 4 Tagen einige Erfahrungen, die ich sammeln durfte! Auch wenn es nur zu dem 5. Platz gereicht hat, haben wir („die Bayern“) bis zum Schluss den Willen und die Leidenschaft gezeigt, die uns als Mannschaft auch auszeichnet. Wir sind mit einem Umbruch in das Turnier gestartet und in 3 Jahren werden wir in NRW das Treppchen ehrgeizig anstreben!“

Julia Rößner: „Für mich war es die erste Teilnahme an der DMP und ein unvergessliches Erlebnis. Der 5. Platz war natürlich enttäuschend, aber wir haben daraus unsere Lehren gezogen. Das Ziel ist es jetzt die Qualifikation zur nächsten DPM erfolgreich zu bestreiten, um in NRW mit der jungen Mannschaft eine bessere Platzierung zu erreichen. Die Motivation und das Potential ist auf jeden Fall da.“

Für die Polizei Bayern spielten:
Katharina Axt, Ilona Eberhard, Lena Fenzl, Mara Grimm, Sophia Hübner, Eva-Maria Kopp, Jasmin Kraus, Stefanie Küpferling, Ramona Maier, Dana Riedleder, Julia Rössner, Christina Schellenberg, Lena Schranner, Saskia Seidel, Marie Söllner, Tatjana Vogt, Anne Wagner, Sabrina Walter

Folgende Unparteiische waren im Einsatz
:
Susann Kunkel (1. Frauen Bundesliga/Hamburg), Michael Emmer (Regionalliga Bayern/Passau), Henry Müller (Absteiger aus der 3. Liga/Cottbus), Elias Tiedeken (Regionalliga Bayern/Augsburg), Maximilian Riedel (Aufsteiger in die Regionalliga Bayern/Augsburg), Thomas Stein (Regionalliga Bayern/Würzburg), Philipp Hüwe (Regionalliga West/Coesfeld), Roman Solter (Bayernliga/Weiden), Oliver Topp (Oberliga Westfalen/Paderborn)

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