Artikel vom 17.09.2019 14:00 Uhr
Gerd Lamatsch, Autor und Schiedsrichter mit Bundesliga-Erfahrungen, schreibt in seinem neuen Buch über die Video-Schiedsrichterei.
Schon jetzt steht fest: Der Inhalt dieses Buches wird verfilmt. Und zwar an jedem Spieltag in der Fußball-Bundesliga. Fußballgötter, Fans und Journalisten starren dann wie gebannt auf den Hauptdarsteller: VAR - dem Video Assistant Referee. Und damit ist klar, worum es geht: um den Videobeweis im Millionengeschäft Fußball, der einen ganz anderen Blickwinkel auf das Spiel hat als der Hauptschiedsrichter mittendrin.
Wenn man Gerd Lamatsch, Autor und Schiedsrichter mit Erfahrungen bis in den
Profibereich persönlich trifft, spürt man seine große Leidenschaft für den
Fußball und seine emotionale Verbundenheit mit dem Sport, der weltweit die Massen
mobilisiert. Über 1.850 Spiele hat er in seiner Karriere geleitet und begleitet.
Er war Assistent und Coach – ein Mann also, der weiß, worüber er schreibt und
spricht.
Gerd Lamatsch ist nach wie vor aktiver Schiedsrichter im Amateurfußball.
Uwe Kellner
„Es gibt nichts Schlimmeres für einen Schiedsrichter, als wenn er nach dem Spiel im Fernsehen
sieht, dass er eine klare Fehlentscheidung getroffen hat, während Millionen Zuschauer
auf dem Bildschirm den Videobeweis quasi live präsentiert bekommen. Auch die Zuschauer
im Stadion wissen mehr als der Schiedsrichter, und der ist letztlich der Gelackmeierte,
weil er keinerlei technische Unterstützung hat.“
Mindestens 80 Prozent der klaren Fehlentscheidungen werden korrigiert
Klingt eigentlich nach
einem klaren Bekenntnis zum Videobeweis. Aus Lamatschs Sicht jedenfalls ist
schwer vermittelbar, dass das Gewinnen oder Verlieren eines Spiels bzw. der Auf-
oder Abstieg einer Mannschaft und nicht zuletzt das wirtschaftliche Überleben
eines Vereins von einer technisch nicht unterstützten
Schiedsrichterentscheidung abhängt. Kein Wunder, denn Lamatsch zeigt in seinem
Buch auf, dass mindestens 80 % der klaren und dramatischen Fehlentscheidungen
durch den Video-Schiri korrigiert werden.
Aber so einfach ist die Sache dann doch wieder nicht. Das weiß
Experte Lamatsch natürlich auch, und deshalb beleuchtet er den
(Wettbewerbs-)Konflikt zwischen dem Schiedsrichter im Videoraum und dem
Hauptschiedsrichter auf dem Platz. „Es ist nicht klar definiert, wann der Schiedsrichter
im Videoraum eingreifen und die Entscheidungen des Hauptschiedsrichters auf dem
Platz beeinflussen darf. Der Ermessensspielraum ist sicherlich groß, und
deshalb plädiere ich dafür, dass die betroffenen Mannschaften selbst darüber
entscheiden dürfen, ob das Verhalten der Spieler auf dem Platz überprüft wird
oder nicht.“
Der
Schiri mit Leidenschaft zeigt in seinem Buch einige Stellschrauben auf, um den
VAR attraktiver zu machen. Immerhin sollte mit der Einführung des Videobeweises
alles gerechter, schöner und besser werden. „Gefühlt“ ist allerdings das
Gegenteil eingetreten – zum Beispiel (insbesondere seit 2018) auch im Hinblick
auf die Frage, wie das Handspiel als Regelverstoß geahndet werden soll und darf.
Forderung nach Netto-Spielzeit
Gerd Lamatsch
mococo / Stefan Schwarz
Lamatsch mag klare Worte – auch zu einem Randthema. In seinem
Buch hat er zudem die Belange der Fußballfans im Blick und fordert die
Einführung einer reinen Netto-Spielzeit wie beim Eishockey: Ist der Puck nicht
im Spiel, wird die Zeit angehalten. Die Zuschauer bekommen also immer genau 60
Minuten reine Spielzeit zu sehen.
Und im Fußball? Lamatsch: „Wir reden heute von 90 Minuten Spielzeit, aktiv
werden davon aber nur ca. 55 bis 60 Minuten gespielt, und das ist ein Witz.
Würde endlich die reine Spielzeit eingeführt, gehörten taktische Spielchen oder
Zeitschinderei der Vergangenheit an.“
Fazit: Ein superspannender Lesestoff für
Fußballbegeisterte, die mehr über
Schiedsrichterentscheidungen und die Hintergründe wissen
möchten.
Erhältlich online über Amazon!