Artikel vom 30.12.2020 06:00 Uhr
Gegen Eintracht-Kapitän Sebastian Valdez (li.) schirmt Don Boscos Manuel Bauer das Spielgerät ganz fein mit dem Außenrist ab.
Aufgrund einer
beruflichen Veränderung musste Philipp Karg sein Amt als Coach der U19 bei Don
Bosco Bamberg vor einigen Wochen aufgeben, Sein Nachfolger ist Thorsten
Gotthardt. anpfiff.info bat den 44-Jährigen zum exklusiven und ausführlichen Gespräch.
Herr Gotthardt, Sie
treten als Nachfolger von Philipp Karg das Amt als Trainer der U19 bei DJK Don
Bosco Bamberg an! Wie ist denn die DJK gerade auf Sie gekommen?
Thorsten Gotthardt: Der sportliche Leiter Holger Denzler und ich kennen uns
schon über 30 Jahre. 2019 gab es schon einmal Kontakt, da sind wir aber noch
nicht zusammengekommen. Anscheinend hatte er mich aber noch immer auf dem
Zettel.
Neuer Coach der U19 bei Don Bosco: Thorsten Gotthardt.
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Und was hat Sie bewogen,
die Herausforderung anzunehmen und auf die Bank zurückzukehren?
Thorsten Gotthardt: Bei uns in der Familie dreht sich viel, ja fast alles um
Fußball. Egal ob beim Junior oder bei mir. Und wenn man dann die Chance bekommt,
„vor der Haustür“ bei der DJK Don Bosco eine U19 in der Landesliga zu
trainieren, nimmt man natürlich gern die Herausforderung an.
Auf was freuen Sie sich
bei der DJK besonders?
Thorsten Gotthardt:
Einfach auf das ganze Neue… Ein neuer super geführter Verein, neue Leute und so
weiter. Dazu, was ich bis jetzt mitbekommen habe, auf eine coole Mannschaft.
Ist Ihr Ehrgeiz auch dadurch geweckt worden, dass Sie die
Chance haben, Spieler an die Bayernliga-Elf heranzuführen?
Thorsten Gotthardt: Nicht nur, aber das war natürlich auch
ein Grund. Klar ist es einfach ein Super-Gefühl, wenn man vielleicht irgendwann
ein Spiel der Bayernliga-Elf sieht und es spielt der eine oder andere mit, den
man in der U19 trainiert hat. Aber da waren ja in den anderen Altersklassen
vorher auch noch andere Trainer beteiligt. Ich durfte das Gefühl ja schon einmal
erleben, wenn die Jungs, die man in der Jugend hatte dann erste Mannschaft
spielen, klar nicht in der Bayernliga, etwas weiter unten. In Bischberg war es
ja sogar so, dass ich die Jungs aus der Jugend dann auch in der ersten Mannschaft
trainiert habe.
Ist es nicht schwierig, mitten in einer Corona-Pause zu
übernehmen? Sie können sich nicht mit Ihren Jungs treffen und Sie persönlich
kennenlernen. Zudem ist nicht absehbar, wann Sie wirklich auf dem Platz
loslegen können.
Thorsten Gotthardt: Ja, es ist allgemein eine bescheidene
Situation. Aber man kann es nicht ändern und muss sich an die geltenden Regeln
halten und hoffen das alle gesund bleiben. Mit der Truppe hatten wir eine
Videokonferenz, in der sich Philipp Karg verabschiedet hat, Holger Denzler einen
Ausblick gab – soweit möglich und ich mich kurz vorgestellt habe. Ansonsten gab
es etwas Kontakt über WhatsApp. Auf diesem Wege möchte ich mich noch einmal bei
Philipp Karg bedanken, der mir jede Frage beantwortete, was am Anfang ziemlich
viele waren. Alles Gute Philipp, man sieht sich bei Spielen wieder.
Mit dem Engagement in
Wildensorg verlassen Sie als Trainer erstmals Ihr Bischberger Umfeld, eine
bewusste Entscheidung?
Thorsten Gotthardt: Ich
hatte in Bischberg eine sehr schöne Zeit. Ob die Entscheidung bewusst war, kann
man so eigentlich nicht sagen. Aber man bekommt eben nicht oft die Chance, in
absoluter Nähe zu seinem Wohnort U19-Landesliga zu trainieren, also von daher –
Zeit für was Neues! Und wie ich bis jetzt aufgenommen wurde, ist einfach
genial. Egal zu wem ich Kontakt hatte, Holger Denzler, Philipp Karg, Raul
Constantinescu, Sebastian Skorepa, Andreas Baumer oder andere
Vereinsverantwortlichen – es war, als wenn ich schon immer dazu gehörte. Jeder
half und hatte ein offenes Ohr, echt Klasse. Danke! Ich freue mich auf jeden
Fall riesig auf den Verein, die Mannschaft und auf die neue Aufgabe.
So könnte es im Frühjahr 2021 bei Don Boscos U19 aussehen: Thorsten Gotthardt (li.) - dann gewiss in grün und gelb - an der Seitenlinie.
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Nach Ihrem Aus beim FC
Bischberg als Trainer vor gut zwei Jahren hatten Sie eine Pause eingelegt! Hat
es in dieser den Trainer Thorsten Gotthardt nicht schnell wieder gejuckt?
Thorsten Gotthardt: Wie
schon gesagt, Fußball gehört zu unserem Leben dazu. Damals hatte gerade der
Junior mit Fußball begonnen und da standen er und die Familie im Mittelpunkt,
von daher war der „Trainer Thorsten Gotthardt“ ja nie richtig weg, auch wenn
der Junior vielleicht drunter leiden musste. (schmunzelt)
Als Spieler waren Sie
weiter für die Zweite des FCB am Ball, auch in dieser Saison 13 Mal. Kommen im
Frühjahr weitere Partien dazu? Oder war es das als Spieler und Sie
konzentrieren sich auf den Bank-Job?
Thorsten Gotthardt: Ich
habe damals in der zweiten Mannschaft ausgeholfen, als Not am Mann war. Mittlerweile
hat sich die Personalsituation wieder entschärft. Markus Schülein hat aber noch
meine Nummer. (grinst) Aber logisch zählt in erster Linie jetzt die Aufgabe als
Trainer und da warten am Wochenende ganz andere Distanzen. als ich sie bisher
hatte.
Versuchen Sie sich doch
einmal selbst zu charakterisieren. Auf was für einen Coach können sich die
DB-Jungs denn freuen?
Thorsten Gotthardt: Das
ist echt schwierig! Ich denke mal, es ist auch situationsbedingt. Ich kann aber
so viel sagen, dass ich mit Leib und Seele dabei bin, auch emotional, manchmal
vielleicht zu viel. Ich kann aber auch Zuckerbrot und Peitsche. Wenn ich merke,
die Mannschaft zieht mit, erledigt ihre Aufgaben, dann kann sie von mir fast
alles haben. Das Menschliche ist mir auch sehr wichtig. Was man daran sieht, dass
sich mit dem einen oder anderen Ex-Trainer und Ex-Spieler von mir richtige
Freundschaften gebildet haben.
Gab es denn Trainer in
Ihrer aktiven Laufbahn, die Sie besonders geprägt haben oder an die Sie sich
gerne erinnern? Und wenn ja wie beziehungsweise welche?
Thorsten Gotthardt: Also
ich hatte schon einige tolle und gute Trainer eigentlich nimmt beziehungsweise merkt
man sich von vielen etwas, egal ob es positiv oder negativ ist. Ich möchte hier
fünf nennen und warum sie mir in Erinnerung geblieben sind. Logischerweise meine
beiden ersten Trainer Stefan Neuner und Thomas Dumproff, zwei Wahnsinns-Typen. Thomas Augustin, bei dem
es das schlimmste und härteste Training bei einer Trainervorstellung gab. Günter
Straub, menschlich und sportlich spitze, der aber leider verletzungsbedingt
nicht so konnte wie er wollte. Und dann noch Björn Schwinn, bei dem ich bis
jetzt meine härteste Einheit machen musste.
Musste sein Amt aus beruflichen Gründen nach eineinhalb Jahren aufgeben: Philipp Karg.
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Sie übernehmen ein Team,
das in der Spitzengruppe der Landesliga steht. Ist da der Aufstieg in die
Bayernliga ein realistisches Ziel?
Thorsten Gotthardt: Besonders in der jetzigen Situation ist es das
Ziel, den Jungs Spaß am Fußball zu vermitteln und sie bei Laune zu halten.
Soziale Kontakte, wie und wann auch immer möglich und erlaubt und in welcher
Form auch immer zu pflegen und sie für die nächsten Aufgaben vorzubereiten.
Dann wird man sehen, was dabei rauskommt. In der aktuellen Saison haben wir
leider nur noch zwei Spiele, andere Mannschaften noch drei, vier ja teilweise fünf
Spiele. Von daher muss man schauen, was rauskommt und wie es dann weitergeht.
Welche Schlagzeile
wollen Sie denn im Sommer 2021 über sich und Ihre Jungs bei anpfiff.info lesen?
Thorsten Gotthardt: Das
ist noch sehr weit weg. Meine Priorität besteht erst einmal darin, diese Saison
mit einer für einen Aufsteiger tollen Platzierung zu beenden und den Jungs
immer etwas Gutes mitzugeben um sie immer gieriger auf Fußball zu machen!
Vielen Dank für das
Gespräch!