Artikel vom 24.04.2023 18:00 Uhr
Der FC
Viereth und die SpVgg Roßstadt haben sich vor zwei Jahren zusammengetan, um den regionalen Damenfußball weiter voranzutreiben. Mit Kàri
Reyr Jonsson Beck und Sven Schwaten hat man bei diesem Projekt zwei Vollblutfußballer an seiner Seite, die mit all ihrer Erfahrung und ihrem Ehrgeiz
schon jetzt einiges bewirken konnten. Im Interview mit anpfiff.info
geben beide einen Einblick in ihren straffen Trainer-Alltag.
2021 hat das
Projekt Spielgemeinschaft mit Viereth und Roßstadt begonnen. Wenn man mal
zurückblickt, was waren anfangs die größten Hürden und wie gut ist die
Mannschaft mittlerweile zusammengewachsen?
Kàri Reyr
Jonsson Beck: Wir hatten von Anfang an keine Probleme. Der Mix aus jungen Damen
und jüngeren Damen hat sofort gepasst. Es hat natürlich ein bisschen gedauert,
bis spielerisch alles geklappt hat. Aber in wenigen Wochen hatte sich das alles
eingespielt. In unserer ersten gemeinsamen Saison sprang ein guter zweiter
Platz dabei heraus und auch heuer läuft fast alles richtig. Die Damen arbeiten
gut und ich bin zufrieden, wie es bisher läuft.
Der SV Würgau
tritt in dieser Saison sehr dominant auf. Gleich dahinter findet man tabellarisch
aber bereits die SG Viereth/Roßstadt. Inwieweit spiegeln die diesjährigen
Ergebnisse Ihren bisherigen Entwicklungsprozess wider?
Sven Schwaten:
Der Entwicklungsprozess ist nicht nur in diesem Jahr, sondern auch schon die
Jahre vorher über erkennbar. Die Trainer vor mir haben einen tollen Job gemacht
und die Damen stets weiterentwickelt.
Die SG Viereth/Roßstadt ist aktuell gut aufgestellt.
anpfiff.info
In welchen
Bereichen macht sich dies zuletzt vor allem bemerkbar?
Kàri Reyr
Jonsson Beck: Unsere Damen kennen sich jetzt schon besser als im ersten Jahr.
Diejenigen, die aus der Jugend herausgekommen sind, haben sich direkt ins Team
reingespielt. Unsere Damen spielen echt gut zusammen! Sowohl offensiv als auch
defensiv werden sie bei jedem Spiel besser.
Was macht für
Sie beide ganz persönlich den Reiz an diesem Projekt aus und worin sehen Sie
den größten Unterschied zum Herrenfußball?
Kàri Reyr
Jonsson Beck: Für mich ist Fußball, Fußball. Ich habe vor fünf Jahren mit
Juniorinnenfußball in Viereth angefangen. Viele von damals haben es heute
bereits ins Erwachsenenteam geschafft, was mich wirklich stolz macht. In Sachen
Disziplin sind die Damen meiner Meinung nach ein bisschen einfacher, ansonsten
sehe ich keine großen Unterschiede zwischen ihnen und den Herren.
Sven Schwaten:
Ich verfolge den Damenfußball schon eine Weile und finde es toll, wie sich
dieser entwickelt hat. Ich wollte einen Teil dazu beitragen und der Mannschaft
mit meiner Erfahrung helfen, sich weiterzuentwickeln. Ich finde man sollte
davon abkommen, den Damen- und Herrenfußball miteinander zu vergleichen. Aus
meiner Sicht befindet sich der Damenfußball im Amateurbereich immer noch im
Aufbau. Fakt ist, dass die Damen mindestens genauso engagiert, mit Herzblut
und Leidenschaft dabei sind, wie die Männer.
Wie muss man
sich die Aufgabenteilung bei Ihnen beiden vorstellen? Wer übernimmt welche
Rollen im laufenden Trainings- und Spielbetrieb?
Kàri Reyr
Jonsson Beck: Wir trainieren montags immer in Viereth, dort halte ich das
Training ab. Donnerstags in Roßstadt ist dann Sven an der Reihe. Bei den Spielen
coachen wir gemeinsam, sofern wir beide da sind. Dazu muss ich sagen: Sven hat
heuer die gesamte Wintervorbereitung mit Hilfe seines Vaters und Tobias Baum
übernommen. Ich selbst wurde im Februar nämlich am Knie operiert und war
deswegen leider komplett raus. Jetzt kann ich aber langsam wieder aktiver dabei
sein.
v.l.n.r.: FC-Trainer Kári Reyr Jonsson Beck, Spielführerin Lena Bennek und SpVgg-Trainer Sven Schwaten
anpfiff.info
Welche
persönlichen Ziele haben Sie sich für die restliche Spielzeit gesteckt?
Kàri Reyr
Jonsson Beck: Wir haben dasselbe Ziel wie schon immer: Spaß am Fußball haben
und versuchen, sich zu verbessern - bei jedem Training und jedem Spiel. Was in
der Tabelle am Ende dabei herauskommt? Lassen wir uns überraschen.
Sven Schwaten:
Mein persönliches Ziel ist es, noch mehr Struktur ins Spiel zu bringen. Das
heißt Abläufe zu trainieren, jeder Spielerin eine Aufgabe mitzugeben und
natürlich die Lust am Fußball weiter zu kitzeln. Ich denke, wenn wir da weiter
machen, werden wir in dieser Saison noch das ein oder andere Spiel gewinnen.
Blicken wir
mal in die Zukunft: Würden Sie sagen, dass sich der Damenfußball unter der
Fahne der SG Viereth/Roßstadt auf einem guten Weg befindet?
Kàri Reyr
Jonsson Beck: Unsere SG ist sogar auf einem sehr guten Weg. Der FC Viereth und
die SpVgg Roßstadt haben von Anfang an dieselben Ziele in Sachen Damenfußball
gehabt. Es ging darum, Spaß zu haben und dass die Damen gerne zum Training und
zu den Spielen kommen. Der Zusammenhalt auf und neben dem Platz soll einfach
passen - und genau so ist das aktuell. Man muss dazu sagen, dass diese SG von
Anfang an schon nicht als kurzfristige Lösung gedacht war. Es war und bleibt
ein langfristiges Projekt für uns alle.
Sven Schwaten:
Ich denke auch. Die Fortschritte sind von Jahr zu Jahr erkennbar. Die Mädels
harmonieren sehr gut, unternehmen auch viel neben dem Fußballplatz miteinander,
was schön und vor allem wichtig für einen guten Zusammenhalt ist.
Kàri Reyr Jonsson Beck (li.) verbringt schon jetzt sehr viel Zeit auf dem Fußballplatz. Im kommenden Jahr wird er gemeinsam mit Eugen Katzendorn (re.) zusätzlich den ASV Gaustadt übernehmen.
anpfiff.info
Dennoch wartet
für Sie, Herr Jonsson Beck, im kommenden Jahr eine neue Traineraufgabe bei den
Herren des ASV Gaustadt? Können Sie dem Damenfußball dann überhaupt noch
vollständig treu bleiben?
Kàri Reyr
Jonsson Beck: Ja, ich werde weiterhin bei den Damen bleiben. Wie wir es genau
machen, werden wir sehen. Da ich ja nach wie vor auch Aufgaben im
Juniorinnenbereich übernehme, wird das schon ein straffes Programm für mich
werden. Aber zum Glück habe ich tolle Leute an meiner Seite, wie Christian Dürr
und Amy Jonsson-Beck in der U17 und Letizia Mielke und Benjamin Eck bei der
U13. In Gaustadt hilft mir zudem Eugen Katzendorn. Ohne sie alle und noch viele
andere würde das nie klappen. Ihnen kann ich gar nicht genug dankbar sein!
Und wie ist
das bei Ihnen, Herr Schwaten? Gibt es da schon eine Tendenz, wie es im
kommenden Jahr für Sie in Sachen Damen-Trainer weitergeht?
Sven Schwaten:
Voraussichtlich beende ich das Trainieramt bei den Damen nach der Saison
wieder. Die Doppelbelastung als Herren- und Damentrainer ist mir auf Dauer
einfach zu groß.
Welche
abschließenden Worte in Richtung Ihrer Mannschaft wollen Sie noch loswerden?
Kàri Reyr
Jonsson Beck: Macht weiter so und gebt niemals auf! Es gibt keine Probleme, nur
Lösungen. Bis jetzt haben wir aufgrund unseres starken Zusammenhalts immer
Lösungen gefunden. Mit Geduld kriegen wir alles hin!
Vielen Dank für die umfassenden
Ausführungen!