Artikel veröffentlicht am 05.12.2017 um 20:15 Uhr
Tino, Toni und ihre Weltauswahl: Ganz viel Spaß und ohne Druck
Seit dieser Saison schickt der SV Dörfleins erstmalig auch eine Frauenmannschaft ins Rennen um Punkte und Tore. In der Kreisklasse Süd sorgen die Newcomer auf Anhieb gehörig für Furore. Welchen Anteil die eigenen Ultras daran haben und warum sich die Männer des SVD die eigenen Ladies zum Vorbild nehmen können, erzählt Spielgestalterin Elli Rahmer...
Von Bernd Riemke
Constantin „Tino“ Stretz hat Bock auf Frauenfußball. Als sich zum Ende der Vorsaison abzeichnete, dass es beim FC Bischberg mangels Personal nicht weitergehen wird, suchte sich der 39-Jährige gemeinsam mit Johanna Künzel eine neue Herausforderung. Das dynamische Duo initiierte schließlich die Gründung einer Frauenmannschaft in Dörfleins und startete dazu zunächst einen Aufruf via Social Media. Der Rücklauf war überwältigend. Neben einigen Spielerinnen aus gemeinsamen Bischberger Zeiten, die gerne weiterkicken wollten, meldeten sich interessierte Mädels aus „aller Herren Länder“. Schammelsdorf, Litzendorf, Zapfendorf, Viereth, Trunstadt, Bischberg, Bamberg – zum Trainingsauftakt im Mai 2017 versammelte sich eine illustre „Weltauswahl“ auf dem schmucken Sportgelände des SV Dörfleins. Eine, die sich nicht gesucht, aber gefunden zu haben scheint.

Von 0 auf 100 in elf Spielen

„Wir haben uns auf Anhieb super verstanden“, bekräftigt Elisabeth Rahmer – eine aus der Bischberger Garde, die über ausreichend Spielwitz und jede Menge Erfahrung verfügt. Damit zählt sie jedoch im Newcomer-Team in grün und weiß zu einer Minderheit. „Die meisten von uns waren zu Beginn blutige Anfänger“, zollt die 24-Jährige ihren Mitspielerinnen höchsten Respekt, da diese enorm schnell gelernt haben, jederzeit top motiviert sind und dankbar hilfreiche Tipps von den Kameradinnen annehmen, die sich schon in anderen Vereinen ihre Sporen verdienten. „Ich war selbst überrascht, wie schnell die sich reinmausen. Bei manchen ist es echt schade, dass sie den Fußball nicht schon eher für sich entdeckt haben“, zeigt sich Elli Rahmer sichtlich begeistert von ihren neuen Mitspielerinnen. Rebekka Hagel ist so eine, die mit ihrem starken linken Fuß schon manchen Treffer erzielt hat und dennoch voller Entwicklungspotenzial steckt. Nadine Weiß ist auch so eine. Die 20-Jährige beweist in der Hintermannschaft enorm gutes Stellungsspiel und ist aus der Stammelf beinahe nicht mehr wegzudenken. Und dann ist da noch Mirjam „Mimi“ Fuchs, die den Libero-Posten für sich entdeckt hat und diese Position auf Anhieb derart verinnerlichte, dass es ihr wahrhaft nicht anzumerken ist, dass sie mit 32 Jahren zum ersten Mal aktiv im Verein gegen einen Ball tritt.

Elisabeth Rahmer (grün) zeichnen das Auge für ihre Mitspielerinnen und die Fähigkeit, den entscheidenden Pass in die Tiefe zu spielen, aus.
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Die drei Genannten stehen freilich nur exemplarisch für eine ganze Horde motivierter Mädels. Nicht selten tummeln sich bei den wöchentlichen Trainingseinheiten zwanzig oder mehr Spielerinnen, die nicht nur die Liebe zum Fußball eint. „Obwohl wir uns erst wenige Monate kennen, unternehmen wir viel zusammen. Da sind alle mit dabei“, schließt Elisabeth Rahmer nicht nur die beiden Trainer ein, sondern auch Isabelle Schubert. Die Torhüterin sticht gleich mehrfach aus dem Kader heraus. Mit 47 Jahren ist sie zwar „Kader-Mama“, aber auch eine derer, die bei Feiern nie fehlt. Wenn es im Team stimmt, dann stimmt es meist auch auf dem Platz – genau wie bei den Damen des SV Dörfleins, die in ihre Premierensaison ohne jeden Druck, dafür aber mit umso mehr Spaß gestartet sind. Das wiederum ist eine Kombination, die sich in den Pflichtspielen in überraschende Erfolge umwandeln ließ. Mit sieben Siegen aus elf Spielen rangiert der neu formierte SVD auf einem starken vierten Rag im 12er-Feld der Kreisklasse Süd. „Die ersten Siege haben natürlich gepushed, das Selbstvertrauen gesteigert und Lust auf mehr gemacht“, so Rahmer, die die aktuell herausragende Platzierung aber durchaus realistisch einzuschätzen weiß. An einen Aufstieg im ersten Jahr denkt im grün-weißen Lager freilich niemand. Vielmehr gilt es im Frühjahr die guten Leistungen aus der ersten Halbserie zu bestätigen und nach Möglichkeit einen Platz unter den Top 5 der Liga bis zum letzten Spieltag zu behaupten.

Traumberuf? Trainer einer Frauenmannschaft... oder auch nicht

Dass die Mannschaft dieses Ziel nicht aus den Augen verliert, dafür sorgen Good Cop und Bad Cop an der Seitenlinie. „Was Tino verbockt, bringt Toni wieder in die Bahn“, beschreibt Elli Rahmer schmunzelnd das Erfolgs-Trainerduo. Tino Stretz verkörpert dabei eher den ebenso akribischen wie kritischen Arbeiter, der der empfindlichen weiblichen Fußballerseele miunter recht fordernd gegenüber tritt. Toni Nürnberger überzeugt zwar zweifellos mit großem Fachwissen und fußballerischen Fähigkeiten, verdient sich die Anerkennung seiner Mädels aber auch durch manch humorvollen Spruch auf den Lippen. „Er weiß, wie er mit uns umgehen muss, damit wir nicht gleich beleidigt sind“, weiß auch Rahmer selbst, dass es für ihre beiden Heroes nicht immer leicht sein muss, eine Frauenmannschaft zu trainieren. Am Ende ergänzen sich beide perfekt und sind mehr als nur kleine Mosaiksteinchen auf dem Weg zur fulminanten ersten Halbserie des SVD gewesen.

Die Ultras begleiten ihre SVD-Damen bei jedem Spiel.
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Die bisherige Erfolgsstory des SV Dörfleins hat indes viele Namen. Ohne Melanie Jander, die unermüdliche auf Sponsorensuche ist und auf unersetzbare Weise rund um das Team scheinbar sämtliche organisatorischen Dinge erledigt, stünde der SVD nicht da, wo er jetzt steht. Ohne den eigens neu gegründeten Fanclub vielleicht auch nicht. Die Ultras – neun Jungs, die bei jedem Spiel mitfiebern – haben sich selbst mit Fanshirts und Fahnen ausgestattet und geben in kritischen Spielsituationen von außen noch einmal richtig Gas. „Dadurch schüchtern sie vielleicht manchen Gegner ein und wir bekommen wieder Oberwasser“, so Rahmer über den eigenen Fanclub, der zwar stimmgewaltig am Spielfeldrand für Unterstützung sorgt, das Kabinen-Gewinnerlied aber nicht ersetzen kann. „There‘s not a star in heaven that we can‘t reach“, heißt es im Highschool Musical im Lied Breaking free und dieser Jetzt-Schon-Klassiker der Musikgeschichte umschreibt den unbändigen Willen der grün-weißen Damen wohl am besten. „Daran könnten sich unsere Männer mal ein Vorbild nehmen“, stichelt Rahmer augenzwinkernd zum hauseigenen Bezirksligisten, der sich vehement gegen den Abstieg stemmt, denen Düsel & Co aber selbstverständlich kräftig die Daumen drücken. Sina Düsel ist die Spielführerin. Eine von der ruhigeren Sorte. Das Reden übernimmt Elli Rahmer. „Das hilft meinen Mitspielerinnen und mir selbst auch, denn dann weiß ich, was die anderen gerade machen oder sie geben mir eine Rückmeldung, was sie eben gerade nicht machen können. Auch wenn durch das viele Reden manchmal meine Luft ein bisschen knapp wird“, erklärt die 24-Jährige lachend. Ganz und gar nicht knapp war es bislang um die Punktausbeute bestellt und das soll im Frühjahr auch so weitergehen, damit das Highschool-Musical sein Happy End findet…!

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Steckbrief E. Rahmer

Spitzname
Elli
Alter
24
Geburtsort
Bamberg
Wohnort
Bischberg
Familie
in Beziehung
Nation
Deutschland
Beruf
Internationale Bilanzbuchhalterin
Hobbies
Fitnessstudio
Starker Fuß
Rechtsfuß
Lieb.-Position
defensives Mittelfeld ("6er")


Tabelle Kreisklasse Süd

Pl.
Team
Sp
Tore
Pkt
1
10
99:0
30
3
10
48:14
25
4
11
30:28
22
5
10
41:13
21
6
10
38:15
16
7
11
26:38
16
8
11
11:28
10
10
11
13:52
7
11
11
11:81
4
12
11
6:68
0
Direkter Vergleich bei Punktgleichheit

Torschützen SV Dörfleins

(11|0|6)
7
(11|0|7)
5
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